Beim abendlichen Spaziergang schlagen zwei Hunde Alarm. Ihr Bellen führt ein Paar zu einer lebensgefährlich unterkühlten Frau. Rettungskräfte sprechen von Rettung in letzter Minute.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Ein abendlicher Spaziergang nimmt in Kaisersbach (Rems-Murr-Kreis) eine dramatische Wendung. Ein Paar ist am Dienstagabend mit seinen beiden Hunden unterwegs, als der Jack Russell Terrier plötzlich laut anschlägt. „Er zog an der Leine, dann fing auch der Große an zu bellen“, schildert der Hundeführer, der anonym bleiben möchte. Die Hunde ziehen ihre Halter zu einem parkenden Auto auf einer Einfahrt. Dort hören sie ein leises Stöhnen.

 

Zwischen Auto und Hauswand liegt eine ältere Frau, lediglich mit einem Nachthemd bekleidet. „Ohne die Reaktion der Hunde wären wir wohl einfach vorbeigelaufen“, sagt der Mann. Innerhalb weniger Minuten ist klar: Die Situation ist ernst.

Die Frau liegt schutzlos in der Kälte

Die beiden Kaisersbacher reagieren umgehend. Die ältere Frau ist kaum ansprechbar und sehr stark unterkühlt. Da sie kein Handy dabei haben, blickt sich der Mann um. Beim Nachbarn brennt Licht. „Ich habe geklingelt und an die Küchenscheibe geklopft.“ Der Nachbar reagiert sofort. Die beiden verständigen sich und sofort wird die Notfallrettung alarmiert. „Währenddessen ist meine Frau sofort nach Hause gelaufen und hat Decken geholt“, schildert ihr Mann. Der Hundebesitzer und der Nachbar kümmern sich um die ältere Frau.

Der Disponent der Integrierten Leitstelle Rems-Murr stuft den Zustand der Frau als lebensbedrohlich ein. Neben dem Rettungswagen wird auch ein Notarzt alarmiert. Ein Rettungshubschrauber wird vorsorglich angefordert, kann jedoch unter anderem wegen der Wetterlage nicht starten, wie der DRK-Kreisverband Rems-Murr mitteilt.

„Der Transport der Patientin erfolgte daher bodengebunden unter notärztlicher Begleitung“, berichtet Markus Rader, Notfallsanitäter der DRK-Rettungswache Welzheim. Die Körpertemperatur der Frau habe bei nur noch 33 Grad gelegen, ihr Zustand sei sehr kritisch gewesen. Das Verhalten des Paares und der Nachbarn bezeichnet er als vorbildlich.

Es droht ein „Afterdrop“

Sofort kommen medizinische Wärmedecken zum Einsatz, die kontrolliert Wärme abgeben und gezielt zur Behandlung von Unterkühlung eingesetzt werden, berichtet Markus Rader. Sie können Patienten auf bis zu 40 Grad Körpertemperatur erwärmen. Der Prozess wird medizinisch überwacht. „Im Rettungswagen musste die Frau narkotisiert und beatmet werden“, sagt Markus Rader. Das dient dazu, Herz und Gehirn zu schützen, die unregelmäßige Atmung zu kontrollieren und eine sichere, überwachte Wiedererwärmung zu ermöglichen, erläutert der DRK- Rettungsdienst. „Beim Erwärmen besteht die Gefahr des sogenannten ,Afterdrop’: Dabei fließt kaltes Blut aus Armen und Beinen zurück zum Körperkern und kann das Herz schädigen.“ Umgehend erfolgt der Transport in den Schockraum des Klinikums Winnenden.

Parallel zum Rettungsdienst werden auch ehrenamtliche Helfer aus der Nachbarschaft alarmiert. „Die Rettungskette lief umfassend und reibungslos“, sagt Markus Rader. Wäre die Frau unentdeckt geblieben, hätte sie den Abend möglicherweise nicht überlebt.

Der Kaisersbacher selbst bleibt bescheiden. „Wenn da ein Mensch liegt und nicht reagiert, dann gibt es nur eine Sache: Helfen!“ In solchen Momenten, sagt er, sei alles klar: Krankenwagen rufen, Decken holen, sich kümmern.“ Wie es der Frau aktuell geht, ist dem Deutschen Roten Kreuz nicht bekannt.