Vorfall in Stuttgart-Riedenberg Das passiert nach einem Amokalarm

Von Felizitas Eglof 

Am Montagnachmittag ging in einer Grundschule in Stuttgart-Riedenberg der Amokalarm los. Welche Maschinerie setzt das in Gang?

Vor zwei Jahre gab es in Esslingen einen Amokalarm. Grund dafür war ein bewaffneter Mann, der gesichtet worden war. Foto: dpa
Vor zwei Jahre gab es in Esslingen einen Amokalarm. Grund dafür war ein bewaffneter Mann, der gesichtet worden war. Foto: dpa

Riedenberg - Amokalarm an der Grundschule Riedenberg – vergangene Woche ist dies aufgrund eines technischen Defekts passiert. Doch was spielt sich an einer Schule ab, wenn der Alarm losgeht? „Wir haben an der Schule seit 2017 eine Sprachalarmierungsanlage, über die wir einen Brand- oder Amokalarm auslösen können“, sagt Daniela Noe-Klemm, die Leiterin der Grundschule Riedenberg. Diese Anlage ist mit allen Schulgebäuden sowie Turnhallen vernetzt.

Das passiert bei Feueralarm

Sollte es in der Schule brennen, kann der Brandalarm über einen Knopf ausgelöst werden. Dieser befindet sich im Sekretariat, im Hausmeisterzimmer sowie im Neubau. Wird er gedrückt, ertönt die Durchsage: „Brandalarm – bitte verlassen Sie das Gebäude.“ Schüler und Lehrer müssen daraufhin alles stehen und liegen lassen und gehen über einen persönlichen Fluchtweg aus dem Gebäude.

Draußen versammeln sie sich auf dem Pausenhof. Wenn alle Klassen sicher aus dem Gebäude gekommen sind, gehen sie auf den Pausenhof einer Nachbarschule, um vom brennenden Gebäude weit entfernt zu sein. „Diesen Fall üben wir jedes Jahr mit unseren Schülern, damit alle wissen, was sie in einem Brandfall zu tun haben“, sagt Noe-Klemm.

Das passiert bei Amokalarm

Wenn aber, wie vergangene Woche geschehen, ein Amokalarm ausgelöst wird, müssen sich die Menschen im Schulgebäude komplett anders verhalten. Denn sie müssen im Gebäude bleiben. Auch für diese Eventualität gibt es im Sekretariat, im Hausmeisterzimmer, in der Sporthalle und im Neubau einen Amokknopf.

Dieser Knopf ist mit einem Deckel oder einer Glasscheibe geschützt, sodass man den Alarm nicht aus Versehen auslösen kann. Wenn der Knopf gedrückt wird, ertönt in einer Endlosschleife der Satz: „Gefahrensituation – bitte begeben Sie sich in einen sicheren Raum.“ Daraufhin versammeln sich alle, die sich in einem Klassenzimmer befinden, an einem orangefarbenen Punkt im Zimmer. Dieser ist weit genug von der Tür und den Fenstern entfernt. Außerdem verschließt der Lehrer die Tür von innen.

Lehrer, die gerade keinen Unterricht haben, sind dafür zuständig, Schüler, die sich frei im Schulhaus bewegen oder auf der Toilette sind, in Sicherheit zu bringen. „Das muss jedoch jeder anhand der Situation abschätzen, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen“, sagt Noe-Klemm. Nach dem Alarm ist es der Job der Schulleiterin, die Polizei zu rufen. „Sobald die Polizei vor Ort ist, habe ich alle Stufen der Alarmierungskette abgearbeitet und folge den Anweisungen der Beamten“, sagt die Schulleiterin. Denn der Alarm kann auch nur von der Polizei wieder ausgeschaltet werden. „Einen Amokfall dürfen wir jedoch mit unseren Schülern nicht üben. Deswegen ist es wichtig, dass alle Lehrkräfte schnell agieren.“

Es gibt einen Amokplan für Stuttgarter Schulen

Nach dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen wurde ein Amokplan für die Stuttgarter Schulen erstellt. Alle Schulen haben seitdem eine Pausenglocke mit drei unterschiedlichen Tonsignalen, die einen Brand- und Amokalarm auslösen können; die Fluchtwege wurden überarbeitet, und es gibt im Schulgebäude Amokknöpfe, erklärt ein Sprecher des Schulverwaltungsamts. Außerdem sieht der Plan für jede Schule eine Sprachalarmierungsanlage vor. 102 Schulen würden mittlerweile über solch eine Anlage verfügen, bei den restlichen 68 Schulen soll diese noch eingebaut werden, so das Schulverwaltungsamt. Dies geschehe meistens in Verbindung mit aktuellen Sanierungsarbeiten.

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