Im vergangenen Schuljahr waren Vorlesepaten bei den Fünft- und Siebtklässlern der Pestalozzischule. Der Verein Leseohren möchte dadurch den Kindern Literatur und damit ein Gefühl für Sprache näher bringen.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)

Vaihingen - Alles Große, das in der Welt vollbracht wurde, spielte sich zuerst in der Fantasie eines Menschen ab. So formulierte es einst die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Edith Kühnle-Wick mag dieses Zitat. „Die Kinder lernen zunächst in ihrem Kopf, was alles möglich ist“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Leseohren. Damit die Fantasie Flügel bekommt, brauchen Kinder Bücher. Schon seit vielen Jahren bringt der Verein Leseohren den Mädchen und Jungen die Welt der Literatur näher. Bislang standen aber Kinder im Fokus, die selbst noch nicht lesen können. Im Herbst 2014 begann an der Pestalozzischule ein Pilotprojekt. Vorlesepaten tauchten mit Fünft- und Siebtklässlern in das Reich der Bücher ein. Kooperationspartner ist die Stadtteilbibliothek Vaihingen.

In kleinen Gruppen ist die Muße der Paten spürbarer

Nach einem Schuljahr zieht Kühnle-Wick ein positives Fazit. „Lesen ist wichtig. Und es hört gar nicht auf, wichtig zu sein“, sagt die ehemalige Rektorin. Wer lese, erweitere seinen Wortschatz und bekomme ein Gefühl für die Sprache. Im vergangenen Schuljahr kamen einmal in der Woche Vorlesepaten in die Pestalozzischule. „Wir haben uns bewusst für kleine Gruppen von circa drei Kindern pro Pate entschieden“, sagt Kühnle-Wick. Es gehe darum, eine Beziehung zwischen den Schülern und den Paten aufzubauen. „Die Kinder sollen spüren, dass jemand für sie da ist und Muße für sie hat“, sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende. Das sei auch für ältere Schüler wichtig. Insbesondere dann, wenn zu Hause nicht vorgelesen werde und in manchen Fällen noch nie vorgelesen wurde.

Die Paten mussten eine Ausbildung durchlaufen

Für die rund 20 Vorlesepaten war das Projekt eine Herausforderung. Sie wurden für diese Aufgabe speziell geschult. „Eine gute Begleitung unserer Ehrenamtlichen gehört bei uns zum Konzept“, sagt Kühnle-Wick. Grundsätzlich gebe es einen Einführungsworkshop zu Beginn und mehrere Fortbildungen während des Schuljahres. Doch in einer Werkrealschule vorzulesen, sei etwas anderes als beispielsweise im Kindergarten. „Nicht alle Schüler haben da Bock drauf“, sagt Kühnle-Wick. Darum habe es diesmal beispielsweise auch eine Weiterbildung unter der Überschrift „Mein Freund, der Störer“ gegeben.

Regina-Veronika Fritz ist eine der Vorlesepatinnen. Sie selbst hat einen vierjährigen Sohn, dem sie täglich vorliest. Darum habe sie ehrenamtlich etwas mit älteren Kindern machen wollen, sagt die junge Mutter. „Mit den Schülern kann ich eine Geschichte entwickeln. Sie erfassen schon den tieferen Sinn“, sagt Regina-Veronika Fritz. Barbara Behr ergänzt: „Ich habe neun Jahre lang im Kindergarten vorgelesen und wollte jetzt eine neue Herausforderung und andere Bücher.“

Das Leseprojekt soll weitergeführt und ausgeweitet werden

Zunächst stehen aber die Siebtklässler vor einer Herausforderung. Denn sie können sich zu Vorlesepaten ausbilden lassen. Der Verein Leseohren möchte gemeinsam mit der Schulleitung ein Konzept ausarbeiten. „Vielleicht lesen die Schüler künftig in Kindergärten oder Pflegeheimen“, nennt Kühnle-Wick Ideen. Das Vorleseprojekt an der Pestalozzischule wird fortgesetzt. Die Fünftklässler waren von den Vorlesestunden begeistert. „Sie wünschen sich, dass es weitergeht und wollen ihre Paten behalten“, sagt Kühnle-Wick. Auch in den neuen fünften Klassen wird vorgelesen. Kühnle-Wick könnte sich vorstellen, das Projekt auf andere Schulen auszuweiten. Vorausgesetzt, es finden sich genügend ehrenamtliche Paten.

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