Vorranggebiete festgelegt Wo sich im Kreis Böblingen Windräder drehen dürfen

Jetzt steht fest, wo sich im Kreis Windräder drehen könnten. Foto: Federico Gambarini/dpa

Die Regionalversammlung hat die Vorranggebiete für Windkraft beschlossen. Was das für den Kreis Böblingen bedeutet.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Jetzt ist endgültig klar, wo im Kreis Böblingen Windräder gebaut werden dürfen. Die Regionalversammlung hat am Mittwoch die Vorranggebiete für Windkraft beschlossen und erfüllt mit 1,9 Prozent das vorgegebene Flächenziel von 1,8 Prozent knapp. Damit geht ein zäher Prozess mit vielen Verhandlungen und emotionalen Debatten zu Ende.

 

Die Regionalversammlung stimmte den Vorschlägen des Verbands Region Stuttgart ohne Änderungswünsche zu. Die großen, aber damals noch nicht endgültig beschlossenen Verschiebungen hatte es bereits im April gegeben. Überraschungen blieben diesmal aus. Nur für Sindelfingen gab es ein Zugeständnis. Eine kleine Fläche nördlich von Sindelfingen-Darmsheim, für die bereits Windrad-Ideen existieren, wurde vom Verband wieder in den Plan aufgenommen.

Wie viele Vorranggebiete im Kreis ausgewiesen wurden

Im April hatte vor allem die Entscheidung, die Fläche BB-14 zwischen Böblingen, Holzgerlingen und Ehningen zu verkleinern, Irritationen verursacht. Von einer Lex Diezenhalde war die Rede. Offenbar in einer Art Tauschgeschäft war es gelungen, bei BB-14 einen Abstand zur Wohnbebauung auf der Diezenhalde von 1200 statt 800 Metern auszuhandeln. Dadurch schrumpfte die Fläche um rund die Hälfte auf 97 Hektar.

25 Vorranggebiete im Kreis

Bei dieser Größe bleibt es, ein Windpark ist damit unwahrscheinlich. Überhaupt bedeutet eine Ausweisung als Vorranggebiet nicht, dass dort zwingend Windräder gebaut werden. Es handelt sich um Flächen, auf denen der Bau von Windrädern grundsätzlich erlaubt ist, während es anderswo wohl nur in absoluten Ausnahmefällen möglich ist.

Die Grafik zeigt alle Vorranggebiete für Windkraft in der Region Stuttgart – allerdings sind innerhalb der Gebiete manchmal nur Teilflächen als potenzielle Windrad-Standorte ausgewiesen. Foto: Björn Locke

Von den ursprünglich 32 vorgeschlagenen Vorranggebieten bleiben im Kreis Böblingen 25 Gebiete erhalten. Von insgesamt 7085,45 ausgewiesenen Hektar in sechs Land- beziehungsweise Stadtkreisen fallen 2438,06 – rund 34 Prozent – auf den Kreis Böblingen. Das größte ist das Gebiet BB-24 (458,20 Hektar), das auf Leonberger, Sindelfinger und Magstadter Gemarkung im Wald neben der A 81 liegt. Das kleinste ist mit 6,22 Hektar die wieder hinzugenommene Fläche nördlich von Sindelfingen-Darmsheim.

Größte Veränderung in Sindelfingen

Ebenfalls im Plan enthalten ist beispielsweise BB-07 im Herrenberger Spitalwald und auf Jettinger Gemarkung, wo zwei Windparks geplant sind. Ebenso wurden die Flächen nordöstlich der Sindelfinger Dachsklinge, auf denen die Stadtwerke Sindelfingen einen Windpark bauen wollen, als Vorranggebiet ausgewiesen. Auf Böblinger Gemarkung existieren jetzt noch zwei Vorranggebiete: ein Zipfel von BB-14 und die komplette Fläche BB-20 . Die Fläche BB-20 befindet sich im Staatswald Richtung Musberg. Auf Aidlinger Gemarkung gibt es – entgegen dem Wunsch der Gemeinde – kein Vorranggebiet mehr. Die bedeutendste Veränderung zum Planungsentwurf von April ist wohl die Entscheidung, die Fläche bei Darmsheim wieder in den Plan aufzunehmen.

So sind die Gebiete im Kreis Böblingen verteilt. Die orangefarbenen Flächen sind potenzielle Windrad-Standorte. Foto: Verband Region Stuttgart

Sie gehört zum Vorranggebiet BB-19, das der Verband wegen „visueller Überlastung“ komplett streichen wollte. Eine Entscheidung, gegen die die Stadt Sindelfingen rebellierte. Denn nördlich von Darmsheim wollte Christian Schäfer, Geschäftsführer von Naturstein Schäfer, zwei Windräder bauen. Ein Projekt, das bislang offenbar auf viel Zustimmung gestoßen ist. Ohne Ausweisung der Fläche zum Vorranggebiet aber nicht umsetzbar gewesen wäre. Mit dem Votum, sie doch noch im Plan zu verankern, ist das Projekt wieder im Rennen. Eine Nachricht, die Christian Schäfer auf Nachfrage begrüßt.

Was der Landrat zum Ergebnis sagt

Für Landrat Roland Bernhard (parteilos) markiert der Beschluss der Regionalversammlung einen wichtigen Meilenstein. Der Landrat hatte 2022 zu Beginn des Planungsprozesses als gemeinsames Ziel von Kreis und Kommunen angekündigt, „zehn plus x“ Windräder errichten zu wollen. „Als wirtschaftsstarker Landkreis mit großem Energiehunger wollen wir im Landkreis Böblingen auch der Windenergie Raum geben“, teilt er nun auf Nachfrage mit.

Das vor drei Jahren anvisierte Ziel gilt für den Landrat nach wie vor. Und es scheint nicht ganz unmöglich, es zu erreichen. Dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde liegen aktuell drei Anträge für Windparks vor. Die Sindelfinger Stadtwerke wollen nördlich der Dachsklinge fünf Windräder aufstellen, die Stadtwerke Stuttgart bei Jettingen ebenfalls fünf und Iterra bei Rutesheim-Perouse drei. „Wir werden alles daran setzen, die Verfahren zügig durchzuführen“, verspricht der Landrat. „Schließlich wollen wir unser Ziel von ,zehn plus x’ zeitnah erreichen.“

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