Vorschläge zur Stärkung des Esslinger Einzelhandels CDU regt neues Parkhaus an

Das frühere Modehaus Kögel steht leer – die Stadt erwägt, ihre Bücherei dorthin zu verlegen. Die CDU-Fraktion sieht den Verlust von Einzelhandelsflächen kritisch. Foto: Roberto Bulgrin

Die Probleme der Esslinger Innenstadt sind unübersehbar. Die CDU-Ratsfraktion fordert Ideen zur Stärkung des Einzelhandels und will über ein neues Parkhaus nachdenken. Ein Umzug der Bücherei wird wegen des Verlusts von Verkaufsflächen kritisch gesehen.

Die Zukunft ihrer Innenstadt bereitet vielen Esslingerinnen und Esslingern Sorge. Die CDU-Ratsfraktion erwartet von der Stadtverwaltung „mehr Mut und Gestaltungswillen, um die Altstadt nachhaltig zu beleben“. Fraktionschef Tim Hauser ist überzeugt: „Ohne einen breit aufgestellten Einzelhandel lässt sich die Innenstadt nicht beleben.“ Deshalb sehen die Christdemokraten Überlegungen, die Stadtbücherei ins frühere Modehaus Kögel zu verlegen, kritisch. Um die Innenstadt zu stärken, hat die CDU einen ganzen Katalog von Vorschlägen präsentiert. So soll die Kommunalpolitik „über ein neues, gut gelegenes Parkhaus nachdenken, das von der Stadt betrieben wird“.

 

Für Tim Hauser steht fest, dass es mit kosmetischen Korrekturen allein nicht mehr getan ist: Slogans wie „Draußen ist das neue Drinnen“ könnten die Probleme nicht lösen. Auch ein längst überfälliger neuer Belag auf dem Marktplatz sei keine ausreichende Lösung. Mehr müsse getan werden, um „eine neue Verbundenheit zwischen der Stadt und ihren Einwohnern zu schaffen“. Esslingen müsse wieder Anziehungspunkt für Konsumenten aus der ganzen Region werden.

Wenn Traditionsgeschäfte schließen, Ladenlokale leer stehen und Kunden ausbleiben, drohe eine Abwärtsspirale, warnt Hauser: „Im Sommer kann man das vielleicht noch mit viel Außengastronomie abfedern, aber im Winter funktioniert das nicht.“ Besonders der Verlust wesentlicher Handelsflächen habe diese Entwicklung beschleunigt: „Ohne deren Sogwirkung sinkt die Besucherfrequenz der umliegenden kleineren Geschäfte.“ Mit Blick auf die Entscheidung über den künftigen Standort der Stadtbücherei sieht Hauser viele offene Fragen.

Bedenken gegen Büchereiumzug

Ein Umzug der Bibliothek vom Bebenhäuser Pfleghof in eine Ankerimmobilie wie das Kögel-Gebäude sei für die CDU-Fraktion derzeit kaum vorstellbar. „Die Entscheidung über die Zukunft der Stadtbücherei wurde bereits mehrfach verschoben, obwohl zuvor großer Druck auf den Gemeinderat ausgeübt worden war“, sagt Hauser. Das deute auf erhebliche Unklarheiten hin. Die CDU bezweifelt, dass mögliche Vorteile eines Umzugs die hohen Kosten rechtfertigen würden: „Für uns bleibt es wichtiger, zentrale Flächen in der Innenstadt für den Einzelhandel zu sichern.“ Ein Umzug der Bücherei werde vermutlich kaum dazu beitragen, spürbar mehr Besucher in die Innenstadt zu locken.

„Es mangelt an geeigneten Flächen“

Tim Hauser ist überzeugt, dass Esslingen ein attraktiver Standort ist. Die Stadt müsse aktiv steuern, um eine ausgewogene Mischung aus Handel, Gastronomie und Dienstleistungen zu sichern: „Wir wissen von Händlern, die Interesse am Standort Esslingen haben.“ Ein namhaftes Modehaus habe seine Fühler nach einer passenden Fläche in Esslingen ausgestreckt. Und der Strabag-Konzern plane auf dem Karstadt-Areal drei Einzelhandelsflächen, für die es bereits geeignete Mieter gebe. „Es mangelt also nicht an Interessenten, sondern an geeigneten Flächen“, so Hauser.

Die CDU wünscht sich ein strategisches Flächenmanagement und neue Konzepte. So könnten Schwerpunkte für Gastronomie, Gewerbe und Dienstleistungen geschaffen werden. „Wenn wir es schaffen, Flächen zusammenzulegen, kann Neues entstehen– etwa ein Altstadtkaufhaus, das sich über mehrere Gebäude erstreckt“, so Hauser. Dafür brauche es engen Kontakt mit Eigentümern und Ladenbetreibern. Wer den Wert seines Besitzes erhalten wolle, brauche ein attraktives Umfeld. Derzeit fehle ein klarer Plan, wie Teilbereiche gesteuert und einseitige Nutzungen verhindert werden könnten.

Foto: privat

Für die CDU zählen Sauberkeit, Sicherheit und gute Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln zu den Grundpfeilern einer zukunftsfähigen Innenstadt. Auch kleine Annehmlichkeiten könnten zur Attraktivität beitragen – etwa eine zentrale Aufbewahrungsmöglichkeit für Markt- und sonstige Einkäufe an Samstagen. Eine komplett autofreie Altstadt könne nicht das Ziel sein. Gute Parkmöglichkeiten in Altstadtnähe seien wesentlich für den Handel. Hauser ist überzeugt: „Die bestehenden Parkhäuser sind oft teuer und wenig einladend. Deshalb müssen wir ernsthaft über ein neues, gut gelegenes Parkhaus nachdenken, das von der Stadt selbst betrieben wird.“

Das eröffne Chancen, den Verkehr zu entlasten und die Parksituation für Innenstadtbewohner neu zu organisieren. Ein neues Parkhaus könnte die rund 100 Stellplätze in der Tiefgarage Kleiner Markt ersetzen und helfen, den Marktplatz wirklich autofrei zu machen. Für die CDU ist klar: „Die Innenstadtentwicklung lässt sich nicht von heute auf morgen auf ein neues Gleis setzen. Dafür braucht es Mut zu unkonventionellen Ideen, Konsequenz im Handeln und einen langen Atem. Wir müssen mehr tun als bisher.“

Esslinger CDU sieht sich durch bundesweite Studie bestätigt

Studie
 Die „Deutschlandstudie Innenstadt 2024“ wurde von der CIMA Beratung + Management GmbH in Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland und dem Handelsverband Deutschland erstellt. Sie will eine wissenschaftliche Grundlage in der Debatte um die Zukunft der Innenstädte im Wandel bieten.

Erkenntnisse
Laut Studie ist der Einzelhandel weiterhin der wichtigste Anker einer City: Rund 70 Prozent der Besucher kommen wegen der Einkaufsmöglichkeiten, fast 60 Prozent wegen Gastronomie, je rund 50 Prozent wegen Gesundheitsdienstleistungen oder wegen sozialer Kontakte und zum Bummeln, jeweils rund 42 Prozent wegen Dienstleistungen und Behördengängen, knapp 40 Prozent wegen Veranstaltungen.

Bewertung
Die Esslinger CDU-Ratsfraktion sieht sich durch die Studie bestätigt. „Bei Gastronomie und Gesundheitsdienstleistungen brauchen wir uns nicht zu verstecken“, findet Fraktionschef Tim Hauser. Ganz anders sehe es aus, wenn es um den meistgenannten Grund gehe: „Der Einzelhandel bleibt das Herz der Innenstadt, und das ist bei uns aus dem Takt geraten.“ Zu einer lebendigen Innenstadt gehöre vor allem Vielfalt: „Ich besuche mit meiner Familie auch lieber eine Stadt, in der es mehr gibt als Cafés, Handyläden, Nagelstudios und Barbershops.“ Er vermisse den Bummelfaktor in der Innenstadt.

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