Vorschlag für Stuttgarter Nahverkehr S-Bahn-Netz könnte effizienter genutzt werden

Die S-Bahn in der Region Stuttgart könnten durch Linienänderungen attraktiver werden. In einer Masterarbeit werden dazu Vorschläge gemacht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die S-Bahn in der Region Stuttgart könnten durch Linienänderungen attraktiver werden. In einer Masterarbeit werden dazu Vorschläge gemacht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Schon mir geänderten Linien ließen sich mehr Fahrgäste gewinnen, mit kleinere Ausbauen und mehr Zügen stiege die Nachfrage, das ergeben die Untersuchungen einer Masterarbeit.

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Stuttgart - Wie bekommt man mehr Menschen vom Auto in die S-Bahn, und wie kann das Angebot auf ihr sinnvoll ausgebaut werden? Diesen Fragen ist Steffen Thomma in seiner Masterarbeit am Institut für Eisenbahn und Verkehrswesen der Uni Stuttgart nachgegangen. Der 25-Jährige, der nun beim Zweckverband Regionalstadtbahn Neckar-Alb arbeitet, zeigt Möglichkeiten zur Neuordnung des Stuttgarter S-Bahn-Netzes auf.

Mit der Inbetriebnahme von Stuttgart 21, dem neuen Bahnknoten und der Strecke nach Ulm könne die Grundstruktur des S-Bahn-Netzes überdacht werden. Mit neuen, umsteigefreien Verbindungen könne dessen Effizienz gesteigert werden, sagt Thomma.

Mehr Fahrten trotz weniger Zugkilometer

Schon heute werden an jedem Werktag 434 000 Personenfahrten auf der S-Bahn gezählt. Bei einer Anpassung der Linien, die grundsätzlich den stärksten Pkw-Strömen in der Region folgt, könnten es in der einfachen Variante täglich 5000 mehr sein. Dabei würden nur 36 374 statt heute 37 211 Zugkilometer zurückgelegt, hat Thomma mit einer eigenen Methodik zur systematischen Planung von S-Bahn-Netzen errechnet. Ziel sei die Minimierung des Autoverkehrs.

Für die Varianten wurde jeweils der Netzzustand im Jahr 2025 unterstellt, also mit der neuen Station Mittnachtstraße im Rosensteinviertel, der Erweiterung von Filderstadt nach Neuhausen und der Streckenausrüstung mit dem Steuerungssystem ETCS, das kürzere Zugabstände ermöglicht.

Varianten mit steigendem Ausbaubedarf

In der ersten Variante lässt Thomma die S 1 nicht mehr von Herrenberg nach Kirchheim, sondern alle 15 Minuten über Zuffenhausen und Ludwigsburg nach Marbach und alle 30 über Kirchberg nach Backnang fahren. Die S 1 aus Plochingen endet am Halt Schwabstraße, die S 3 vom Flughafen fährt nicht nach Backnang, sondern über Zuffenhausen nach Renningen und alle 30 Minuten nach Weil der Stadt. Außerdem schlägt Thomma eine neue umsteigefreie Verbindung von Weil der Stadt nach Böblingen vor. Die täglichen Fahrzeugkilometer in der Region könnten so von 41,114 Millionen auf 41,103 Millionen abnehmen, die Emissionen würden sinken. Allerdings würden mehr kürzere Wege mit dem Auto zurückgelegt, weil manche Kurzstrecke nun weniger stau-behaftet wäre.

In der zweiten Variante ohne Infrastrukturausbau lässt Thomma 25 Prozent mehr Züge fahren, schafft zwischen Leonberg und Bietigheim sowie Esslingen und Kornwestheim umsteigefreie Verbindungen und erreicht so täglich 171 000 weniger Autokilometer. Die Personenfahrten auf der S-Bahn nehmen um 55 200 zu – bei täglich 10 000 zusätzlichen Zugkilometern. „Man bräuchte zusätzliche Züge, aber nicht 25 Prozent mehr“, sagt er. Zusätzliche Streckenstücke, ein ertüchtigtes Industriegleis bei Böblingen-Hulb und neue Bahnsteige benötigt er in Variante 3. Dann würden die Personenfahrten täglich auf 510 100 zunehmen und täglich 243 000 Kilometer weniger mit dem Auto gefahren werden. Variante 4 nennt Thomma „Vision 2030 plus“ – sie ist mit vielen Ausbauten orchestrierte Zukunftsmusik.

Gastel: Auto muss gebremst werden

Die Masterarbeit ist vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel (Nürtingen/Filder) gefördert worden. „Es handelt sich um keine Auftragsarbeit“, darauf legt Gastel Wert. Auffällig sei, so Gastel, dass das Potenzial der S-Bahn „zu eher geringen Teilen alleine durch die Angebotsverbesserung ausgeschöpft werden kann“. Die Gewohnheiten der Autofahrer lassen sich nur schwer ändern. Gastel fordert, dass die Grundstruktur der S-Bahn überdacht, kleine Ergänzungen ausgeschöpft und neue Verbindungen hergestellt werden. Um eine spürbare Wirkung in Sachen Nachhaltigkeit zu entfalten, seien aber auch „restriktive Maßnahmen“ nötig. Der Autoverkehr müsse also zum Beispiel durch Bus- oder Radspuren begrenzt werden, fordert Gastel.




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