Stuttgart - Viele Krankheiten können die Sehfähigkeit einschränken. Was dagegen zu tun ist, darüber haben Experten bundesweit anlässlich der Woche des Sehens informiert. Auch Roya Amiri, Eva Gerke und Karsten Kortüm vom Berufsverband der Augenärzte haben Fragen beantwortet. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Themen.
Was tun bei verzerrtem Sehen?
Es ist in etwa so, als würde man auf den Grund eines Pools starren: Die Linien der Kacheln werden nur noch verzerrt wahrgenommen. Dann wird häufig eine altersbedingte Makuladegeneration (AMD) festgestellt. Bei dieser Augenerkrankung wird der gelbe Fleck angegriffen. Er vermittelt beim gesunden Auge das scharfe und farbige Sehen. Eine AMD führt dazu, dass alles, was man fixiert, als trübe Stelle wahrgenommen wird. „Wichtig ist, den Befund beim Augenarzt abzuklären“, sagt Eva Gerke, Augenärztin in Fellbach und Esslingen. Handelt es sich um eine trockene Form der AMD, kann diese nicht therapiert werden. „Allerdings schreitet sie sehr langsam voran“, sagt Karsten Kortüm, Privatdozent und niedergelassener Augenarzt in Ludwigsburg. „Man verliert die Lesefähigkeit, kann sich aber im Raum weiter orientieren.“ Die feuchte AMD kann mit Medikamenten behandelt werden, die mittels Spritzen ins Auge verabreicht werden. „Ziel ist es, die Sehkraft zu erhalten oder zu verbessern“, so Gerke. „Dieser Vorgang muss häufig wiederholt werden, da es wie eine chronische Erkrankung anzusehen ist“, sagt Roya Amiri, niedergelassene Augenärztin aus Fellbach, Rems-Murr-Kreis.
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Kann Corona ins Auge gehen?
„Betrachtet man abschließend die derzeitige Studienlage, weist nichts darauf hin, dass wir die Augen als bedeutsame Eintritts- oder Austrittspforte des Virus betrachten müssen“, sagt Clemens Lange von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. Zwar gibt es an der Bindehaut durchaus Rezeptoren, die das Virus als Eintrittspforte in den Körper nutzen könnte – aber nicht in einem klinisch relevanten Maße. Das habe eine Untersuchung an der Uni-Augenklinik Freiburg sowie histologische Untersuchungen anderer Kliniken ergeben. Auch sei der Übertragungsweg über die Tränenflüssigkeit eher unwahrscheinlich. „Der regelmäßige Lidschlag des Auges sowie die geringe Augenoberfläche dürften verhindern, dass ausreichend Viren ins Auge gelangen können“, so Lange. Auch enthalte der Tränenfilm von Covid-19-Erkrankten nur sehr selten Virus-RNA, erklärt Lange.
Lohnt sich im Alter eine OP bei grauem Star?
Auch ein 90-Jähriger kann von einer Operation profitieren, wenn er an einem grauen Star erkrankt ist. Denn sie verbessere das Sehen und erhöhe damit auch die Lebensqualität, sagt die Augenärztin Eva Gerke. Beim grauen Star, Katarakt genannt, trübt sich die ursprünglich klare Augenlinse. Je nach Lage der Trübung ist mehr das Sehen in der Nähe oder das Sehen in der Ferne betroffen. Per Operation kann die eingetrübte Linse gegen eine Kunstlinse ausgetauscht werden. „In den allermeisten Fällen kann dieser Eingriff ambulant und in lokaler Betäubung durchgeführt werden“, sagt Gerke.
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Gibt es eine Vorsorge bei grünem Star?
Der grüne Star, eine Erkrankung des Sehnervs, wird von den Betroffenen oft lange nicht bemerkt. Zeigen sich verschwommenes Sehen oder andere Beschwerden, ist es bereits sehr spät, und eingetretene Schäden lassen sich nicht rückgängig machen. „Wird ein Glaukom dagegen rechtzeitig erkannt, lässt sich die Erkrankung durch Augentropfen, Lasereingriffe oder chirurgische Maßnahmen aufhalten oder verzögern“, sagt die Augenärztin Eva Gerke. Als Früherkennung kommt eine Augeninnendruckmessung infrage, kombiniert mit einer Beurteilung beider Sehnervköpfe sowie Gesichtsfelduntersuchungen. In einer neuen Leitlinie empfehlen der Bundesverband der Augenärzte sowie die Deutsche Ophtalmologische Gesellschaft, dass Menschen im Alter zwischen 40 und 59 Jahren die Untersuchung alle fünf Jahre wiederholen. Ab dem Alter von 60 Jahren alle zwei bis drei Jahre – vorausgesetzt, es liegen keine weiteren Risikofaktoren vor. Zu Letzteren zählen Verwandte ersten Grades, die an einem Glaukom leiden, ein erhöhter Augeninnendruck, starke Kurzsichtigkeit sowie Ablagerungen auf der Linse und im Kammerwinkel. In solchen Fällen sollten die Untersuchungszeiträume verkürzt werden.
Was tun bei trockenen Augen?
Gerötete Augen, ein Fremdkörpergefühl sowie eine zunehmende Lichtempfindlichkeit können Ausdruck eines gestörten Tränenfilms sein, sagt Roya Amiri, niedergelassene Augenärztin aus Fellbach. Zunächst sollte der Augenarzt die Ursache dafür abklären. „In der Regel können bei den meisten Betroffenen mit Hilfe von künstlichen Tränen, also Tränenersatzmitteln, die Symptome gelindert werden“, sagt Amiri. Derartige Produkte befeuchten die Augenoberfläche und verbessern die Qualität des Tränenfilms. Hilft das nicht, kann eine Tränenfilm-Analyse vorgenommen werden.