Vorstellung Lang und luftig

Von Reimund Abel 

Etwa 90 Prozent der Käufer in Deutschland wählen den Combi, wenn sie einen Skoda Superb ordern. Nun legt der tschechische Autobauer das neue Modell nach – mit noch mehr Platz.

Flotteres Design als beim Vorgänger-Modell: Skoda Superb Combi.  Foto: Abel
Flotteres Design als beim Vorgänger-Modell: Skoda Superb Combi. Foto: Abel

Setzen Sie sich! Wer einen der wichtigsten Vorzüge des neuen Skoda Superb Combi kennenlernen will, sollte zunächst hinten einsteigen - und staunen über das ansehn­liche Raumgefühl des Tschechen, der Mitte September bei der IAA in Frankfurt/Main Premiere feiert. Auf der Rückbank können selbst lang gewachsene Passagiere die Beine ausstrecken oder übereinanderschlagen. So großzügig fühlt man sich sonst nur in einer S-Klasse von Mercedes, einem Audi A8 oder im 7er von BMW aufgehoben.

Außen: Der Neue lässt seinen Vorgänger reichlich altbacken aussehen, von vorn bis hinten macht der Combi eine gute Figur. Vor allem von der Seite betrachtet gefällt der Superb. Die seitlich verlaufende Kante wirkt dynamisch. Dass am Heck eine flacher auslaufende Dachlinie gewählt wurde, sieht gut aus, geht allerdings auf Kosten des Platzes: Bei einem Laderaumvolumen von 660 bis 1950 Litern ist das allerdings leicht zu verschmerzen. Das T-Modell der Mercedes-E-Klasse, die Referenz in diesem Fahrzeugsegment, schluckt nicht viel mehr.

Innen: Da macht ihm keiner was vor. Geradezu verschwenderisch, üppig und luftig geht es im Innenraum zu. Auf 4,86 Meter Länge streckt sich der Wagen, der verlängerte Radstand von 2,84 Metern und ein paar Millimeter mehr in der Breite kommen vor allem den Passagieren zugute. Das Cockpit zeigt sich aufgeräumt, wie in allen Marken von VW. Die Anmutung wirkt hochwertig, fast wie beim Konzernbruder Audi. Wird die Beifahrer-Lehne umgeklappt, passt bei Bedarf ein 3,10 Meter langes Surfbrett hinein. Im Kofferraum finden sich nette ­Details wie Klapphaken oder eine herausnehmbare LED-Taschenlampe. Warum jedoch fehlt der praktische doppelte Lade­boden in der Basis-Version? So entsteht beim Beladen eine unschöne Stufe.

Antrieb: Die Antriebsaggregate sind aus dem Regal des Volkswagen-Konzerns bekannt. Das kleinste ist ein TSI-Vierzylinder als Benziner, leistet 125 PS/92 kW (Normverbrauch: 5,3 Liter/100 km) und ist in der preiswertesten Variante ab 25 590 Euro zu haben. Zwei weitere Benziner mit 150 PS/110 kW (Normverbrauch: 5,0 l/100 km) und 220 PS/162 kW sind im Angebot. Der bei den Tests zur Verfügung gestandene kräftigste Benziner macht richtig Spaß, ­kostet jedoch Express-Zuschlag. Bei den Probefahrten am Tegernsee meldete der Bordcomputer zwischen acht und fast zehn Liter Verbrauch, der Hersteller gibt einen Normwert von 6,3 l/100km an. Kurz nach dem Testtermin weitete Skoda das Motorenangebot für den Superb aus. So ist der Mittelklässler jetzt als Limousine und als Combi mit einem 1,8-Liter-Motor mit 180 PS/132 kW verfügbar. Neue Top­motorisierung ist ein 2,0-Liter-Benziner mit 280 PS/206 kW, der stets an das Doppelkupplungsgetriebe DSG gekoppelt ist und über alle vier Räder angetrieben wird. Das schwächste Diesel-Aggregat schickt 120 PS/88 kW an die Vorderachse und soll mit 4,0 l/100 km zufrieden sein. Bestseller im Motorenangebot dürfte der 2,0-Liter-Vierzylinder-TDI werden. Mit 150 PS oder 110 kW (Verbrauch: 4,0 l/100 km) ist der Raumkreuzer für alle Lebenslagen bestens gerüstet. Auf der Berg-und-Tal-Bahn in den bayerischen Alpen kam jedenfalls nie das Gefühl auf, untermotorisiert unterwegs zu sein. Das obere Ende der Selbstzünder markiert der 2,0-Liter-Diesel mit 190 PS/140 kW. Er bietet sich als passende Wahl vor allem für Vielfahrer an.

Fahren: Der Superb Combi ist ein Gleiter, kein Sportler, ohne Frage. Alle straßenseitig auftretenden Probleme werden souverän weggebügelt, die Lenkung arbeitet präzise und vermittelt guten Fahrbahnkontakt. ­Dabei wirkt das Raumschiff handlicher, als es dem äußeren Anschein nach zu erwarten wäre. Die optional lieferbare Möglichkeit, das Fahrwerk in verschiedenen Varianten einzustellen (910 Euro extra), ist etwas für Spielernaturen. Im Modus 'normal' fährt man richtig - auf Autobahnen ebenso wie auf holprigen Landstraßen.

Fazit: Größer, schicker und moderner ist der Superb Combi geworden. Das macht ihn zum Konkurrenten für Modelle aus dem eigenen Konzern. Muss es ein Passat sein, wenn als Anforderungen im Lastenheft viel Platz und viel Funktionalität stehen? Nein. Für den Superb spricht einiges - nicht nur der günstigere Preis. Auch im immer wichtiger werdenden Bereich der Firmenfahrzeuge könnte der im Werk Kvasiny gefertigte Lang-Laster dem Passat das Leben künftig schwer­machen.