Vorstoß im Klinikverbund Südwest Soll Leonberg sein Krankenhaus kaufen?

Das Klinikgebäude in Leonberg gehört dem Landkreis Böblingen. Die CDU hat andere Ideen. Foto: Simon Granville

In einer Übernahme des Gebäudes durch die Stadt sieht die CDU die einzige Chance, um die Zukunft der Leonberger Klinik langfristig zu sichern

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Werfen wir einen Blick auf eine mögliche Zukunftsentwicklung: Die Stadt Leonberg geht auf die Suche nach einem neuen Betreiber für ihr eigenes Krankenhaus. Sie kann das, weil ihr das Gebäude gehört. Der Klinikverbund Südwest, der bisher die Klinik betreibt, hat kein weiteres Interesse an Leonberg. Das neue Großkrankenhaus am Böblinger Flugfeld verbraucht sämtliche Mittel finanzieller, personeller und technischer Art.

 

Dieses Szenario hat die Leonberger CDU entworfen. Sie will damit „dem schlimmsten Fall“ vorbeugen: dem endgültigen Aus für die Leonberger Klinik. Während der Klinikverbund Südwest für den medizinischen Betrieb der Krankenhäuser im Landkreis Böblingen zuständig ist, liegt die Verantwortung für Bau und Erhalt der Krankenhaus-Immobilien beim Landkreis. „Sollte in hoffentlich noch ferner Zukunft der Klinikverbund den Betrieb in Leonberg einstellen, existiert nach wie vor die Immobilie. Gibt es bereits Ideen für die Zeit danach? Oder wird das Gebäude dem Verfall überlassen?“, fragt sich Oliver Zander.

Für den Leonberger CDU-Chef ist klar: „Die Stadt hat nur Einfluss auf die Nutzung der Immobilie, wenn sie selbst Zugriff auf das Gebäude hat. Die reine Planungshoheit der Stadt nützt nichts, wenn am Klinikstandort nichts geplant wird.“ Deshalb solle der Kreis das ganze Gebäude an die Stadt übertragen. Und zwar ohne Geld. Denn der wirtschaftliche Wert der Immobilie sei gleich Null oder eher sogar negativ.

„Wir sehen in der Übernahme der Immobilie eine große, wenn nicht gar die einzige Chance, einen entscheidenden Einfluss auf den Erhalt des Krankenhausstandorts nehmen zu können und auf Dauer eine ausreichende medizinische Versorgung in unserer Stadt zu gewähren“, meint der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Leonberger Gemeinderat.

„Einzige Chance für die Leonberger Klinik“: CDU-Chef Oliver Zander. Foto: Granville

Die Zusage des Landrats, dass das Leonberger Krankenhaus in Betrieb bleibt, solange er noch im Amt sei, beruhigt die CDU nicht. „Roland Bernhards Amtszeit endet im November 2029. Danach kommt altersbedingt ein anderer Landrat ins Amt“, sagt Zander. „Eine solche Aussage bringt weder den Menschen in Leonberg und der Raumschaft, noch den Beschäftigten in der Klinik irgendetwas.“

„Ob das Flugfeldklinikum in Böblingen bis Ende 2029 in Betrieb gehen kann, ist längst nicht sicher“, meint der Leonberger CDU-Kreisrat Ulrich Vonderheid. „Auch danach wird die Leonberger Klinik noch einige Jahre gebraucht, bis sich auf dem Flugfeld der Regelbetrieb einpendelt. Aber was wird danach aus dem Leonberger Krankenhaus?“, fragt sich der Leonberger CDU-Kreisrat.

„Große Sanierung vom Tisch“

Die lang zugesagte Sanierung sei ebenfalls in weite Ferne gerückt. „Die ursprünglich geplanten größeren Investitionen und Sanierungen am Standort Leonberg sind vom Tisch“, meint Vonderheid, der dem Bauausschuss, dem Fachgremium für Bau und Unterhaltung der Klinikgebäude angehört. „Für die nächsten Jahre sollen drei Millionen Euro für die nötigsten Erhaltungsmaßnahmen bereitgestellt werden, das war’s.“ Und selbst über diese Gelder werde erst Ende September entschieden. „Bis dann konkret etwas passiert, kann es sehr lange dauern.“

Die Leonberger Christdemokraten befürchten „ein langsames Siechtum“ des Krankenhauses. „Es wird weiter heruntergewirtschaftet, das medizinische Personal demotiviert und die Patienten vergrault, bis die Schließung zwangsläufig ist“, erklärt Oliver Zander. „Betriebsverluste in zweistelliger Millionenhöhe tun ihr Übriges.“ Die „akademisch anmutende“ Diskussion um das Medizinkonzept für den Klinikverbund Südwest schaffte keine Abhilfe, sondern stifte eher Verwirrung.

„Wir wollen retten, was noch zu retten ist. Seit der Gründung des Johanniterspitals im Jahr 1273 gibt es Krankenhäuser in Leonberg. Wir wollen nicht diejenigen sein, die mehr als 750 Jahre medizinischer Versorgung in Leonberg beenden müssen“, meint der CDU-Chef.

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