Vorstoß von CDU-Abgeordneten Maskenpflicht für Ältere: Idee stößt auf ein geteiltes Echo

Filtermasken schützen die Träger – sollen alle Senioren sie tragen müssen? Foto: dpa/Christoph Schmidt

Die Idee klingt bestechend: Schutzmasken nur für Ältere und gefährdete Personen. Das haben vier CDU-Abgeordnete vorgeschlagen. Es gibt Lob – aber auch Kritik. Die AOK glaubt, ein Viertel der Menschen sei betroffen.

Berliner Büro: Norbert Wallet (nwa)

Berlin - Der Vorschlag von vier CDU-Gesundheitspolitikern, für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen Atemschutzmasken der höchsten Qualitätsstufe auf Krankenschein ärztlich verordnen zu lassen, ist in der Fachwelt auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während Ärzteschaft und Apotheker positiv reagierten, kamen von den Krankenkassen durchaus auch kritische Töne.

 

In einem gemeinsamen Positionspapier hatten die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Karin Maag, der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel, sowie die beiden Abgeordneten Michael Hennrich und Rudolf Henke den Vorschlag als Weg bezeichnet, bei der schrittweisen Öffnung des öffentlichen Lebens im Zuge der Lockerungen der Corona-Beschränkungen „den Gesundheitsschutz weiterhin zu gewährleisten“. Damit sollten auch junge Familien entlastet werden – weil im Gegenzug die Kontaktbeschränkungen für sie gelockert werden könnten – so der Vorschlag.

Lesen Sie hier: Welche Arten von Masken gibt es?

Norbert Metke, der Vorsitzende der baden-württembergischen Kassenärztlichen Vereinigung, lobte die Idee im Gespräch mit unserer Zeitung in den höchsten Tönen. Es handele sich um „einen ausgesprochen sinnvollen Vorschlag“. Er sei nicht nur in Bezug auf den Schutz vor dem Corona-Virus richtig. Metke wies darauf hin, dass es viele Menschen mit einer dauerhaft oder zeitweilig begrenzten Immunabwehr gebe. Er wies auf die jährlich 500 000 zusätzlichen Krebspatienten in Deutschland hin. Aber auch chronische Asthmatiker oder Patienten, die unter einer Auto-Immunerkrankung litten, seien gefährdet. Dazu zählten entzündlicher Rheumatismus und chronische Darmerkrankungen. Die Gruppe der Menschen mit herabgesetzter Immunabwehr schätzt Metke auf zehn Prozent der Bevölkerung. Die Masken könnten wirksam helfen, dieses Personenkreis wirksam zu schützen.

Apotheker: Wie kommen wir an die Masken?

Auch Fritz Becker, der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (ABDA) begrüßte den Vorschlag. Die Apotheker wären in der Lage, die zusätzliche Aufgabe der Maskenabgabe zu stemmen und stünden bereit, sagte Becker unserer Zeitung. Aus Apothekersicht sei die wichtigste Frage aber, „wie wir angesichts des angespannten Marktes an die Ware kommen und zu welchem Preis“, sagte Becker.

Zurückhaltender fiel die Reaktion von Johannes Bauernfeind, dem Vorstandschef der baden-württembergischen AOK aus. Er könne zwar das Ziel des Vorschlag „sehr gut nachvollziehen“, besonders gefährdete Personengruppen zu schützen und ihnen gleichzeitig Zugang zum Leben außerhalb ihrer eigenen vier Wände zu ermöglichen. Allerdings rechnet Bauernfeind damit, „dass je nach Definition der vulnerablen Personengruppen bis zu einem Viertel der Bevölkerung in Deutschland mit solchen hochwertigen Masken ausgestattet werden müssten“. Zahlen, die also über die Schätzungen Norbert Metkes hinausgehen.

AOK fürchtet Stigmatisierung der Maskenträger

Tatsächlich kann Bauernfeind auf eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK verweisen, wonach bundesweit 21,9 Millionen Menschen in Deutschland unter mindestens einer Vorerkrankung leiden, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe von Covid-19-Infektionen mit sich bringen. Das ist also mehr als jeder vierte Einwohner. Während bei unter 20-Jährigen gemäß der Studie nur etwa drei Prozent zur derart gefährdeten Gruppe zählen, steigt der Anteil mit zunehmendem Alter kontinuierlich an und liegt bei den über 80-Jährigen bei 80 Prozent. Damit aber sieht Bauernfeind „das leider noch immer bestehende Problem des Mangels an Schutzausrüstungen noch erheblich verschärft“.

Zudem dürfe die Ausstattung mit Masken „nicht zum Eindruck führen, dass für alle anderen in der Gesellschaft wieder Normalität herrsche“. Der Chef der Südwest-AOK warnt auch vor Stigmatisierung: „Gerade wenn jüngere Menschen diese Masken tragen würden, könnte dies zur Annahme ,Achtung Vorerkrankung’ verleiten.“

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