Kulturgemeinschaft Fellbach: Barbara von Bechtolsheim beleuchtet Künstlerpaare – unter ihnen zwei legendäre Frauen, die in diesem Jahr 100 geworden wären.

Sie wurden von den Göttern geliebt und starben früh und hätten in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag begangen: der glamouröse Filmstar Marilyn Monroe, geboren am 1. Juni 1926 in Los Angeles, und die charismatische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, geboren am 25. Juni 1926 in Klagenfurt, die als einzige Frau in der literarischen Männer-„Gruppe 47“ reüssierte und 1964 mit nur 38 Jahren den Büchnerpreis erhielt.

 

Mit 47 Jahren starb Bachmann in Rom unter ungeklärten Umständen. Mit nur 36 Jahren ist die unvergleichliche US-Schauspielerin Marilyn Monroe, Ikone der Filmgeschichte, von Männern umschwärmt und zu Lebzeiten als naive Blondine verkannt, vermutlich an einer Überdosis Barbituraten in Brentwood gestorben.

Heute würde man es toxische Beziehungen nennen

Beide litten mehrfach unter dem, was man heute toxische Beziehungen nennt. Etwas anders verhielt es sich mit ihren Partnerschaften zu Männern, die im Vortrag Barbara von Bechtolsheims am Freitag, 6. Februar, von 19 Uhr an in der Außenstelle der Volkshochschule Unteres Remstal, direkt am Fellbacher Bahnhof gelegen, eine Rolle spielen.

Der Musiker Chemjo Vinaver und die Dichterin Mascha Kaléko. Foto: DLA-Marbach

Ingeborg Bachmann und Paul Celan beeinflussten sich in ihrem literarischen Schaffen gegenseitig, ihr Verhältnis war jedoch instabil, gefährdet durch persönliche Traumata. Den wesentlich älteren Erfolgsautor Arthur Miller faszinierte an dem Superstar Monroe weniger ihr Sex-Appeal als das Potenzial für eine intellektuelle Entwicklung, die er fördern wollte.

Die Dichterin Mascha Kaléko und ihren Mann, den Musiker Chemjo Vinaver, verband eine unverbrüchliche Lebensliebe, die auch den Exilerfahrungen standhielt. Sie bilden das dritte Paar, das die Paarexpertin Bechtolsheim auf Einladung der Kulturgemeinschaft Fellbach an diesem Freitag vorstellt.

Die Kulturhistorikerin publizierte 2022 ein Standardwerk zum Thema „Paare“ in Literatur, Musik und Kunst, das sich kenntnisreich kreativen Paarbeziehungen im 20. Jahrhundert widmet und sie in ihren kulturellen, historischen und psychologischen Kontext einbettet. Dabei ging es ihr vor allem um die Frage, wie das Miteinander die jeweilige Kreativität beeinflusste – beflügelte oder hemmte – und wie sich die künstlerische Arbeit auf die Binnenverhältnisse auswirkte.

Wie beflügelt die Beziehung die jeweilige Kreativität?

Die Autorin von Bechtolsheim ist überdies Forschungsstipendiatin an der Yale University und lebt in New Haven, Connecticut. 2023 ist ihre viel beachtete Studie über „Hannah Arendt und Heinrich Blücher“ erschienen.

Karten zu acht Euro gibt es im Vorverkauf beim i-Punkt im Rathaus Fellbach, Telefon 0711/ 58 00 58, Restkarten an der Abendkasse.