Vortrag in Stuttgart-Zuffenhausen Feinstaub und die unüblichen Verdächtigen

Von Susanne Müller-Baji 

Professor Ulrich Kull hat im Kulturzentrum in Stuttgart-Zuffenhausen
über „Dicke Luft in Stuttgart“ gesprochen.

Professor Ulrich Kull war zu Gast beim Bürgerverein Zuffenhausen und der Volkshochschule  Stuttgart Foto: Susanne Müller-Baji
Professor Ulrich Kull war zu Gast beim Bürgerverein Zuffenhausen und der Volkshochschule Stuttgart Foto: Susanne Müller-Baji

Zuffenhausen - Wieder einmal ist Feinstaubalarm und man fragt sich: Was ist das genau und was hilft dagegen? Am Samstag sprach Professor Ulrich Kull im Kulturzentrum am Bahnhofsplatz für Volkshochschule und Bürgerverein über „Dicke Luft in Stuttgart“. Die Antworten sind aber weit weniger eindeutig, als die Interessenverbände das gerne hätten. Es liegt was in der Luft – und das ist gesundschädlich. Wie sehr, lasse sich aber gar nicht so genau ermitteln, erläuterte Kull, der bis zu seinem Ruhestand 2004 an der Universität Stuttgart unter anderem die Auswirkungen von Luftverschmutzung auf Pflanzen untersucht hat. Feinstaub, so erklärte er, setze sich nämlich aus unterschiedlichen Materialien zusammen und sei umso gefährlicher, je kleiner die Partikel sind. Da der Körper sie nicht aus der Atemluft herausfiltern kann, lagern diese sich in den Lungenbläschen ein. Atemwegserkrankungen können die Folge sein, ebenso ein erhöhtes Krebsrisiko.

Hier liegt aber auch der Knackpunkt der Feinstaubdebatte: Die oft nicht sehr genauen Messergebnisse fassen größere und kleinere Partikel zusammen. Sollten basierend darauf Fahrverbote verhängt werden, wären diese wohl gerichtlich anfechtbar, so Kull. Überdies stellte er klar, dass er in seinem Vortrag zwar die Zusammenhänge erläutern, aber keinen konkreten Lösungsweg aufzeigen könne: „Das ist Sache der Politik.“

Stickstoffoxide bleiben in der Regel außen vor

Denn wie so oft ist der Sachverhalt nicht so eindeutig, wie er diskutiert wird: Während Feinstaub derzeit buchstäblich in aller Munde ist, blieben die gefährlicheren Stickstoffoxide in der Regel außen vor, zumal es bis heute keine zuverlässige Messmethode gebe. Auch helfe es nicht, allein die Diesel-Motoren unter Beschuss zu nehmen: Sie stoßen zwar viel Feinstaub aus, sind in Sachen CO2-Ausstoß – den man für den Klimawandel verantwortlich macht – aber umweltschonender als Otto-Motoren. Auch Elektrofahrzeuge seien nur mit Strom aus regenerativen Quellen eine Lösung: „Sonst verlagert man das Problem ja einfach“, so Kull. Sehr spannend auch der Rest des Vortrags, zumal Kull gezielt den Stuttgarter Norden und dabei speziell den Stadtbezirk Zuffenhausen betrachtete. Insgesamt sei die Belastung entlang der Schnellstraßen am höchsten, ansonsten seien die Werte aber eher unauffällig. Mit Ausnahme eines Tages im Januar: Da war die Luft in den Stadtbezirken erfreulich rein, einzig die Grenzwerte in Zuffenhausen wurden klar überschritten. Ursache unklar: Entweder liege ein Fehler vor, wobei an diesem Tag noch mehrfach mit ähnlichem Ergebnis gemessen wurde. „Oder jemand hat hier irgendwas in die Luft geblasen.“

Fest scheint zu stehen, dass je mehr Schadstoffe freigesetzt werden, je schneller gefahren wird. Weshalb viele Fachleute eine Verringerung der Höchstgeschwindigkeit fordern: „Doch das halte ich im Land der Autobauer für unrealistisch“, so Kull. Und dann gebe es auch noch Dreckschleudern abseits des Autos: Holz- und Pellet-Heizungen etwa. Messungen am 1. Januar hätten außerdem ergeben, dass die Grenzwerte nach dem Silvesterfeuerwerk um ein Zehnfaches überschritten wurden.

Auch Taubenkot ist eine Gefahr

Bisweilen schlägt auch die Natur zurück: Mit Blick auf die Zuffenhäuser Bahnhofsunterführung erläuterte Kull, dass Taubenkotpartikel in der Luft für den Menschen eine echte Gefahr darstellten: „Wenn Sie Taubenkot entfernen, gehen Sie nicht umsonst mit Gasmaske ran.“ Die Bestrebungen, die Passage zu sanieren und die Tauben fernzuhalten, drehten sich aber seit 2013 im Kreis, beklagte der Zuffenhäuser: „Und je nach dem wo sie wohnen, kommen Sie ja nicht anders ans Ziel.“

Info Am Freitag, 9. Februar, zeigt Professor Ulrich Kull für den Albverein um 18 Uhr in der Zuffenhäuser Zehntscheuer, Zehnthof 1, Impressionen einer „Reise durch den Iran”. Für die Vhs nimmt er am Samstag, 28. April, ab 14 Uhr von der Haltestelle Fürfelder Straße aus mit auf eine Wanderung über den „Sonnen-Lehrpfad” auf dem Schnarrenberg. Und am Freitag, 18. Mai, spricht er um 19 Uhr in der Zehntscheuer über „Jagdrevier, Lager und Naherholungsgebiet – die Geschichte der Schlotwiese“. Für die Vhs-Veranstaltungen wird um Anmeldung unter Telefon 0711/1873 800 oder im Internet unter www.vhs-stuttgart.de gebeten.

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