Lea Wegner hält den Vortrag vor viel Publikum im Maltesersaal des Dätzinger Schlosses. Foto: Eibner-Pressefoto/Michael Memmler
Im Rahmen der Schlossgespräche in Dätzingen stellt die Historikerin Lea Wegner die Schlacht bei Döffingen in ihrem historischen Kontext dar – und zeigt dabei, dass im Rückblick manchmal Verlierer zu Gewinnern werden können
Sebastian Roßberg
28.06.2024 - 14:41 Uhr
Gerade noch hat ein heftiger Regenschauer die Gäste vom Schlosshof in den Malteser-Saal getrieben. Dieser ist bereits gut gefüllt, was nicht nur am spielfreien EM-Tag liegt, sondern vor allem am Thema des Abends, das viele Geschichtsinteressierte aus Grafenau und Umgebung anzieht.
In der Gemeinschaftsveranstaltung des Fördervereins Schloss Dätzingen und der Bürgerstiftung Grafenau steht die Schlacht bei Döffingen von 1388 im Zentrum. Damals hat das Heer der Ritter- und Fürstenbünde unter Graf Eberhard II. von Württemberg den entscheidenden Sieg über die Truppen der Städtebünde errungen. Ein Thema wie gemacht für das Ambiente des Dätzinger Schlosses. Doch wie kam es zu der Schlacht und wie lässt sie sich einordnen? Diesem Thema widmete sich der Vortrag von Lea Wegner. Als Leiterin des Bauernkriegsmuseums Böblingen ist die promovierte Historikerin eine Expertin auf dem Gebiet der mittelalterlichen Geschichte der Region.
Lea Wegner im Vortrag /Michael Memmler
Die Referentin beginnt dann auch direkt mit dem Ursprung Württembergs: der 1083 durch Konrad von Beutelsbach erbauten Burg Wirtemberg. Diese bildet den Ausgangspunkt für eine Reise durch die Jahrhunderte, in denen die Kaiser und Könige auf der einen Seite und die Grafen und Fürsten in Württemberg auf der anderen ständig darum bemüht sind, ihre Territorien, Macht und Freiheit auf Kosten des anderen zu vergrößern. Mit Hilfe von Krieg, Verrat und Intrigen aber auch diplomatischeren Methoden wie Pfandschaften, Heirat oder einfach viel Geld entsteht so ein ständiger Wechsel: Wer eben noch Niederschwaben verwaltet hat, wird enteignet, weil er den Rivalen unterstützt; wer eben noch fliehen musste, wird vom neuen König mit offenen Armen wieder empfangen.
Von lokalpatriotischem Interesse ist hierbei, dass gegenüber dem häufigen Wechsel der Reichsführer die württembergischen Grafen sehr ausdauernd regierten. Graf Eberhard I. brachte es auf 46 Jahre (1279-1325) und sein Enkel Graf Eberhard II. sogar auf 48 Jahre (1344-1392) an der Macht. Ob dies genetisch bedingt ist, an der berüchtigten Streitbarkeit liegt oder einfach nur Dickköpfigkeit ist, wird hier aber nicht geklärt.
1331 schließen sich schwäbische Reichsstädte zum Schwäbischen Städtebund zusammen. Ziel ist es, sich gegenseitig Schutz und Beistand bei militärischen und politischen Angriffen zu leisten. Damit treten sie als dritte Partei dem Hauen und Stechen um Einfluss und Unabhängigkeit bei. Die Konflikte mit dem König und den Adligen lassen nicht lange auf sich warten. 1387 wird schließlich der Bündnisfall ausgerufen, als bayerische Herzöge einen Bundesgenossen der Städte entführt haben. Nun gilt: der Schwäbische Städtebund gegen die bayerischen Herzöge (unterstützt durch den Grafen von Württemberg). Im Sommer ziehen dann die Truppen des Städtebunds von Esslingen gen Weil der Stadt gegen das Heer von Graf Eberhard II, der sie bei Döffingen vernichtend schlägt.
Laut Lea Wegner gibt es nur wenig belastbare Fakten über den genauen Verlauf der Schlacht und daher überlässt sie die farbenfrohen Schilderungen lieber den Dichtern Friedrich Schiller und Ludwig Uhland. Umso interessanter ist ihr Urteil über die Folgen. Laut dem Historiker Dieter Mertens hat der Städtebund zwar 1388 verloren, auf lange Sicht konnten die Adligen jedoch keine wesentlichen Gebietsgewinne erzielen und mussten später mit den neuen Städtebünden kooperieren. Hat der Verlierer also seine Ziele erreicht? Am historischen Ort der Schlacht bei Döffingen steht ein einsamer Gedenkstein, aufgestellt zum 500. Jubiläum 1888. Die Bürgerstiftung Grafenau wird diesen Ort in Kürze durch zwei Informationsstelen aufwerten.
Draußen auf dem Schlosshof ist die Luft mittlerweile etwas abgekühlt, das Pflaster fast trocken. Ein angenehmer Rest-Sommer-Abend wartet – ohne Gewinner und ohne Verlierer.