Vorwürfe einer Jesidin Innenminister Strobl muss aufklären

Die 19-jährige Jesidin Aschwak will nicht nach Deutschland zurück –  aus Angst, wie sie sagt. Foto: YouTube
Die 19-jährige Jesidin Aschwak will nicht nach Deutschland zurück – aus Angst, wie sie sagt. Foto: YouTube

Die Vorwürfe einer früheren IS-Sklavin gegen die baden-württembergischen Behörden sind schwerwiegend. Nun muss sich Innenminister Strobl der Sache annehmen und klären, was an der Darstellung der Jesidin dran ist, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
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Stuttgart - Eine junge Jesidin beschuldigt die Behörden der Untätigkeit, weil sie von ihrem irakischen Peiniger in Schwäbisch Gmünd bedroht worden sei und der IS-Scherge noch immer frei herumlaufe. Bewiesen ist noch nichts – und vorschnelle Urteile verbieten sich. Experten zufolge kann das Erinnerungsvermögen Opfer mit Traumata in die Irre führen. Dann sehen sie in Fremden Gesichter von Menschen, die ihnen Leid zugefügt haben. Dennoch wirkt die Darstellung der 19-jährigen früheren IS-Sexsklavin zunächst einmal glaubwürdig.

Die Angaben widersprechen sich

Umso bedrückender ist die Anklage, dass ihre Schilderung von den Behörden nicht ernst genommen worden sei. Die Bundesanwaltschaft, das Landeskriminalamt und die Stadt Schwäbisch Gmünd widersprechen zwar heftig – sie hätten der Jesidin im Wissen um die Brisanz sehr wohl geholfen. Doch der Verdacht, dass doch nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden, um den Mann zu finden und der jungen Jesidin zu helfen, bleibt im Raum stehen. Dafür verantwortlich ist auch das Innenministerium, das die Vorwürfe bisher nicht klar widerlegen kann. Viele Fragen bleiben. Warum gelingt es zum Beispiel nicht mehr, mit der jungen Frau zu kommunizieren? Könnte es sich gar um mehr als einen Einzelfall handeln? Innenminister Thomas Strobl muss sich der Sache annehmen und endlich Aufklärung liefern.

Schatten auf bisherige Leistungen

Es wäre ein unerträglicher Gedanke, dass sich IS-Sklavenhalter ausgerechnet in Baden-Württemberg aufhalten, dessen Regierung sich zu Recht rühmt, für tausend jesidische Frauen und ihre Kinder so viel getan zu haben. Zu allem Überfluss wäre dies noch Munition für die Rechtspopulisten. Eine derartige Entwicklung würde die bisherigen Leistungen in den Schatten stellen.

matthias.schiermeyer@stzn.de

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