Hauptstelle Vereinigte Volksbanken in Böblingen Foto: Stefanie Schlecht
Nachdem die Fusion mit Stuttgart abgesagt ist, sprechen die VR Bank Magstadt-Weissach und die Vereinigten Volksbanken über einen Zusammenschluss. So wollen sie die ausufernde Bürokratie besser meistern.
Gleich zwei angestrebte Fusionen im genossenschaftlichen Bankwesen an einem Tag: Am Vormittag laden die Raiffeisenbank Aidlingen und die VR Bank Ehningen-Nufringen zur gemeinsamen Pressekonferenz. Das Thema: Die angestrebte Fusion aufgrund von Fachkräftemangel. Am frühen Nachmittag teilt dann zunächst die Volksbank Stuttgart mit, dass die Fusion mit der VR Bank Magstadt-Weissach abgesagt ist. Und wenige Minuten später informiert die VR Bank gemeinsam mit den Vereinigten Volksbanken, nun Verschmelzungsgespräche miteinander aufnehmen zu wollen.
Zunächst zur geplatzten Fusion mit Stuttgart: „Grund dafür sind unterschiedliche Auffassungen über die Zukunftsperspektiven, die trotz gegenseitiger Wertschätzung der Verhandlungspartner nicht auf einen Nenner gebracht werden konnten“, heißt es aus der Landeshauptstadt.
Damit machte die Bank den Weg frei für Gespräche mit den Vereinigten Volksbanken. Deren Geschäftsgebiet erstreckt sich seit der Fusion mit Reutlingen 2020 vom Heckengäu über den Schönbuch bis an die Schwäbische Alb. Nun könnte die VR Bank das Gebiet im Norden arrondieren.
Personelle Unterstützung besteht bereits
„Genossenschaftsbanken und deren Mitglieder zeichnet seit jeher aus, dass sie sich gegenseitig helfen. Die VR-Bank Magstadt-Weissach hat mit uns das Gespräch gesucht, um die Zusammenarbeit über die bestehende personelle Unterstützung hinaus zu vertiefen. Daraus ist die feste Absicht entstanden, einen Zusammenschluss weiterzuverfolgen“, sagt Jörg Niethammer, seit Juli 2024 Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Volksbanken. Fusionen unter den genossenschaftlichen Instituten sind nicht neu. Die Karte ihrer Geschäftsgebiete gleicht einem Flickenteppich mit größeren Regionalhäusern und wesentlich kleineren eigenständigen Häusern. Niethammer: „Durch die angrenzende, teilweise sogar überlappende Lage der Geschäftsgebiete wäre der Zusammenschluss eine logische Ergänzung unserer regionalen Ausrichtung.“ Aus einem weiteren Grund liegt der Zusammenschluss auf der Hand: Kleinere Institute ächzen unter einer immer strengeren Regulierung, die enorme Personalkapazitäten bindet.
Diese Genossenschaftsbanken gibt es im und um den Kreis Böblingen. Foto: StZN/Oliver Biwer
Ein Beispiel: Bisher benötigt jedes Geldhaus für sich einen Beauftragten für Datenschutz oder Geldwäsche. Nun lassen sich die Aufgaben teilen. Nicht zuletzt böten sich den Mitarbeitern neue Karrierechancen oder die Möglichkeit, sich zu spezialisieren, sagen die VR-Bank-Vorstände Klaus Vikuk und Mirco Kübler. Nach einer Fusion stiege die Zahl der Geschäftsstellen des neuen Konstrukts auf 36. Das Filialnetz von Banken und Sparkassen steht aber seit Jahren unter genauer wirtschaftlicher Beobachtung.
Ein Blick auf die derzeitigen Bilanzsummen macht die Größenverhältnisse der Häuser deutlich. Während die Vereinigten Volksbanken mit einer Bilanzsumme von rund 5,3 Milliarden Euro zu einer der größten in Baden-Württemberg zählt, hat die VR Bank Magstadt-Weissach mit 273 Millionen Euro Bilanzsumme nur ein Zwanzigstel der Größe. Käme es zum Zusammenschluss, entstünde ein Verbund mit einer Bilanzsumme von rund 5,5 Milliarden Euro, ein Geschäftsvolumen von knapp 12,4 Milliarden Euro mit nahezu 85 000 genossenschaftlichen Mitgliedern.
Mitglieder müssen über Verschmelzung abstimmen
Wie geht es weiter? Die Verschmelzungsgespräche stehen noch am Anfang, betonen die Banken. Vor den beschlussfassenden Versammlungen werden die Vertreter beider Banken zu Dialogveranstaltungen der jeweiligen Bank eingeladen, heißt es. Die Abstimmung zur Verschmelzung der beiden Banken erfolgt voraussichtlich im zweiten Quartal 2025, der Beschluss sieht die Verschmelzung rückwirkend zum 1. Januar 2025 vor. Die technische Zusammenführung ist für den September 2025 vorgesehen.
Eckdaten der beiden Häuser
Vereinigte Volksbanken eG Die Bilanzsumme der Vereinigten Volksbanken lag im Geschäftsjahr 2023 bei 5,15 Milliarden Euro, der Bilanzgewinn bei rund 2,8 Millionen Euro. In 35 Filialen waren Ende 2023 insgesamt 676 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Damals betrug die Zahl der Kunden 168 000 und die der Genossenschaftsmitglieder 80 072.
VR Bank Magstadt-Weissach eG Zum selben Zeitpunkt wies die VR Bank eine Bilanzsumme von 272,2 Millionen Euro aus bei einem Jahresüberschuss von 359 000 Euro. Die Zahl der Mitarbeiter lag Ende 2023 bei 33 Vollzeit- und zwölf Teilzeitstellen. Durch die schnelle Zinswende verbuchte die Bank 2023 einen Rückgang der Einlagen, aber ein wachsendes Kreditgeschäft.