VW-Abgasskandal Porsche trennt sich von Entwicklungschef

Der Schatten des VW-Logos liegt über dem Porsche-Emblem Foto: dpa
Der Schatten des VW-Logos liegt über dem Porsche-Emblem Foto: dpa

Wegen der Beurlaubung aufgrund von Untersuchungen im Rahmen des VW-Abgasskandals verlässt Wolfgang Hatz das Unternehmen.

Chefredaktion: Anne Guhlich (agu)

Stuttgart - Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen hat nun auch ein erstes personelles Opfer beim Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche gefordert. Das Unternehmen trennt sich von seinem Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz (57). Sein Nachfolger ist der 51-jährige Michael Steiner.

Hatz war seit September beurlaubt. Dies hat nichts mit seiner Tätigkeit bei Porsche zu tun, sondern mit seiner Position bei VW zwischen 2007 und 2012, als er dort die ­Motorenentwicklung leitete. In dieser Zeit wurden die Dieselmotoren, bei denen mithilfe einer Betrugssoftware die Abgaswerte verfälscht wurden, eingeführt.

Hatz habe seit seiner Beurlaubung an der Aufklärung mitgewirkt, teilte das Unternehmen mit. Die Untersuchungen hätten bisher keinerlei Hinweise auf eine Mitverantwortung von Hatz ergeben. ­Aufgrund des Fortdauerns der internen Untersuchungen und der dadurch bedingten anhaltenden Beurlaubung habe er sich dennoch dafür entschieden, die Porsche AG zu verlassen. „Ich blicke gerne auf meine Zeit bei der Porsche AG zurück und ­begrüße außerordentlich, dass Michael Steiner meine Nachfolge antritt“, so Hatz.

Bei der Belegschaft kommt Michael Steiner gut an

Aus Unternehmenskreisen heißt es, die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hätten schon länger für klare Verhältnisse bei der Position plädiert. Porsche-Chef ­Oliver Blume hingegen hatte immer wieder betont, er stehe zu Wolfgang Hatz. Durch seine monatelange Beurlaubung seien aber immer mehr Entscheidungen auf dem Tisch des Porsche-Chefs gelandet. „Mit Michael Steiner haben wir den bestmöglichen Experten als neues Mitglied des Vorstandes für Forschung und Entwicklung in den eigenen Reihen gefunden“, sagte Blume. Bei der Belegschaft kommt Steiner, der in Weissach künftig 5500 Mitarbeiter führt, gut an. „Er ist ein echtes Porsche-Gewächs“, sagt ein Beschäftigter. Steiner ist bereits seit 14 Jahren bei dem Sportwagenbauer. Seit 2011 verantwortet er die ­Entwicklung Gesamtfahrzeug.

Im Zuge der Aufarbeitung des Abgasskandals hatte Anfang Dezember der Audi-Aufsichtsrat bereits den Technikchef der Ingolstädter VW-Tochter, Ulrich Hackenberg, aus dem Vorstand entlassen. Kurz ­darauf übernahm Frank Welsch den Entwicklungsposten bei der Kernmarke Volkswagen für Heinz-Jakob Neußer, der beurlaubt worden war.

Porsche ist bisher moderat vom Skandal betroffen: Rund 13 000 Exemplare des Geländewagenmodells Cayenne in den USA enthalten bisherigen Erkenntnissen zufolge die Betrugssoftware. Es geht um Fahrzeuge der Jahrgänge 2013 bis 2015 – gemessen am weltweiten Porsche-Absatz in dem Zeitraum ist das ein Anteil von zwei Prozent. Im Zuge des „freiwilligen Rückrufs“ des Kraftfahrt-Bundesamtes beordert Porsche außerdem 33 000 Macan-Geländewagen in die Werkstätten zurück. Der Motor für Porsches Dieselwagen kommt von Audi.

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