VW Es ist Zeit für eine Bereinigung

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Ein Sparprogramm wird VW nicht helfen. Die Wolfsburger sollten sich von einigen Marken trennen, kommentiert StZ-Wirtschaftsredakteur Michael Heller.

VW-Chef Matthias Müller steht vor schweren Entscheidungen. Foto: dpa
VW-Chef Matthias Müller steht vor schweren Entscheidungen. Foto: dpa

Stuttgart - Der neue VW-Vorstandschef Matthias Müller hat sich erst gar nicht die Mühe gemacht, das Desaster zu beschönigen. Bei seinem ersten großen Auftritt vor der Belegschaft in Wolfsburg hat er eine Verschärfung des Sparprogramms und Kürzungen bei den Investitionen angekündigt; O-Ton Müller: „Das wird nicht ohne Schmerzen gehen.“ Die Beschäftigten sind damit allerdings erst einmal kaum klüger als die Autofahrer, die immer noch nicht genau wissen, welche Folgen die Manipulationen der Abgaswerte für ihr eigenes Fahrzeug haben werden. Finanzchef Hans Dieter Pötsch soll sich bei einer internen Veranstaltung deutlich weniger diplomatisch ausgedrückt und von einer „existenzbedrohenden Krise für den Konzern“ gesprochen haben. Welche Belastungen insgesamt auf den Konzern zukommen werden, ist gegenwärtig noch gar nicht abzuschätzen. Insofern lässt sich auch nicht seriös behaupten, der künftige Aufsichtsratschef male den Teufel an die Wand, um Verständnis für Zumutungen aller Art zu wecken.

Das Dilemma jedes Autoherstellers besteht darin, dass er während der Laufzeit eines Modells die Kosten eigentlich kaum in nennenswertem Umfang senken kann; die Zeit dafür ist jeweils der Modellwechsel. Allgemeine Sparappelle helfen jedenfalls nicht weiter. Der abgetretene Vorstandschef Martin Winterkorn hat der Kernmarke VW im vorigen Jahr ein Sparprogramm von fünf Milliarden Euro für die folgenden drei Jahre verordnet – und auch schon von „schmerzhaften Einschnitten“ gesprochen, die aber bisher ausgeblieben sind. Das ist die übliche Manager-Rhetorik, die Entschlossenheit ausdrücken soll.

VW tut gut daran, sich Eingriffe in den laufenden Betrieb genau zu überlegen und der Versuchung zu widerstehen, mit dem Rasenmäher an die Investitionen zu gehen. Denn die Investitionen von morgen sind die Autos von übermorgen. Womit nicht gesagt ist, dass jede Konzernmarke unverzichtbar ist. Wozu braucht VW eigentlich das Luxussegment von Bugatti über Lamborghini bis zu Bentley? Dieselbe Frage stellt sich bei den Lastwagen von MAN und Scania. Durch die Trennung von diesen Marken würde VW wieder zu einem Konzern mit beherrschbarer Größe werden.