VW-Premiumtochter im Visier der Justiz Hat Audi Fahrgestellnummern gefälscht?

Von Thomas Magenheim 

Mitarbeiter der Volkswagen-Premiumtochter Audi sollen Fahrzeuge gezielt manipuliert haben, um eine Zulassung für Südkorea zu erhalten. Die Münchner Staatsanwaltschaft will den wohl in Deutschland vorbereiteten Betrug aufklären.

Audi steht wegen des Vorwurfs von Fahrzeugmanipulationen im Visier der Ermittler. Der Ex-Chef Rupert Stadler soll durch einen internen Prüfbericht von den Manipulationen durch Mitarbeiter erfahren  haben. Foto: AP
Audi steht wegen des Vorwurfs von Fahrzeugmanipulationen im Visier der Ermittler. Der Ex-Chef Rupert Stadler soll durch einen internen Prüfbericht von den Manipulationen durch Mitarbeiter erfahren haben. Foto: AP

München - Die Abgasbetrügereien im Volkswagen-Konzern sind um eine Variante reicher. Die Staatsanwaltschaft München hat nun wegen bemerkenswerter Praktiken in Südkorea wegen eines weiteren Betrugsverdachts hierzulande Ermittlungen aufgenommen. Das hat eine Justizsprecherin bestätigt.

Zuständig fühlen sich die Münchner Ermittler, weil die mutmaßlichen Betrügereien, die im Fernen Osten ausgeführt wurden, an deutschen Audi-Standorten vorbereitet worden seien. Es geht dabei um Vorgänge aus dem Jahr 2013, wie Insider bestätigen. Dabei sollen drei Audi-Mitarbeiter die Testdaten für Fahrzeuge, die zur Zulassung in Südkorea bestimmt gewesen sind, ganz gezielt manipuliert und das darüber hinaus durch eine Fälschung der Fahrgestellnummern kaschiert haben.

Zulassungen für Fahrzeugmodelle erschlichen

Auf diese Weise hat sich Audi mutmaßlich mehrfach Zulassungen für Modelle erschlichen, die sonst wegen zu hoher Verbrauchs- und Abgaswerte keine bekommen hätten. Beim unter Betrugsverdacht stehenden Trio habe es sich um keine hochrangigen Manager oder ehemaligen Vorstände gehandelt, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München.

Pikant ist diese neue Facette des Abgasbetrugs auch, weil Audi den Fall längst intern ermittelt hatte, ohne die deutsche Justiz darüber zu informieren. Rechtlich ist der Konzern dazu zwar nicht verpflichtet, so die Einschätzung von Justizexperten. Es war aber klar, dass die Vorgänge nicht unentdeckt bleiben konnten. Denn bei einer Razzia in Ingolstadt im März 2017 haben Münchner Fahnder unter anderem auch einen internen Prüfbericht der Audi-Revisionsabteilung beschlagnahmt, der die Vorgänge in Südkorea im Detail beschrieben hat.

Audi macht unter Hinweis auf die Ermittlungen keine Angaben

Audi bestätigt dessen Existenz, macht aber zu den Inhalten mit Verweis auf die nun auch in Deutschland laufenden Ermittlungen keine weiteren Angaben. Darüber, was mit den drei Verdächtigen geschehen ist, schweigen sich die Ingolstädter auch aus. Sie verweisen nur vage darauf, dass es im Zuge der internen Aufarbeitung des Skandals zu mehreren Freistellungen und Entlassungen gekommen sei.

Auch der inzwischen im gegenseitigen Einvernehmen ausgeschiedene langjährige Audi-Chef Rupert Stadler soll über den Prüfbericht informiert gewesen sein. Einen Zusammenhang zu seiner jüngsten Vertragsauflösung mit Audi und VW oder der in Kürze bevorstehenden Prüfung eines Antrags auf Haftentlassung gebe es nicht, betont ein Insider. Stadler sitzt seit mehr als drei Monaten in der Justizvollzugsanstalt Augsburg in Untersuchungshaft.

In Südkorea sind die Vorgänge juristisch bereits aufgearbeitet

In Südkorea selbst sind die Vorgänge bereits juristisch aufgearbeitet worden. Dabei ist ein VW-Manager zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Die Beteiligung von Audi ist damals offen geblieben. Bei dem jetzt von der Münchner Justiz verdächtigten Trio soll es sich um andere Personen handeln als diejenigen, die bereits in Südkorea zur Rechenschaft gezogen worden sind.