VWA in Stuttgart Studieren auch ohne Abitur, neben dem Beruf

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An der neu gegründeten VWA-Hochschule mit Zentrale in Stuttgart können auch Berufstätige ohne Abi einen Bachelortitel erwerben. Diesen Ausbildungstyp gab es in Baden-Württemberg bisher noch nicht.

Grünes Licht für ein neues Studienangebot in Stuttgart. Foto: Martin Stollberg
Grünes Licht für ein neues Studienangebot in Stuttgart. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Berufstätige im kaufmännischen oder gewerblich-technischen Bereich können künftig neben ihrem Beruf eine Bachelorausbildung absolvieren, die genau auf sie zugeschnitten ist – auch ohne Abitur oder Fachhochschulreife. Möglich wird dieser landesweit neue Ausbildungstyp durch die Gründung der VWA-Hochschule mit Sitz an der Stuttgarter Neckarstraße. Weitere Studienorte sind in Freiburg, Karlsruhe und Ulm. Das Besondere an dieser neuen Hochschule: sie ist seit Freitag staatlich anerkannt, der Studienbetrieb läuft abends und am Wochenende in Präsenzform, und beide Studiengänge – BWL und Wirtschaftsingenieurwesen – sind akkreditiert und vom Wissenschaftsrat positiv begutachtet worden. Darauf sind ihre Gründer besonders stolz.

„Es ist nicht ganz einfach, in Baden-Württemberg eine Hochschule zu gründen“, sagte Andreas Richter am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Einrichtung am Neckartor. Richter ist – neben seinem Job als Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart – Präsident der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) und Mitglied der Gesellschafterversammlung sowie Vorsitzender des Hochschulbeirats. Weil die Zulassungsbedingungen für eine neue Hochschule hierzulande sehr aufwendig seien, habe man überlegt, die Hochschule in einem anderen Bundesland zu gründen.

Gründer freuen sich über „Unikat in Baden-Württemberg“

Doch nun, so Richter, habe man „ein Unikat in Baden-Württemberg“ geschaffen und sei Vorreiter als berufsbegleitende Hochschule. Denn diese richte sich „an Menschen, die seit mehreren Jahren im Berufsleben stehen“. Sie komplettiere das Studienangebot in Baden-Württemberg. Auch über einen berufsbegleitenden Master denke man bereits nach.

Bis jetzt bieten die gemeinnützig arbeitenden VWA seit Jahrzehnten Fortbildungen in vielen Berufssparten – zu den Klassikern gehört der Betriebswirt. Allerdings besitzen diese Akademien mit landesweit rund 7000 Teilnehmern keinen Hochschulstatus, die Absolventen erhalten also auch keinen entsprechenden Abschluss. Rund ein Drittel der Teilnehmer seien junge Migrantinnen, so Richter.

„Wir haben festgestellt, dass die Nachfrage sich verändert“, so Rolf Salzer, Gründungskanzler und Hauptgeschäftsführer der Württembergischen VWA Stuttgart. Deshalb hätten sich die VWA Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe zusammengetan und die – ebenfalls gemeinnützige – VWA Hochschule GmbH als Träger gegründet. Die dahinterstehenden Vereine würden von vielen Mitgliedern getragen, darunter auch IHK und Land.

Kleine Gruppen, moderate Studiengebühren

Schließlich müsse der Studienbetrieb auch finanziell gesichert werden. Man rechne mit „deutlich über zwei Millionen Euro an Aufwand, bis die Hochschule beginnt, sich selbst zu tragen“, so Salzer. Dieser Punkt soll im Herbst 2017 erreicht sein. Die Finanzierung erfolgt über Studiengebühren. Rund 13 000 Euro kosten die vier Jahre bis zum BWL-Bachelor, rund 14 000 Euro sind es für den Wirtschaftsingenieur-Bachelor. Dafür biete die Hochschule ihren Studenten auch sehr kleine Gruppen mit maximal 30 Teilnehmern pro Studiengang.

Fast zwei Dutzend Bewerbungen lägen bereits vor, ein knappes Drittel davon ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung, berichtete Gründungspräsident Rainer Arnold. Und: „Wir haben weit mehr als 300 Interessenten.“ Davon entfalle rund die Hälfte auf den Studienort Stuttgart. Dort ist das sechsstöckige Gebäude in der Neckarstraße 88, das der VWA Stuttgart gehört, bereits für den Studienbetrieb gerüstet. „Wir haben drei Professuren ausgeschrieben“, so Arnold. Zwei in BWL, eine in Technischer Mechanik und Physik. Eine vierte in VWL soll folgen. 60 Bewerbungen seien bereits eingegangen. Lehrbeauftragte sollen das Angebot ergänzen. Einer davon ist Ernst Troßmann. Er ist zugleich Prorektor und Gründungsdekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Hauptberuflich leitet er den Controlling-Lehrstuhl an der Uni Hohenheim.

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