Wachsender Fischkonsum China ist bei der Fischzucht spitze

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140 Millionen Tonnen Fische und Meeresfrüchte werden weltweit jährlich konsumiert. Aquakulturen sind nicht immer die beste Lösung, sondern werfen neue Probleme auf.

Einige Thunfischarten gelten als extrem bedroht. Foto: dpa
Einige Thunfischarten gelten als extrem bedroht. Foto: dpa

Stuttgart - Ein Deutscher isst im Schnitt 60 Kilo Fleisch pro Jahr. Verglichen damit ist der Fischkonsum eher bescheiden: er liegt hierzulande relativ konstant bei 15,6 Kilo pro Kopf und Jahr. Andere Länder sind da weniger zurückhaltend. Die Japaner etwa kommen im Schnitt auf über 50 Kilo, die Portugiesen konsumieren mehr als 60 Kilo, hat der Fisch-Informationsdienst errechnet. Gigantische 140 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte aus Meeren, Seen und Fischzuchten landen rund um den Globus Jahr für Jahr auf den Tellern der Menschen, Tendenz steigend, ist im Bericht „Die Zukunft der Fische, die Fischerei der Zukunft“ nachzulesen, der von Wissenschaftlern verfasst wird, hinter denen unter anderem die Universität Kiel, das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und das Institut für Weltwirtschaft (IfW) stehen.

Das Geschäft mit dem Fisch ist ein ansehnlicher Wirtschaftszweig. 54 Millionen Fischer soll es weltweit geben, schätzt die Welternährungsorganisation FAO. Rund 87 Prozent davon sollen in Asien tätig sein, überwiegend in kleinen Betrieben. Die deutsche Fangflotte wirkt da sehr überschaubar: neun Fangschiffe für die hohe See nennen die Deutschen ihr Eigen; dies sind Ozeanriesen, die den gefangenen Fisch gleich an Bord verarbeiten. Hinzu kommen 1521 Kutter (Stand 2011) für die Küstenregionen, Tendenz sinkend. Nicht zuletzt wegen der immer geringeren Ausbeute mussten viele aufgeben. Das Problem Überfischung ist nicht neu. Das galt bereits in den 1970er Jahren etwa für den Hering. Der Bestand an dieser Delikatesse konnte sich zwar durch eine staatlich verordnete längere Zwangspause erholen, viele Kleinfischer haben dies aber nicht überlebt.

Mit Abstand die größte Fischereination ist China; mehr als 13 Millionen Tonnen Fisch hat die Volksrepublik 2010 gefangen, ist in dem Wissenschaftsreport nachzulesen. Auf Platz zwei folgt Indonesien; in den Netzen der Fischer dort landeten etwa fünf Millionen Tonnen. Im Vergleich dazu: alle EU-Staaten zusammen haben 2010 rund 5,2 Millionen Tonnen Fisch gefangen; auf Deutschland entfallen davon gut 237 000 Tonnen. Damit konnte das Land – die Binnenfischerei hinzugerechnet – gerade mal zwölf Prozent der inländischen Nachfrage decken. Der große Rest musste importiert werden – knapp zwei Milliarden Tonnen. Wichtigster Lieferland dabei ist Polen, von dort kommen (meist verarbeitete) Heringe und Lachse. Auf den Plätzen folgen Norwegen, China, die USA, Vietnam und Thailand. Beliebt beim Verbraucher sind Alaska-Seelachs, noch vor Hering, Lachs und Thunfisch. Der Panga­sius macht gerade mal 4,8 Prozent aus.

Fisch ist in den vergangenen Jahren im Schnitt um 3,9 Prozent teurer geworden und damit stärker als Nahrungsmittel insgesamt, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Besonders für Frischfisch ist mit im Schnitt plus 9,3 Prozent deutlich mehr zu berappen.

Überfischte Meere hat Fischzuchten, neudeutsch Aquakulturen, Auftrieb gegeben. Zwischen 1970 und 2008 wurden es Jahr für Jahr im Schnitt 8,4 Prozent mehr; nicht mal die Eierproduktion ist so stark gestiegen. Rund 60 Millionen Tonnen Fisch, Muscheln und Krebse wurden 2010 im Süßwasser oder im Meer gezüchtet. Damit hat die Aquakultur etwa drei Viertel der Menge an wild gefangenen Fischen erreicht. Größte Fischzuchtnation ist wieder einmal – China. Vor allem Karpfen kommen traditionell aus der Volksrepublik. Aber auch Länder wie Indien, Vietnam und Indonesien sind hier sehr aktiv. In Vietnam etwa werden Fische sogar in den wadentief gefluteten Reisfeldern gehalten. Asien versorgt 90 Prozent des Weltmarktes mit Zuchtfischen. Europa spielt bei der Fischzucht bisher keine große Rolle; nur Norwegen hat mit seinen Lachsfarmen hat noch einen Namen (rund eine Million Tonnen).

Wer nun glaubt, dass die Probleme der Überfischung gelöst sind, muss sich eines Besseren belehren lassen. Zum einen führt die Intensivhaltung in den Fischfarmen zu einer Überdüngung der Gewässer. Zum anderen müssen viele Zuchtfische mit wild gefangenem Fisch gefüttert werden. Rund 63 Prozent des Fischmehls landen so im Fischbauch; Schweinezüchter fragen 25 Prozent des Fischmehls nach. Und dabei sollten doch die wild lebenden Fische durch die Zuchten geschont werden.