Wachstum im Kreis Ludwigsburg Ein Dorf will Stadtluft atmen

Von Susanne Mathes 

Sein jüngster Fang freut den Tammer Bürgermeister Martin Bernhard besonders: Er hat jetzt Bosch im Firmen-Portfolio seiner Gemeinde. Das macht sich auch deshalb gut, weil Bernhard noch mehr Großes vorhat.

Noch ist Tamm Gemeinde. In wenigen Jahren will der Bürgermeister Martin Bernhard aber in einer anderen Liga spielen. Foto: factum/Bach
Noch ist Tamm Gemeinde. In wenigen Jahren will der Bürgermeister Martin Bernhard aber in einer anderen Liga spielen. Foto: factum/Bach

Tamm - Ob der Zeitplan verwegen ist, optimistisch oder realistisch, das beurteilt Martin Bernhard lieber nicht. „Man muss sich Ziele setzen“, sagt er stattdessen. Sein Ziel heißt: 2020 ist Tamm keine Gemeinde mehr, sondern Stadt.

Dass der Ort grundsätzlich das Zeug für den Statuswechsel hat, daran zweifelt der Bürgermeister nicht. 12 900 Menschen leben in dem einstigen Dorf, fast die Hälfte davon im Gemeindeteil Hohenstange, den die Neue Heimat Anfang der 70erJahre hochgezogen hat. Und es sollen mehr werden: Die Region Stuttgart sieht im Tammer Norden einen regionalen Wohnungsbauschwerpunkt vor. Unabhängig davon wächst der Ort mit Hilfe kleinerer Wohngebiete auch jetzt schon weiter.

Bürgermeister: Das städtische Gepräge ist vorhanden

Vor rund einem Jahrzehnt bekam die Ortsmitte ein neues Gesicht, unter anderem mit einem stattlichen Bürgersaal, der auf Bohrpfählen mit Erdwärmesonden steht, die das Gebäude wärmen und kühlen. „Ökologische Aspekte waren uns schon damals wichtig“, sagt Martin Bernhard. Er war zu jener Zeit Ortsbaumeister in Tamm, 2014 wurde er – nach einem Intermezzo in Remseck – zum Bürgermeister gewählt. Für ein städtisches Gepräge sprechen auch die gute Verkehrsanbindung (das Zentrum liegt direkt an der S-Bahn-Haltestelle, die B 27 und die A 81 sind nah), die Wirtschaftskraft (im mit Bietigheim-Bissingen unterhaltenen Gewerbegebiet Laiern logieren hochkarätige Unternehmen) und die engagierte Bürgerschaft. „Ich möchte behaupten, dass wir alles erfüllen, was eine Stadt ausmacht“, stellt Bernhard fest.

Bosch schätzt die Nähe zur Autobahn

Das Bestreben, Tamm in die Liga der Städte im Landkreis zu befördern, ist für ihn vor allem eine Frage des Prestigegewinns. Seine Gemeinde hat nicht nur die Sandwich-Position zwischen den großen Kreisstädten Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen, auch die Nachbarn Asperg, Markgröningen und Freiberg sind Städte. Das nagt an der Psyche. „Als Stadt hat man bei Verhandlungen ein besseres Standing“ ist sich Bernhard sicher.

„Eine Gemeinde wird mit ihren Anliegen leicht übersehen oder nicht für ganz voll genommen. Etwa, wenn in einem Gutachten über die Breuningerland-Erweiterung steht, es gebe für die Gemeinde Tamm keine Nachteile“, meint er spitz. Die Tammer stöhnen unter dem Durchgangsverkehr, den ihnen die auf Ludwigsburger Markung liegenden Einkaufszentren Breuningerland und Ikea bescheren. Der Verkehr plagt die Bürger nicht nur im Osten, sondern auch im Westen. Entlang des Ortsrandes sind Staus zwischen Markgröningen und Bietigheim-Bissingen und Ausweich-Autokolonnen durch die Tammer Hauptstraße an der Tagesordnung. Ein Tammer Neuanschluss an die Bietigheim-Bissinger Südumfahrung in Richtung Bundesstraße 27 soll bald Abhilfe schaffen.

Gut für das Image und die Gemeindekasse

Ganz aktuell hat sich der Gobal Player Bosch auf einem Gelände im Tammer Norden angesiedelt. „Wir haben uns für den Standort Tamm entschieden, weil wir dort einen Industriebau gefunden haben, bei dem wir Büro und Labor in einem Gebäude unterbringen konnten“, erklärt Unternehmenssprecherin Claudia Arnold. „Der direkte Autobahnanschluss ist für uns von großem Vorteil, weil in den vergangenen Jahren die Vernetzung mit den anderen Standorten im Großraum Stuttgart immer wichtiger geworden ist.“ Rund 500 Mitarbeiter arbeiten dort jetzt in der Leistungselektronik für Hybrid- und Elektrofahrzeuge.

Das tut nicht nur dem Tammer Image, sondern auch der Gemeindekasse gut. Apropos Geld: Monetär würde die Stadterhebung keine Vorteile bringen, merkt Martin Bernhard an. „Es würde keiner in der Verwaltung einen Euro mehr verdienen.“