Baugebiet Schöckinger Weg Wie groß soll Hemmingen werden?
Im Gemeinderat protestieren aufgebrachte Bürger gegen das geplante Baugebiet Schöckinger Weg. Auch im Gremium gibt es kritische Stimmen.
Im Gemeinderat protestieren aufgebrachte Bürger gegen das geplante Baugebiet Schöckinger Weg. Auch im Gremium gibt es kritische Stimmen.
Hemmingen - Aus der üblichen Bürgerfragestunde zu Beginn des Hemminger Gemeinderats ist am Dienstagabend gleich in der ersten Minute eine Bürger-Angriffsrunde geworden: Mit gelben Plakaten saßen und standen etwa 20 Bürger in der Gemeinschaftshalle, um gegen das geplante Baugebiet Schöckinger Weg zu protestieren. Im Jahr 2019 hatte der Gemeinderat beschlossen, aus einem drei Hektar großen Acker-und-Wiesen-Gelände an der Alten Schöckinger Straße ein Wohnviertel zu machen. Auf der Tagesordnung stand die Vorgehensweise zur Umlegung der Grundstücke, die der Gemeinderat verabschieden sollte.
Wie die Bebauung in einigen Jahren tatsächlich aussehen wird, ist noch lange nicht in der Planung. Die Anwohner fürchten aber schon jetzt, wie sie zum Teil aufgebracht über das Saalmikrofon vortrugen, dass die Verkehrsbelastung vor ihrer Haustüre unerträglich werden könnte. Bürgermeister Thomas Schäfer mahnte, keine Reden zu halten, sondern Fragen zu stellen, um dem Punkt 1 auf der Tagesordnung gerecht zu werden. Doch diejenigen, die sich zu Wort meldeten, waren zu aufgebracht, um ihre Einwände gegen das Wohngebiet in Frageform zu bringen. Sie gehen davon aus, dass neben Mehrfamilienhäusern zahlreiche Hochhäuser entstehen werden, von denen Hemmingen bereits genug habe, wie sie sagten.
Die Gemeinderäte sagten dazu nichts. Bis auf eine Enthaltung stimmten sie dem geplanten Fortlauf des Verfahrens zu. Aber in den nachfolgenden Reden zur Verabschiedung des Haushalts klang sowohl bei der CDU als auch den Freien Wähler an, dass durchaus darüber nachgedacht werden müsse, wie viel Wachstum die Gemeinde noch vertrage. Die Christdemokraten stellten Fragen wie: „Wollen wir in den nächsten zehn Jahren auf 10 000 Einwohner wachsen? Oder wollen wir das Wachstum beschränken? Können wir weiteren Wohnraum schaffen und gleichzeitig die Verkehrsbelastung reduzieren?“
Walter Bauer (CDU) sagte, es sei eine Milchmädchenrechnung zu glauben, mehr Einwohner brächten automatisch mehr Geld in die Gemeindekasse. Es sei eher vom Gegenteil auszugehen: Eine wachsende Bevölkerung benötige eine aufwendigere Infrastruktur, deren Ausbau mehr koste als die Einkommensteuer der zugewonnenen Einwohner Geld einbringe.
Ähnlich sah es Sabine Waldenmaier (Freie Wähler): „Zu schnell zu viel zusätzlich geschaffener Wohnraum birgt die Gefahr, dass wir kraft Pflichtaufgabe in weitere zusätzliche Einrichtungen und Personal investieren müssten.“ Das würde wiederum die Ausgaben „unverhältnismäßig in die Höhe treiben. Eine Patentlösung gebe es nicht. Umso wichtiger sei es, dass der Gemeinderat auf die Frage, welche Größe die Gemeinde vertrage, grundsätzliche Antworten finde.
Aus der CDU-Rede ließ sich deutliche Kritik an der Wachstumsstrategie heraushören, wie man diese eher von den Grünen kennt. Walter Bauer deutete an, dass sich eine weitere Bebauung mit Natur- und Klimaschutz nicht vertragen könnte. Mehr Einwohner wirkten sich auf die Vereine und das soziale Gefüge aus, sagte er. Eine Störung sei unumkehrbar.
Mit Blick auf die Planungen des neuen Wohnquartiers betonte der Hemminger CDU-Kommunalpolitiker, „solche grundsätzlichen Fragen hätte man unserer Ansicht nach vor dem Bebauungsplanbeschluss für ein weiteres Baugebiet klären oder zumindest diskutieren müssen.“ Schließlich gehe es um Entscheidungen mit langfristiger Auswirkung – bebauter Grund lasse sich nicht einfach wieder in Natur umwandeln.