Wählen in Pandemiezeiten AHA-Erlebnis bei der Stimmabgabe

Wählen unter Pandemie-Bedingungen: Wie schon bei der Bürgermeisterwahl im Herbst 2020 dient das Foyer der Wiesengrundhalle als Wahllokal Foto: EIBNER/DROFITSCH/EIBNER/DROFITSCH

Wie sieht es in Wahllokalen zu Pandemie-Zeiten aus? Ein Blick in die Wiesengrundhalle und ins Rathausfoyer in Grafenau.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Dätzingen - „I hab’ g’fragt, ob’s no’ an Kucha’ gibt“, sagt Gisela Thering und zuckt mit den Schultern, als sie das Foyer der Wiesengrundhalle am Ortsrand von Dätzingen verlässt. Nein, Kuchen haben die Wahlhelfer für die Seniorin nicht im Angebot. Dort, wo die Bürgerschaft sich sonst bei Sportveranstaltungen, Festen und anderen Anlässen gerne auf ein Schwätzle bei Kaffee und Kuchen hinsetzt, herrschen an diesem nasskalten Sonntag maximale Sicherheit und Effizienz.

 

Schließlich geht es darum, eine Landtagswahl unter Pandemiebedingungen sicher und reibungslos über die Bühne zu bringen. Bis zu diesem Zeitpunkt gegen halb zwei am Nachmittag hat das auch sehr gut funktioniert, wie Wolfgang Klamser bestätigt. Der Dätzinger, der für die Freien Wähler Grafenau (FWG) im Gemeinderat sitzt, kümmert sich mit seinem Wahlhelfer-Team um die Einhaltung der als AHA-Regeln bekannten Abstands- und Hygienevorschriften. „Bisher haben alle Masken angehabt und sich an die Regeln gehalten“, berichtet Klamser von einer ruhigen ersten Tageshälfte ohne besondere Vorkommnisse.

Wahlhelfer machen freiwillige Coronatests

Erst vor ein paar Minuten hat die zweite Schicht mit Kämmerin Katrin Assmann, Bürgeramtsmitarbeiterin Karin Müller, CDU-Gemeinderätin Marita Rodamer und SPD-Rat Sebastian Wehle ihren Dienst angetreten. Zuvor haben alle einen freiwilligen Corona-Schnelltest gemacht. Die Gemeinde Grafenau hatte von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, für die Wahlhelfer eine Charge aus dem Landkreiskontingent abzugreifen. „Negativ!“, zeigt Katrin Assmann freudestrahlend ihren Test vor. Der zeigt einen roten Strich unter dem Buchstaben „C“. Das stehe aber nicht für „Corona“, sondern für „Control“ und damit für ein negatives Testergebnis, erklärt Sebastian Wehle.

Die Nachmittagsschicht startet ruhig. Bis um 13.15 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei rund 53 Prozent. Wolfgang Klamser ist skeptisch, dass es am Ende zu 70 Prozent reichen wird. Der Andrang vor der Halle ist nicht sehr groß. Der Parkplatz ist kaum halb voll, bei Nieselregen machen sich nur vereinzelt Fußgänger auf den Weg zum coronakonformen „AHA-Erlebnis“ an der Wahlurne.

Anteil der Briefwähler liegt bei rund 50 Prozent

Die maximale Zahl von drei Personen, die gleichzeitig zur Stimmabgabe in dem langen Raum oberhalb der Tribünen sein dürfen, wird selten ausgereizt. Alle paar Minuten öffnet sich die Tür zum Foyer. Wer hereinkommt, desinfiziert sich zuerst die Hände, geht die Anmeldestationen durch, macht mit einem zuvor desinfizierten Kugelschreiber sein Kreuz und geht dann durch einen separaten Ausgang wieder nach draußen.

Einer, der seine Stimme heute hier vor Ort abgibt, ist Bernd Dahms. „Man will ja auch mal die Leute sehen“, erklärt er, warum er nicht per Briefwahl gewählt hat. Auch Maria Hirschberger macht ihr Kreuz lieber direkt an der Urne. „Das mit der Briefwahl ist mir zu umständlich“, erklärt sie.

Rund 50 Prozent aller Grafenauer sehen das offenbar anders. So hoch liegt laut Christine Klemm der Anteil der Briefwähler in Grafenau. Die Ordnungsamtsleiterin der Gemeinde arbeitet an diesem Wahlsonntag im Rathaus im Ortsteil Döffingen. „Keine besonderen Vorkommnisse. Bei uns war alles ruhig“, berichtet sie.

Das dürfte sich demnächst ändern, wenn es mit dem Auszählen losgeht. Nicht zuletzt wegen der vielen Briefwahlstimmen sind dann alle Hände an Deck gefordert.

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