Die Wärmeplanung der Stadt Stuttgart hat am 14. Dezember eine entscheidende Hürde genommen: Der Gemeinderat hat am Donnerstagabend die 383 Seiten umfassende Planung in seiner Sitzung beschlossen. Es gab nur zwei Gegenstimmen; diese kamen von der AfD.
Der Beschluss der Wärmeplanung kam sozusagen kurz vor knapp, denn bis Ende 2023 müssen alle 95 Großen Kreisstädte sowie die neun kreisfreien Städte in Baden-Württemberg eine solche kommunale Wärmeplanung vorlegen. So sieht es das Klimaschutzgesetz des Landes vor.
Wichtige Infos für Besitzer von Immobilien
Anhand der Pläne, die nun in Stuttgart beschlossen worden sind, können Immobilienbesitzer prüfen, ob in ihrem Gebiet ein Wärmenetz vorgesehen ist. Laut Informationen der Stadt befinden sich etwa 45 Prozent aller Haushalte, was rund 136 800 Wohneinheiten entspricht, in einem potenziell durch ein Wärmenetz versorgtes Gebiet. Allerdings muss man dazu wissen, dass rund die Hälfte des Wärmeverbrauchs Stuttgarts in Nicht-Wohngebäuden anfällt, betont eine Sprecherin der Stadt.
Dennoch gilt: Diese 45 Prozent aller Haushalte in Stuttgart haben also Chancen, dass bei ihnen in der Straße künftig Leitungen verlegt werden. Teils ist dies auch schon erledigt. In Stuttgart gibt es zusammengerechnet bereits 218 Kilometer solcher Netze. Laut der EnBW, die das Stuttgarter Fernwärmenetz derzeit betreibt, sind aktuell 28 500 Haushalte, 1400 Firmen und 380 öffentliche Gebäude angeschlossen.
55 Prozent müssen sich selbst versorgen
Gebäude, die außerhalb der potenziellen Netzgebiete liegen, gelten laut Stadt als Eigenversorger. Das sind etwa 171 000 Haushalte in Stuttgart, was rund 55 Prozent entspricht. Während sich in dicht besiedelten Gebieten wie der Stuttgarter Innenstadt Wärmenetze anbieten, ist dies beispielsweise in den Außenstadtbezirken mit vielen Einfamilienhäusern nicht unbedingt der Fall. Bei Letzteren gibt es derweil andere Möglichkeiten als im Ballungsraum: beispielsweise anhand von Wärmepumpen.
Die folgende Karte zeigt die Gebiete, in denen es bereits von einem Wärmenetz versorgt werden (orange), wo die Planung schon läuft (grün) oder kurz bevorsteht (blau), die gut (gelb) oder nur mit größeren Problemen (rot) an ein Wärmenetz angeschlossen werden können. Zoomen Sie für Details mit dem Plus-Button links oben hinein.
Damit die Wärmewende gelingt und die Stadt Stuttgart ihr Klimaziel bis 2035 erreicht, sollen weitere Netze hinzukommen. Auskunft über diese möglichen Fern- und Nahwärmenetze gibt die kommunale Wärmeplanung, die nun in einem nächsten Schritt vom Regierungspräsidium Stuttgart geprüft werden muss.
Rechtlich verbindlich sind diese Aussichten auf einen Anschluss derzeit indessen noch nicht, da es sich bisher um eine strategische Planung handelt. Ziel der Stadt ist es aber, in den entsprechenden Gebieten zeitnah und sukzessive konkreter zu werden.