Wärmeplanung in Fellbach Unerwartete Hürde: Warum Neckar-Flusswärme in Fellbach scheitert
Die Stadt will die Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 klimaneutral machen. Derzeit laufen Machbarkeitsstudien für sechs Wärmenetzprüfgebiete.
Die Stadt will die Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 klimaneutral machen. Derzeit laufen Machbarkeitsstudien für sechs Wärmenetzprüfgebiete.
Achtung, bei diesem Thema sind offenkundig Fachtermini erforderlich, die in ihrem Bandwurmcharakter fast an den legendären Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän heranreichen. Hintergrund sind die Hoffnungen, die man in Fellbach bezüglich der kommunalen Wärmeplanung zwischen dem Kappelberg und dem Oeffinger Neckarufer hegt.
In der jüngsten Sitzung des Lokalparlaments informierte das Stadtplanungsamt das Gremium beispielsweise darüber, dass es ein „Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg (KlimaG BW) “ gibt oder dass Fellbach eine „treibhausgasneutrale Wärmeversorgung“ anstrebt.
Diese Ambitionen sind auch im bereits 2023 beschlossenen kommunalen Wärmeplan vorgegeben, mit dem Ziel, die Wärmeversorgung in Fellbach bis 2040 klimaneutral zu machen und somit die Gesetzesvorgaben zu erfüllen.
Durchaus detailreich aufgelistet ist im nun vorgelegten Bericht, was geht – und was nicht geht in Fellbach. Mehr Potenzial erhofft hatte man sich beispielsweise bei der Nutzung von Flusswärme. Denn, was viele nicht wissen: Fellbach hat Zugang zum „schwäbischen Strom“; ganz im Norden der Kommune befindet sich das Neckarufer auf Markung des Stadtteils Oeffingen.
Ziel war, das Potenzial der Flusswärme des Neckars für eine Einspeisung in ein zukünftiges Wärmenetz über Großwärmepumpen zu prüfen. Allerdings förderten bereits die ersten Voruntersuchungen zutage, dass die Entfernung zum nächstgelegenen Wärmenetzprüfgebiet Oeffingen-West zu groß und die Vision somit aus wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar ist.
Ebenfalls nur Wunschdenken bleibt das „Windpotenzial Kappelberg“, wie das Vorhaben genannt wurde. Der von Fellbach auserkorene Windrad-Standort in der Nähe der Grabkapelle fand beim Verband Region Stuttgart keine Gnade – zum einen, weil eine Windkraftanlage das „raumwirksame Kulturdenkmal“ auf dem Württemberg zu sehr stören würde. Zum anderen wurde die Flugsicherung des nahen Flughafens Esslingen-Jägerhaus als rechtliches Ausschlusskriterium herangezogen, der „Pufferbereich“ beim An- und Abflug könne nicht ausreichend eingehalten werden.
Doch es gibt auch sonst noch etliche andere Möglichkeiten, die Wärmeplanung in Fellbach voranzubringen. Aktuell laufen Machbarkeitsstudien für sechs Wärmenetzprüfgebiete, in denen untersucht wird, ob ein Wärmenetz technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Für die Wärmeerzeugung werden dabei verschiedene Technologien wie Geothermie, Wärmepumpen, Biomasse und Solarthermie untersucht, berichtete Baubürgermeisterin Beatrice Soltys in der Sitzung.
Der Wärmeplan offenbart zudem, dass viele, vor allem ältere Wohn- und Bestandsgebäude in Fellbach eine niedrige Energieeffizienz aufweisen und energetisch sanierungsbedürftig sind. Die Wärmeversorgung ist überdies aktuell noch stark von fossilen Brennstoffen abhängig, insbesondere Erdgas und Heizöl.
Besonders gut eingestuft werden die Potenziale für erneuerbare Stromquellen wie Dach- und Freiflächenphotovoltaikanlagen. Der Photovoltaik-Ausbau auf städtischen Liegenschaften wird auch im kommenden Jahr fortgesetzt. Künftig sollen vor allem private und gewerbliche Dachflächen sowie effiziente Heiztechnologien wie Wärmepumpen in den Fokus rücken.
In der Debatte bezeichnete Grünen-Rätin Sara Schmalzried die kommunale Wärmeplanung als „eines der zentralsten Zukunftsthemen unserer Stadt“. Gemeinsames Ziel müsse sein, „dass fossile Energieträger Stück für Stück aus unserer Stadt verschwinden“.“
Für Martin Oettinger, Fraktionschef der Freien Wähler/Freien Demokraten, muss man sich bei der kommunalen Wärmeplanung auf „einen Langstreckenlauf“ einstellen. Er selbst rechne frühestens in fünf oder sechs Jahren mit Ergebnissen.