Parteiübergreifend kritisieren Degerlocher die Wärmeplanung für Stuttgart als zu klein gedacht. Ein Arbeitskreis bietet der Stadt nun Hilfe an und legt eigene Ideen vor.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Das Signal ist klar. „Ganz“ Degerloch will, dass mehr oder weniger ganz Degerloch künftig an Wärmenetzen hängt. In dem Höhenbezirk am Rande des Kessels will man sich nicht zufrieden geben mit der Lösung, die die Stadt Stuttgart für Degerloch skizziert hat. Das sei viel zu klein gedacht, ist man sich über die Parteigrenzen hinweg einig. Am Tisch sitzen Vertreter verschiedener Couleur, Grüne, CDU und SPD, Gewerbe- und Handelsverein, also quasi alle.

 

Dieses Grüppchen – bestehend aus Degerlochern und Bezirksbeiräten – nennt sich Arbeitskreis Wärmewende; es hat der Stadt nun ein Angebot gemacht, das diese eigentlich kaum ablehnen kann. Das Kernteam aus Klaus Amler, Jürgen Schmid, Rolf Armbruster und Jörg Henne erklärt sich bereit, aktiv organisatorisch mitzuhelfen bei der Wärmewende des einstigen Luftkurorts. Man sei gut vernetzt, kenne die Örtlichkeiten. „Wir wollen die Stadt dazu bringen, dass sie es richtig macht“, sagt Amler und grinst.

Wie schafft Stuttgart-Degerloch die Wärmenwende? Foto: Archiv Lichtgut/Leif Piechowski

Die Atmosphäre mit dem Ämtern sei gut, doch dass die Stadt in der Ende 2023 beschlossenen Wärmeplanung lediglich einen kleinen Bereich rund ums Rathaus ausgewiesen hat, finden Amler, Rudolf, Schmid und die anderen falsch und vorschnell. „Dies ist für Bürgerinnen und Bürger widersprüchlich, verwirrend und Misstrauen erweckend“, schreibt der Arbeitskreis in einem Positionspapier gemeinsam mit dem Bezirksbeirat. „Prinzipiell muss der Wärmeplan auch für Laien plausibel, nachvollziehbar und logisch sein.“

Albsiedlung in Stuttgart-Degerloch sei Netzgebiet

Dazu gehört, dass ihnen die Argumente der Stadt fehlen, warum weite Teile Degerlochs als mögliche Wärmenetz-Gebiete ausscheiden, sagen die Mitglieder des Arbeitskreises. Sie führen in einen Hinterhof an der Löwenstraße: Wärmepumpen können sie sich hier aufgrund der Enge nicht vorstellen. Und genau genommen schätzen sie die Lage so für den ganzen Bereich zwischen Bundesstraße, Jahnstraße und Reutlinger Straße ein. Aber auch die Albsiedlung sehen die Engagierten als Netzgebiet.

Natürlich habe man Respekt vor der Expertise der Stadt, sagt Amler. Sie haben nur die Sorge, dass in Degerloch nicht größer geplant wird, weil die Stadt und die Stadtwerke die Kapazitäten dazu nicht haben. An der Stelle möchte der Arbeitskreis in Degerloch helfend unterstützen. „Wir arbeiten zu und reden mit Leuten“, sagt Klaus Amler, die anderen nicken.

Info-Veranstaltung in Stuttgart-Degerloch zum Heizen

Dass das viel mehr als leere Worte sind, dafür spricht beispielsweise die Exkursion nach Pfalzgrafenweiler, wo man sich vor ein paar Wochen ein Wärmenetz angeschaut hatte. Zwar geht es ihnen in erster Linie um Degerloch. „Wir wollen aber auch andere mitreißen“, sagt Rolf Armbruster. „Degerloch war in der Vergangenheit schon öfters ein Vorbild.“

Der AK Wärmewende hat Helmut Böhnisch beauftragt, auszuloten, was in Degerloch technisch möglich wäre. Am Donnerstag, 23. April, stellt der ehemalige Leiter bei der Klimaschutz-und Energieagentur Baden-Württemberg eine Konzeption für Degerloch vor.

Das sind die Eckdaten für die Veranstaltung am 23. April:

  • Beginn: 19 Uhr
  • Ort: Alte Scheuer am Agnes-Kneher-Platz
  • Eintritt: frei