Fellbach macht den Vorreiter, um Menschen in der kalten Jahreszeit nicht allein zu lassen. In drei Einrichtungen werden Wärmestuben eingerichtet. Was machen die anderen Städte im Landkreis?

In Zeiten von Krieg, Energiekrise, Inflation und galoppierenden Gaspreisen stehen zu Beginn des Winters viele Menschen vor der existenziellen Entscheidung: „Heize ich meine Wohnung oder kaufe ich mir etwas zu essen?“ Beides ist bei schmalem Geldbeutel oft nicht möglich. Derartige sorgenvolle Äußerungen hat auch Christine Hug, Leiterin des Amts für Soziales und Teilhabe der Stadt Fellbach, immer mal wieder in den vergangenen Wochen gehört. „Wir hoffen, dass der anstehende Winter nicht so hart ausfällt, wie wir ihn schon hatten“, erklärte sie jetzt im Sozialausschuss. Um Menschen zu helfen, die in diesem Dilemma stecken, hat die Stadt Fellbach als erste Kommune im Rems-Murr-Kreis eine Initiative gestartet, um in öffentlichen Gebäuden Wärmeräume anzubieten. Wobei die Verantwortlichen lieber „das schöne Wort Wintertreff“ als positiver besetzten Begriff gewählt haben.

Erste Anregung kam bereits im Sommer

Die Idee für diese Unterstützung für Menschen mit schmalem Geldbeutel entstand bereits Mitte Juli, „als es noch heiß war“, wie der Erste Bürgermeister Johannes Berner erklärt. Die Grünen-Fraktion regte an, neben „kurzfristigen Schutzmaßnahmen für ältere Menschen bei Hitzewellen“ auch mit Blick auf den Winter „bereits jetzt die Einrichtung kommunaler Wärmestuben zu prüfen“. Denn, so die damalige Prognose: „Aufgrund der Energiekostenentwicklung müssen wir davon ausgehen, dass verschiedene Mitbürgerinnen und Mitbürger ihre Wohnung im kommenden Winter nicht mehr ausreichend heizen können.“

Ein Angebot vor allem für ältere Menschen

Wohin also, wenn die Temperaturen sinken, die Heizkosten jedoch weiter in die Höhe klettern? „Die aktuellen Preissteigerungen bringen manche an ihre Grenzen“, analysierte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull bereits vor einigen Wochen. Die Angst vor horrenden Energiekosten bei weiter steigenden Lebensmittelpreisen beunruhige auch viele Menschen in Fellbach. Die Suche nach passenden, öffentlich zugänglichen Räumen war erfolgreich. „Dort sollen sich ältere Menschen bei Bedarf tagsüber aufhalten und aufwärmen können“, erklärt Christine Hug. Auf diese Weise wollen die Fellbacher Verantwortlichen unbedingt verhindern, dass Menschen aus Sparsamkeitsgründen oder weil sie in Sorge sind, die hohen Energiekostennachzahlungen nicht begleichen zu können, tagsüber frierend in ihrer eigenen, nicht ausreichend beheizten Wohnung bleiben.

Kein Programm und kein Mittagstisch vorgesehen

Ins Visier genommen wurden bei der Suche Einrichtungen, die ohnehin geöffnet sind und wo tagsüber hauptamtliches Personal anwesend ist. Die drei geeigneten Einrichtungen sind das Seniorenzentrum Schmiden, in der Kernstadt das Stadtteil- und Familienzentrum an der Eberhardstraße hinter der Pauluskirche sowie der Treffpunkt Mozartstraße. Der Wintertreff hat dort geöffnet von 9 bis 17 Uhr. Ansonsten gilt: „Jeder Gast bringt eigene Verpflegung und Getränke mit und sorgt eigenständig für eine sinnvolle Beschäftigung.“ Hug erklärt: „Wir bieten hier kein Programm oder einen Mittagstisch, sondern einfach einen gut geheizten Aufenthaltsort.“ Die im Wintertreff versammelten Menschen sollten „miteinander in Kontakt treten und sich bei Bedarf gegenseitig stützen“. Sollte die Prüfung der Anlaufphase ergeben, dass die Räume „zu stark frequentiert werden“, will man das Angebot eventuell weiter ausbauen. Die Stadträtinnen und Stadträte zeigten sich zufrieden, die Initiative passe zum Slogan „Fellbach hält zusammen“, zur Finanzierung wurden 5000 Euro genehmigt.

Vorbild für andere Städte

Dass Christine Hug in den vergangenen Wochen ein Telefonat nach dem anderen führte, lag aber nicht nur daran, dass sie Ansprechpartner für das Projekt an die Strippe bekommen wollte. Vielmehr gab es, wie Dezernent Johannes Berner berichtet, „erstaunlich viele Anfragen von anderen Kommunen, die Fellbach als Blaupause für mögliche eigene Aktivitäten sehen“.

In Backnang wird geprüft

So weit gediehen wie in Fellbach sind ähnliche Initiativen im Rems-Murr-Kreis allerdings nicht. Backnang befindet sich aktuell in der Prüfung für ein Konzept zur Einrichtung von Wärmestuben. „Grundsätzlich sehen wir hierfür einen Bedarf“, teilt eine Stadtsprecherin auf Nachfrage mit. „Wir werden deshalb mit einem entsprechenden Vorschlag zur Umsetzung auf unsere Gremienmitglieder zukommen.“ Wann genau das der Fall ist, steht noch nicht fest. Wärmestuben gibt es in Schorndorf derzeit nicht. Wer allerdings unerwartet ohne Dach über dem Kopf dasteht, dem wird geholfen. Fachbereichsleiter Joern Rieg: „Aktuell gibt es in Schorndorf vier Obdachlosenunterkünfte, mit circa 80 Unterkunftsplätzen. Hier sind sofort verfügbare Plätze vorhanden.“ Wärmestuben existierten in Schorndorf nicht, „da es hierfür bislang keinen Bedarf gibt“.

Zusätzliche Heizgeräte in Waiblingen

Die Stadt Waiblingen steckt laut ihrer Pressesprecherin Gabriele Simmendinger derzeit in der Vorplanung, um bei Bedarf in der Kernstadt und in den Ortschaften Anlaufstellen für die Bevölkerung anbieten zu können. „Hierfür wurden zusätzliche Heizgeräte, die unabhängig von der Haustechnik eines Gebäudes betrieben werden können, über die Wintermonate vertraglich gesichert. Zusätzlich wurden zwei mobile Öl-Heizgeräte beschafft. Die technischen Voraussetzungen sind somit geschaffen.“ Sollten die Anlaufstellen zum Einsatz kommen, erfolge dann anhand des aktuellen Bedarfs und der dann herrschenden Lage eine detaillierte Planung, wer diese Anlaufstellen nutzen darf und wie die Öffnungszeiten sind.

In Winnenden werden aktuell keine Wärmestuben angeboten. Die Bereitstellung von Notunterkünften sei jedoch im Rahmen der Notfallplanung für einen länger andauernden Stromausfall berücksichtigt, teilt Franz Stagel vom Hauptamt mit. Auch in Weinstadt gibt es derzeit keine Wärmestuben, bis auf Weiteres seien auch keine geplant.

Wie sieht es außerhalb des Kreises aus?

Der Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen unterstützt mit dem Hilfsfonds „Lichtblick“ unter dem Mantel der bundesweiten Kirchenaktion „#wärmewinter“ Menschen in Notlagen mit finanziellen Hilfen und Sozialberatung.