Wärmeversorgung für Gerlinger Neubaugebiet Abwasserwärme wäre effizient

Auf Abwasserwärme basiert ein Wärmenetz, an das das Gerlinger Neubaugebiet Bruhweg II angeschlossen werden könnte. Foto: Jürgen Bach

Die Wärmeversorgung für das künftige Neubaugebiet Bruhweg II in Gerlingen soll zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien basieren.

Das Neubaugebiet Bruhweg II kann an ein Wärmenetz angeschlossen werden, das auf Abwasserwärme basiert. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die jetzt dem Gerlinger Gemeinderat vorgelegt wurde. Allerdings wäre die Wärmequelle weniger effizient als erwartet: Die parallel betriebenen Biomassekessel müssten zur Deckung höherer Lasten deutlich mehr beitragen als zunächst berechnet.

 

Im untersuchten Modell würde die Wärme für das Gebiet in einer großen Abwasserleitung in der Dengelwiesenstraße am Rand des Neubaugebiets gewonnen werden. Laut der Stadtverwaltung hatten die vertieften Untersuchungen nun aber ergeben, dass der Durchfluss an Abwasser dort „deutlich geringer“ ist, als ursprünglich angenommen worden war.

Rund 41 bis 47 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs wären abgedeckt

Eine Wärmepumpe könnte demnach mit Hilfe des Abwassers zwischen 0,65 und 0,9 Megawatt thermische Leistung zur Verfügung stellen. Die Anlage würde damit rund 41 bis 47 Prozent des angenommenen jährlichen Wärmebedarfs von Bruhweg II decken. Höhere Lasten oder Spitzen würden Biomassekessel abdecken. Ziel der Planung ist, dass die Wärmeversorgung des rund 13 Hektar großen Quartiers mit rund 700 geplanten Wohneinheiten zu 100 Prozent auf regenerativen Energien basiert. Der bereits früher gefällte Beschluss, dass alle Neubauten in Bruhweg II den hohen Effizienzstandard KfW 40 erfüllen müssen, wurde auf Vorschlag der Stadt im Gemeinderat wieder kassiert.

Als Grund nennt die Verwaltung veränderte Rahmenbedingungen: Die Verpflichtung sei beschlossen worden unter der Annahme, dass KfW 40 auch auf Bundesebene in absehbarer Zeit bindend vorgeschrieben werden würde. Dies sei aber nicht der Fall. „Bei einer nichtgesetzlichen Festsetzung des Gebäudestandards können wir den KfW-40-Standard nicht im Bebauungsplan festsetzen“, erklärte der Leiter des Gerlinger Stadtbauamts, Thomas Günther, im Gemeinderat. Insgesamt führt die Kombination aus Abwasserwärme und Biomassekesseln laut den Untersuchungen zu „etwas niedrigeren“ Wärmegestehungskosten als die Versorgung durch dezentrale Wärmepumpen an den Häusern. Ob das Wärmenetz tatsächlich eines Tages so gebaut wird, wie die nun ermittelte Musterlösung empfiehlt, ist freilich nicht gesichert.

Die Ausschreibung zur Errichtung und zum Betrieb des Wärmenetzes, so erklärt die Stadtverwaltung, soll „technologieoffen“ erfolgen, um möglichst viele potenziell interessierte Unternehmen anzusprechen. Mindestanforderung sei weiterhin, dass die Wärmeversorgung zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien basiere.

Rund 4,8 Millionen Euro Zuschuss vom Bund sind möglich

Einen Benutzerzwang zum Anschluss ans Wärmenetz soll es im Übrigen nicht geben. Das würde „zu einer Gewährleistungsverantwortung der Stadt bezüglich der Wärmeversorgung“ führen, die aktuell nicht zu leisten sei, so die Verwaltung. „Daher ist die damit verbundene Verantwortung derzeit zu groß.“

Das Investitionsvolumen für das untersuchte Wärmenetz wird aktuell auf rund 12,5 Millionen Euro beziffert. Rund 4,8 Millionen Euro könnte der Bund zuschießen.

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