Wäschenbeuren Eine Antwort auf die Wohnungsnot

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Auf der Höhe der Flüchtlingskrise hat das Kreishochbauamt das sogenannte Filstalhaus entworfen, um schnell günstigen und zeitgemäßen Wohnraum schaffen zu können – nicht nur für Flüchtlinge. Jetzt wurde das erste Gebäude eingeweiht.

Das Filstalhaus besteht aus zwei Gebäudehälften mit je zwei 60-Quadratmeter-Wohnungen und einem gemeinsamen Treppenaufgang in der Mitte. Die rechte Gebäudehälfte nutzt der  Kreis, die linke die Kommune. Foto: Michael Steinert
Das Filstalhaus besteht aus zwei Gebäudehälften mit je zwei 60-Quadratmeter-Wohnungen und einem gemeinsamen Treppenaufgang in der Mitte. Die rechte Gebäudehälfte nutzt der Kreis, die linke die Kommune. Foto: Michael Steinert

Wäschenbeuren - Wie knapp günstige Wohnungen in der Region Stuttgart und auch im Kreis Göppingen sind, hat sich vor allem während der Flüchtlingskrise deutlich gezeigt. Die Kommunen kamen kaum nach, Räume für die Anschlussunterbringung zu finden. Deshalb hat das Kreishochbauamt Anfang des vergangenen Jahres Pläne für ein Gebäude entwickelt, das sich vergleichsweise schnell und günstig bauen lässt, bei der Ökobilanz sehr gut abschneidet und so flexibel ist, dass es immer wieder an neue Anforderungen angepasst werden kann: das sogenannte Filstalhaus.

Die Idee der Planer im Landratsamt: Die Gemeinden sollten Bauplätze zur Verfügung stellen und die Baukosten tragen, der Kreis bot an, bei der Planung zu helfen und einen Teil der Wohnungen langfristig zu mieten, um die Refinanzierung zu sichern. Jetzt, anderthalb Jahre später, ist das erste Filstalhaus in Wäschenbeuren mit viel Applaus eingeweiht worden. Es besteht aus zwei Gebäudehälften, die je zwei 60-Quadratmeter-Wohnungen umfassen. Die eine nutzt die Gemeinde, um zwei geflüchtete Familien unterzubringen. Die andere mietet der Kreis für 17 Jahre. Dort gibt es mehr Einzelzimmer, die das Landratsamt für die Erstunterbringung von Flüchtlingen nutzt.

Die erste Familie zieht jetzt ein

An diesem Montag zieht die erste Familie ein, der lokale Arbeitskreis Flüchtlinge werde sich um sie kümmern und den Menschen helfen, Fuß zu fassen, versprach der Wäschenbeurener Bürgermeister Karl Vesenmaier. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und den schnellen Baufortschritt. Tatsächlich hatten die Bauarbeiten erst im Mai begonnen.

Das Gebäude hat 630 000 Euro gekostet und wurde in einer Modulbauweise aus Massivholz erstellt. Die Bauteile wurden in den Hallen der Baufirma Modus Systembau in Welzheim (Rems-Murr-Kreis) vorgefertigt und vor Ort innerhalb von zwei Tagen montiert. Die gute Dämmung, die ausgeklügelte Technik und die Herstellung aus Holz bringt den Bewohnern ein angenehmes Raumklima und schützt die Umwelt vor unnötigen Belastungen. Haltbar ist das Gebäude dennoch – es ist für 99 Jahre zugelassen, und „wir hoffen, dass es auch noch länger hält“, sagte der Geschäftsführer von Modus Systembau, Bernhard Frank. Er appellierte an alle Zuhörer, beim Bauen zu bedenken, dass eine gute Ökobilanz auch dabei helfe, Fluchtursachen zu bekämpfen. Auch Umweltkatastrophen vertrieben immer häufiger Menschen aus ihren Heimatländern.

700 Flüchtlinge brauchen noch eine Anschlussunterbringung

Auch der Göppinger Landrat Edgar Wolff zeigte sich mit dem Ergebnis der Bemühungen der Kommune und des Kreises sehr zufrieden. Er hofft, dass weitere Kommunen auf das Landratsamt zukommen, um gemeinsam weitere Filstalhäuser zu bauen. Denn bisher gab es zwar noch Gespräche mit weiteren Interessenten, neue Projekte sind zurzeit aber nicht geplant.

Wolff erinnerte daran, dass der große Zustrom von Flüchtlingen zwar abgerissen sei, dass zurzeit aber immer noch 700 geflüchtete Menschen in Unterkünften des Landkreises darauf warteten, eine günstige Wohnung zu finden. Zugleich lobte Wolff aber auch die Bemühungen der Kommunen, Wohnraum zu schaffen. So habe man im Kreis im vergangenen Jahr nur Wohnungen für 650 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung finden können, in diesem Jahr seien es – auch Dank des Einsatzes vieler Ehrenamtlicher – 1000 Menschen gewesen, die eine neue Bleibe gefunden hätten. Hinzu kommt, dass das Filstalhaus – wenn es eines Tages nicht mehr für Flüchtlinge genutzt wird – auch dazu dienen soll, sozial schwachen Familien einen günstigen Wohnraum anzubieten.