Wäschenbeuren feiert Ortsdurchfahrt für die Seele

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Wäschenbeuren feiert dem Umbau seiner Ortsdurchfahrt mit einem Hock und einer Vollsperrung der Bundesstraße 297. Die Straße ist enger, aber schöner geworden.

Autofahrer sollen sich an der hübscheren Fahrt durch den Ort erfreuen. Foto: Horst Rudel
Autofahrer sollen sich an der hübscheren Fahrt durch den Ort erfreuen. Foto: Horst Rudel

Wäschenbeuren - Erst wird eine Umgehungsstraße gebaut und anschließend die Ortsdurchfahrt aufgehübscht. So machen das die meisten Orte. Oft ist der vom Verkehr abgehängte Einzelhandel dann aber längst den Bach herunter. In Wäschenbeuren haben der Bürgermeister Karl Vesenmaier und sein Gemeinderat nun genau die umgekehrte Strategie verfolgt. Dort wurde die viel befahrene Bundesstraße 297, die auf ihrem Weg zwischen Göppingen und Lorch den Ort durchquert, in den vergangenen zwölf Monaten komplett umgestaltet: Die Straße wurde neu geteert, aber auch verschmälert, Beete wurden angelegt und mehr als 60 Bäume gepflanzt. Insgesamt entstanden entlang der 1,3 Kilometer langen Strecke zusätzliche Grünflächen von 1200 Quadratmetern. Am Sonntag wird der Abschluss der mehr als zwei Millionen Euro teuren Arbeiten – die Hälfte zahlen Bund und Land – mit einem Fest gefeiert. „Dann gehört die Bundesstraße für ein paar Stunden noch einmal uns“, sagt Karl Vesenmaier.

An eine Umfahrung denkt momentan keiner mehr

Dass von Montag an täglich wieder 13 000 Autos – darunter 1200 Lastzüge – durch den Ort brausen, findet Vesenmaier gar nicht so schlimm. Der Bau einer Umfahrung steht längst nicht mehr auf der Agenda des Bürgermeisters, der in diesem Jahr die Wiederwahl in seine fünfte und letzte Amtszeit anstrebt. Eine solche vier Kilometer lange Trasse würde „ein kompaktes Landschaftsteil von der Gemeinde trennen“, sagt Vesenmaier. „Da muss man abwägen.“ Sein Gemeinderat sieht es ganz ähnlich. Zwar sei eine Umfahrung nicht endgültig vom Tisch, sagt Peter Baudisch (CDU), der auch stellvertretender Vorsitzender des Gewerbevereins ist. „Ich werde den Bau aber bestimmt nicht mehr erleben“, schätzt der 49-Jährige.

Das vergangene Jahr war anstrengend: für die Pendler, die oft vor einer Baustellenampel warten mussten; für die Bauarbeiter, die nicht immer auf Verständnis bei den Autofahrern trafen; für die Geschäftsleute, die mit Umsatzeinbußen zurecht kommen mussten. Der örtliche Metzger sperrte seinen Laden sogar ganz zu, als an einem Samstag für die Belagsarbeiten der Verkehr komplett umgeleitet wurde. Doch Vesenmaier ist überzeugt, dass sich die Entbehrungen gelohnt haben. „Die Lastwagen fahren respektvoller durch den Ort.“ Das heißt, sie fahren vor allem langsamer.

Enger, aber schöner

Beschwerden habe es von dieser Seite übrigens bisher nicht gegeben, obwohl es künftig mehr Konzentration erfordert, die um 1,50 auf sieben Meter verschmälerte Straße zu befahren. „Für die Lastwagenfahrer ist es doch auch schöner, wenn sie nicht nur an kaltem Beton vorbeifahren“, sagt Vesenmaier. Wäschenbeuren biete ihnen künftig auch etwas „für die Seele“. Wenn das mal nicht noch mehr Verkehr anlockt.




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