Waffenhersteller aus Oberndorf Heckler & Koch baut das US-Geschäft aus

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Der Hersteller von Handfeuerwaffen aus dem Schwarzwald sucht 50 Ingenieure, um die Forschung und Entwicklung in den nächsten Jahren deutlich auszubauen.

Bis zu 50 000  Gewehre kann Heckler & Koch  am Stammsitz in Oberndorf  pro Jahr herstellen. Foto: dpa
Bis zu 50 000 Gewehre kann Heckler & Koch am Stammsitz in Oberndorf pro Jahr herstellen. Foto: dpa

Oberndorf - Heckler & Koch, nach eigenen Angaben weltweit führender Hersteller von Handfeuerwaffen, will in den nächsten Jahren das Geschäft in den USA deutlich ausbauen. Potenzial sieht der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Heeschen sowohl im Geschäft mit den Behörden als auch im „zivilen Bereich“. Zu Letzterem zählt der Hersteller Handfeuerwaffen, die über Waffengeschäfte verkauft werden. Dort, so sagte Heeschen bei einem Pressegespräch am Firmensitz in Oberndorf, kaufen aber nicht nur Privatleute ein, sondern auch Polizisten von kleinen lokalen Dienststellen. Die Nachfrage in den USA scheint gigantisch. „Wir könnten nur mit der Nachfrage aus dem US-Zivilmarkt den Umsatz verdoppeln“, so Heeschen, der vor wenigen Wochen bei dem Unternehmen den Chefposten übernommen hat.

Vor allem wegen des weit gehenden Waffenexportstopps ist der Umsatz des Unternehmens eingebrochen. Rund 150 Millionen Euro setzte Heckler & Koch im vergangenen Jahr um, 2013 waren es noch 235 Millionen Euro. Den überwiegenden Teil des Umsatzes erzielt Heckler & Koch im Ausland. Nur rund acht Prozent werden mit der Bundeswehr getätigt. Im Mittleren Osten liegen nach seinen Angaben gegenwärtig Aufträge im Umfang von 50 Millionen Euro auf Eis. Komplett ausgleichen könne man „die Umsatzdelle“ (Heeschen) 2015 noch nicht. Probleme wegen möglicher Exportbeschränkungen erwartet er für seine US-Pläne nicht. „Den US-Markt sehen wir als nicht kritisch“, sagt er. Pistolen aus Oberndorf würden bei Ausfuhren nicht so restriktiv behandelt wie Sturmgewehre.

30 Prozent des Umsatzes kommt aus den USA

Das Risiko, dass Ausfuhren infolge des NSA-Skandals erschwert werden könnten, hält er für gering. Derzeit erwirtschaftet das Unternehmen 30 Prozent seines Umsatzes in den USA; wie hoch der Anteil künftig sein wird, sagte Heeschen nicht. Die US-Aufträge sollen nicht zuletzt die finanzielle Lage verbessern, denn Heckler & Koch ist hochverschuldet. Der nächste Zinstermin für eine Hochzinsanleihe über 295 Millionen Euro ist der 15. Mai. Heeschen, der sein Foto nicht in der Zeitung sehen will, hat den Mitarbeitern versichert, dass die Finanzierung des Unternehmens stehe.

750 Mitarbeiter beschäftigt die Waffenschmiede, knapp 700 davon am Stammsitz Oberndorf. 40 junge Menschen bildet das Unternehmen aus, bei 200 Bewerbungen pro Jahr. Den Umsatzeinbruch im vergangenen Jahr, so heißt es, habe das Unternehmen ohne Personalabbau und ohne Kurzarbeit bewältigt. Derzeit seien die Kapazitäten – auf den Anlagen in Oberndorf können 200 000 Pistolen oder 50 000 Gewehre pro Jahr hergestellt werden – ausgelastet. Die Fertigungstiefe liege bei 60 Prozent, sagte Martin Lemperle, in der Geschäftsführung zuständig für die Produktion.

Heckler & Koch hat offene Stellen, in der Produktion, aber vor allem in der Entwicklung. Der Grund liegt darin, dass das Unternehmen Forschung und Entwicklung (F&E) massiv ausbauen will – und dies ist neben dem Ausbau des US-Geschäfts eine weitere strategische Zielsetzung. Heeschen strebt eine Verdopplung innerhalb von fünf Jahren an; der Geschäftsführer: „Das gilt sowohl fürs Budget als auch für die Zahl der Entwickler.“ Derzeit sind 70 Beschäftigte in der F&E tätig. „Wenn wir weitere 50 finden, wäre das gut“, sagt Heeschen, der die Waffenschmiede 2002 gemeinsam mit Partnern für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag übernommen hat und seitdem gut 90 Millionen Euro in den Standort investiert hat. Erforscht werden neue Werkstoffe, um das Gewicht der Waffen zu reduzieren. Es geht aber auch um neue Handfeuerwaffen. „Wir sind an Technologien dran, die wir bisher nur aus dem Kino kennen.“ Damit spielt Heeschen auf die „Iron Man“-Serie an, wo Robert Downey jr. als Iron Man futuristische Waffensysteme nutzt. Der Firmenchef betont, dass das Unternehmen keine Entwicklungsgelder für konkrete Projekte nehme. „Wir wollen unabhängig bleiben“, sagt er. Die Aufwendungen werden freilich auf verkaufte Waffen umgelegt.

Heeschen: „Mir macht es richtig Spaß“

Obwohl es in der Vergangenheit Gerüchte über einen möglichen Verkauf gab – Heeschen spricht gar von einer „Rufschädigungskampagne“ – hegt der Investor derzeit wohl keine Verkaufsabsichten. „Ob Sie es glauben oder nicht, mir macht es derzeit richtig Spaß“, sagt er. „Ich bin gekommen, um aufzuräumen.“ Denn nicht nur das angeblich nicht treffsichere Sturmgewehr G36 bringt das Unternehmen in die Schlagzeilen, sondern auch fragwürdige Waffengeschäfte mit Mexiko und Libyen. 2011 hat es eine Razzia am Firmensitz und in Privaträumen der Chefs gegeben. Die Ermittlungen laufen, ein Urteil gibt es bislang nicht, so Heeschen.

In der Auseinandersetzung mit dem Bundesverteidigungsministerium wegen des G36, von dem Heckler & Koch insgesamt 178 000 Stück an die Bundeswehr geliefert hat, sieht er dagegen einen Lichtblick. Im Vorwort des Abschlussberichts des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr steht: „Das G36 ist . . . nach wie vor eine zuverlässig funktions- und betriebssichere Waffe. Eine Gefährdung für den Schützen . . . besteht bei Einsatz der Waffe weiterhin zu keiner Zeit.“ Heeschen erkennt in diesem Satz eine „Wende in der Denke hin zu mehr Sachlichkeit“. Die Tests, die vor Wochen angebliche Probleme mit dem G36 öffentlich gemacht haben, will Heeschen aber nicht anerkennen. Er fordert eine Untersuchung von einer Organisation, die von der Bundeswehr unabhängig ist.