Nach einem Jahr Pause hat in den Wagenhallen das Kunstkaufhaus wieder zum vorweihnachtlichen Shoppen die Tore geöffnet. Und auch am Sonntag gibt es noch Gelegenheit für einen Besuch.

Stuttgart - „Ich bin zum ersten Mal da, eigentlich gekommen, um bei den Schmucken Gefährten was abzuholen – und habe die Messe entdeckt.“ Begeistert steuert die Stuttgarterin den Schmuckstand von Oliver Maisch und Moni Ramoni an, der stimmungsvoll von deren „Leuchtplaneten“ eingerahmt ist. „Toll, besondere Sachen hier“, sagt die Frau im Weitergehen.

Sie meint das Kunstkaufhaus in den Wagenhallen, das traditionell in der Vorweihnachtszeit stattfindet. Nach einer Coronapause 2020 kann man nun wieder ein Wochenende lang shoppen. „Hohe Decken, optimale Lüftung sowie 2G plus für alle Erwachsenen und Jugendlichen über 12 Jahre“, erläutert Stefan Mellmann, der mit Thorsten Gutbrod und Julius Probst die Geschäfte der Wagenhallen führt, das Hygienekonzept.

Corona-Schnelltest-Stationen am Einlass

750 Menschen dürfen gleichzeitig auf dem Gelände sein, am Einlass wird gezählt. Dort befinden sich auch Corona-Schnelltest-Stationen. „Supergemacht, wir fühlen uns sicher“, kommentiert ein Paar aus dem Remstal. „Auch wie das mit dem Essen gelöst ist.“ So versorgen auf der überdachten und beheizten Fläche im Freien das Küchen- und Barteam der Wagenhallen mit Grillgut, Punsch und Glühwein, während sich drinnen 85 Ausstellende, Kreative, Kunstschaffende, Designerinnen und Designer auf mehr als 2000 Quadratmetern ihre Waren präsentieren.

Deren Bandbreite ist groß. Sie reicht von Jacken, Shirts, Mützen, Schals, Taschen und Schmuck über Schalen, Kissen, Hocker, Decken, Schneidebretter, Uhren bis zu individueller Wanddeko aus Holz, Papeterie, Seifen und allerlei Leckereien. Ein Mitfünfziger schwärmt, dass er am Stand des Zentrums für Menschen mit Behinderung BHZ neben Holzengelsfiguren auch fairen Kaffee gekauft habe, dann bei „Luca und Elena“ feines Knoblauchsalz und Olivenöl aus Italien. „Nun geht’s zum Gin Eugen von Schmids, diversen Württemberger Tropfen beim Kern sowie zum Bourbon der Horse Spirit Company – Whiskey aus einer Stuttgart-Schwarzwald-Connection, das ist doch mal was!“

Jung und Alt werden fündig

Eine junge Mutter bugsiert derweil ihren Kleinen Richtung Luanimals, wo sich Giraffen, Krebse, Affen und andere Tiere mit Kinder-Shirts und Bodys eine Liaison eingehen. „Yannis will den Dinosaurier!“, sagt sie. Eine der „schlicht-schönen, robusten Packesel-Taschen“ habe sie sich selbst gegönnt, bei den Keramikkünstlerinnen Marie Ballhause und Alexandra Engelfried Weihnachtsgeschenke erstanden; bei ersterer eine puristische Vase, bei letzterer einen Stockvogel „mit Geschichte“. Engelfried alias Alexitäten gibt ihren fröhlichen Keramiken Namen inklusive Erzählungen. „Sie haben Charakter: Sepp Seeschlange gibt gern etwas her, wenn er auch etwas bekommt“, beschreibt sie eine Schale, auf deren Rand die Schorndorferin ein Reptil getöpfert hat.

Aus alten Platten, Weinflaschen und Kork gestaltet Markus Schäfer in seinem „Wandelwerk“ Schalen, Postkarten, Lampen und Vorratsbehältnisse. Aus betagten Sakkos, Luftmatratzen, Leder und mehr fertigt Thomas Heer seine „Fawwi-Taschen“. Im Atelier für Upcycling von Elke Pikkemaat werden wiederum Ex-Lederhandschuhe zu Geldbörsen, eine Wollmütze zum Spielzeug, ein Herrenanzug zum Rock. Wiederverwerten, Naturmaterialien und alte Techniken sind im Kunstkaufhaus Trumpf – die Knüpfkunst Makramee für Schmuck und Deko feiert fröhlich Urständ, Kork ist längst Stoff für Taschen, Etuis und anderes.

Manche sind zum ersten Mal dabei

Manche entdeckten ihre Kreativität im Corona-Lockdown, wie Tanja Schustereit, die mit Alkoholtinte und Föhn abstrakte Farbwolken mit geometrischen Designs auf Papier bannt. Sie ist zum ersten Mal in den Wagenhallen dabei – und begeistert von der Location wie viele andere Ausstellende. „Etwa 40 Prozent unserer Teilnehmenden sind neu dabei“, sagt Daniela Illenberger, die das Kunstkaufhaus kuratierte. „Einige der früheren Aussteller gehen nun anderen Berufen nach – wegen der Coronapandemie.“ Auch in den Wagenhallen habe man lang nicht gewusst, ob alles klappe. „In dieser Unsicherheit müssen Ausstellende in Vorleistung gehen, produzieren, herfahren – eine Kraftanstrengung!“ Umso glücklicher sei sie nun, man Menschen und Manufakturen zeigen könne, die Dinge mit Leidenschaft machten. Die Zusammenarbeit sei toll. „Alle posteten Stories auf Instagram zum Event, mobilisierten ihre Follower.“

Auch das Rahmenprogramm kommt sichtlich an, etwa die Sounds des All Stars DJ Team um Urgestein DJ Turnbeutelvergesser oder Moni Ramoni, die im Freien auf ihrem Saxofon groovt. Kontemplativer, gleichwohl angetan, geht es im „Kleinen Raum“ zu. Dort präsentieren die Galeristen Katrin und Marko Schacher ihr Programm. Mitten drin: Performancekünstler und Bildhauer Thomas Putze. „Wir docken damit an unsere Sommeraktion mit den Wagenhallen an“, so Marko Schacher. „An 18 Meter Kunst“.

Das Kunstkaufhaus hat am Sonntag, 19. Dezember, von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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