Wahl 2019 Die Clubszene sucht Frieden

Yusuf Oksaz steht in seinem Lokal Mrs. Jones an der Espressomaschine. Sein Club Dilalyla an der Eberhardstraße sei auf eine liberale Sperrzeitregelung angewiesen, sagt er. Foto: Jürgen Brand

Die Clubszene rund um die Eberhardstraße sah sich im vergangenen Jahr in ihrer Existenz gefährdet. Die Stadt verweigerte die Sperrzeitverkürzung. Der Yusuf Oksaz hofft auf eine Ende der Konfrontation.

S-Mitte - Yusuf Oksaz nimmt den letzten Schluck aus der Dose. Er stellt den leeren Energydrink in seinem Büro an der Geißstraße in einem Getränkekasten ab. Alles muss seine Ordnung haben, und so sollte es seiner Meinung nach auch im Stuttgarter Nachtleben zugehen. „Wir brauchen einen Kompromiss zwischen Anwohnern und Gastronomen“, sagt der Clubbetreiber. Der könnte etwa so aussehen: Die Clubs halten sich an die Regeln, die von der Stadt zum Schutz der Anwohner vor Lärm getroffen werden. Die Richtlinien nehmen dabei aber zur Kenntnis, dass ein Innenstadtbezirk keine Ruheoase ist.

 

Oksaz berichtet, dass ein Runder Tisch zwischen Anwohnern, Gastronomen und Verwaltung erst einmal eine genaue Erfassung des Phänomens beschlossen hat. Der Betreiber unter anderem des Clubs Dilayla an der Eberhardstraße lobt die Stadt für ihre Bemühungen bei der Suche nach einer Lösung im Lärmstreit. „Die Verwaltung will die gastronomischen Betriebe in der Innenstadt erhalten.“ Die Gemeinderatsfraktionen versprechen in ihren Programmen für die Kommunalwahl sogar einen eigenen Nachtbürgermeister für Stuttgart. Er soll in Zukunft zwischen Anwohnern und der Clubszene vermitteln.

Die Angst ging um unter den Betreibern

Es war ein Besuch bei der Gaststättenbehörde, der nicht nur den Wirt im August 2018 um seine Zukunft bangen ließ. „Ich gehe wie jedes Jahr aufs Amt wegen der Sperrzeitverkürzung und stehe dann vor vollendeten Tatsachen.“ Die Gaststättenbehörde verweigerte die Regelung, die es dem Dilayla, dem White Noise oder der Bar Romantica an der Hauptstätter Straße gestattete, in der Sperrstunde zwischen fünf und sechs Uhr Gäste zu bewirten. Für die Clubs hätte das massive Umsatzeinbußen bedeutet, sagt Oksaz. Die Clubs sahen sich im Herbst in einer existenziellen Krise. Die Betreiber ergriffen die Initiative, um auf die Anwohner zuzugehen. Sie gründeten den Verbund „Nach(t)barschaft“ und legten sich selbst Regeln auf. Eine Gesprächsrunde wurde ins Leben gerufen, in der Nachbarn Sorgen äußern können.

Yusuf Oksaz beschreibt den Dialog als schwierig, aber alternativlos. Er erhofft sich eine Verbesserung der Lärmbelastung rund um die Eberhardstraße durch die geplante Verlegung des Taxistands an die Eberhardstraße. Die Gäste würden künftig an der Hauptstätter Straße auf ein Taxi warten und nicht mehr direkt vor der Haustür der Anwohner. Er hofft, dass weniger Lärm auch zu weniger Konfrontation führt. Denn Stuttgart verfüge über eine einmalige Clubkultur in Süddeutschland, die nicht in Gefahr geraten sollte. „Wir sind da München kilometerweit voraus“, sagt Oksaz.

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