Wahl Ein Theologe wird Regionaldirektor
Mit großer Mehrheit hat die Regionalversammlung den 51-jährigen Alexander Lahl zum Nachfolger von Nicola Schelling gewählt. Für die Amtsinhaberin war es ein bitterer Nachmittag.
Mit großer Mehrheit hat die Regionalversammlung den 51-jährigen Alexander Lahl zum Nachfolger von Nicola Schelling gewählt. Für die Amtsinhaberin war es ein bitterer Nachmittag.
Stuttgart - Die Entscheidung ist erst im zweiten Wahlgang gefallen. Lag im ersten Wahlgang noch Andreas Junt, der die Stabsstelle Kommunalaufsicht und Rechnungsprüfung beim Landratsamt Freudenstadt leitet, mit einer Stimme in Führung – verpasste dabei aber die absolute Mehrheit -, so konnte schließlich Alexander Lahl sich freuen: Mit 43 zu 39 Stimmen im zweiten Wahlgang hat die Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart (VRS) am Mittwochnachmittag Alexander Lahl zum neuen Regionaldirektor gewählt. Der Theologe ist seit 2015 Geschäftsführer der Pflegeunternehmen der Stiftung Liebenau und des Pflegeunternehmens der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist in Meckenbeuren.
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Platz drei mit acht Stimmen im ersten Wahlgang belegte Christine Rex. Die 40-jährige Juristin ist Leiterin des regionalen Sonderstabs für gefährliche Ausländer beim Regierungspräsidium Stuttgart und FDP-Mitglied. Lediglich drei Regionalräte gaben der noch amtierenden Regionaldirektorin Nicola Schelling ihre Stimme. Sie wird den Verband Region Stuttgart nun Ende März 2022 nach acht Jahren verlassen.
Alexander Lahl zeigte sich überglücklich nach der Wahl. Für ihn sei es eine schöne Vorstellung, nun als Regionaldirektor für die Region arbeiten zu können. Er freue sich sehr auf die neue Aufgabe. Wirkliches Neuland betritt der 51-Jährige mit dem Wechsel von Oberschwaben in die Landeshauptstadt nicht: Vor seiner Tätigkeit bei der Stiftung Liebenau war der gebürtige Oberschwabe von 2009 bis 2015 Geschäftsführer des katholischen Stadtdekanats in Stuttgart. Auch aus dieser Zeit bringe er ein breites Spektrum an Leitungserfahrung im Sozialbereich mit, sagt Lahl. Neben seiner Geschäftsführertätigkeit engagierte er sich für verschiedene Stiftungen und in mehreren Aufsichtsräten in der Diözese.
Aber auch sonst ist er in der Region Stuttgart verwurzelt: Trotz des Wechsels nach Oberschwaben haben Alexander Lahl, seine Frau und ihre Töchter in den vergangenen Jahren ihren Hauptwohnsitz in Nürtingen (Kreis Esslingen) behalten. Alexander Lahl ist unter der Woche in Richtung Ravensburg gependelt. „Ich habe immer mit großem Interesse die Entwicklungen hier in unserer Region verfolgt“, berichtet er.
Gefragt worden sei er nicht, ob er kandidieren wolle, sagt er. Vielmehr habe er sich aus freien Stücken entschieden, seinen Hut in den Ring zu werden. „Natürlich werde ich – und das auch vollkommen zu Recht – gefragt, warum ein Theologe Regionaldirektor werden möchte“, sagt Lahl und lacht. Aber schon früher in Stuttgart und nun auch in seiner Position in der Stiftung Liebenau habe er zusammen mit Landkreisen und Kommunen viele gemeinsame Projekte verwirklicht und dabei auch tiefe Einblicke in die Mechanismen der kommunalpolitischen Zusammenarbeit gewonnen. „Das hat mir wirklich extrem Spaß gemacht“, sagt Lahl.
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Als Regionaldirektor, also an der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung, könne er nun diese in den bisherigen Tätigkeiten gesammelten Praxis-Erfahrungen einbringen. Er wolle damit seinen Beitrag dazu leisten, dass die Region aus den laufenden Transformationsprozessen - sei es die Mobilitätswende, seien es die industrielle Entwicklung oder die weitere Entwicklung Künstlicher Intelligenz - erfolgreich hervorgehe. Lahl: „Ich denke, dass da der Blick von außen manchmal ganz hilfreich sein kann.“
Wichtig sei es, die Menschen, die sich mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen müssten, mitzunehmen und sie von der Sinnhaftigkeit der Entwicklungsprozesse zu überzeugen. Ganz wichtig sei ihm aber auch ein pfleglicher Umgang mit den Mitarbeitern: „Die Atmosphäre muss stimmen“, lautet sein Credo: „Ich setze auf gegenseitiges Vertrauen, wir alle müssen uns als Mannschaft verstehen.“ Das schließe kontroverse Diskussionen nicht aus: „Ich setze auf große Offenheit. Diskussionen müssen möglich sein, nein, sie sind notwendig, denn aus solchen Diskussionen entwickeln sich neue Perspektiven – und das ist ganz wichtig.“
Das Aufgabenfeld des Regionaldirektors umfasst die Regional- und Verkehrsplanung, die Wirtschaftsförderung und das Tourismusmarketing. Der VRS ist der Träger der S-Bahn sowie Mitgesellschafter und Mitinitiator regionaler Initiativen wie der Kulturregion, der Sportregion, der Gigabitregion und der Internationalen Bauausstellung Stuttgart IBA ´27. Zudem gibt es ein Büro in Brüssel.