Wahl in Ebersbach Faustdicke Überraschung

Eberhard Keller (SPD) hat das knappe Rennen um den Ebersbacher Chefposten für sich entscheiden können. Foto: privat
Eberhard Keller (SPD) hat das knappe Rennen um den Ebersbacher Chefposten für sich entscheiden können. Foto: privat

Welche Rolle hat das Parteibuch der Bewerber gespielt, und warum verlangt die CDU vom Gewinner eine Erklärung ? – Nach der Bürgermeisterwahl wird in der Stadt heftig debattiert.

Region: Corinna Meinke (com)
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Ebersbach - Nach dem knappen Rennen um den Chefposten im Ebersbacher Rathaus und einer Differenz von lediglich 180 Stimmen gibt es unterschiedliche Reaktionen auf den Sieg von Eberhard Keller. Der Stuttgarter erhielt in der zweiten Runde der Bürgermeisterwahl 51,6 Prozent der Stimmen.

Umschwung in der Stichwahl

Von einer faustdicken Überraschung sprach so mancher Wahlbeobachter, als sich der Geschichts- und Sozialwissenschaftler gleich zu Beginn der Auszählung vor seinem Mitbewerber Oliver Knur aus Ebersbach-Weiler (48 Prozent) platzierte. Überraschend deshalb, weil das Kräftemessen zwischen den beiden im ersten Wahlgang vor zwei Wochen noch umgekehrt ausgegangen war. Damals verteilten sich die Stimmen aber noch auf vier Bewerber. Da keiner die absolute Mehrheit knackte, kam es zum Stechen. Noch am Wahlabend erklärte Keller, er wolle mit dem CDU-Gemeinderat Knur genauso vertrauensvoll zusammenarbeiten wie mit Sacha Auwärter, der ein Mandat der Freien Wähler hat und nach einem enttäuschenden vierten Platz im ersten Wahlgang seine Kandidatur genauso zurückgezogen hatte wie der ehemalige Südradmanager Roland Schmelzle.

Dass es für Oliver Knur, den alerten Ortsvorsteher aus Ebersbach-Weiler, eng werden könnte, befürchtete sein Fraktionskollege Gerhard Mayer am Sonntag nach dem dritten Teilortergebnis. Die 46,9 Prozent aus Krapfenreut seien einigermaßen enttäuschend, befand Mayer, der Krapfenreut sonst eigentlich als CDU-freundlich einschätzt. Aufschlussreich ist auch ein Blick auf weitere Teilortergebnisse. Dabei ist es nicht wirklich überraschend, dass Knur in seinem Wohnort Weiler feste abgesahnt hat. Hier engagiert er sich als Ortsvorsteher und ist in mehreren Vereinen aktiv. Die dort erreichten 68,4 Prozent sind das beste Teilergebnis der Abstimmung.

Als SPD-Hochburg hat sich diesmal der Stadtteil Ebersbach-Roßwälden entpuppt, wo der Genosse Keller immerhin 59,2 Prozent einfuhr. Man erzählt sich, dass hier von SPD-nahen Kreisen mächtig mobilisiert worden sei.

Welche Rolle spielt das Parteibuch?

Über die Rolle der Parteizugehörigkeit für diese Wahl wird in Ebersbach noch gestritten. Immerhin hatte die CDU im Stadtblatt eine Wahlempfehlung für Knur veröffentlicht. Am Wahlabend verneinte der aus Salach angereiste SPD-Landtagsabgeordnete Peter Hofelich die Bedeutung des jeweiligen Parteibuchs – es handle sich schließlich um eine Persönlichkeitswahl. Aber nach der Wahl von Julian Stipp (SPD) vor einem Jahr in Salach können die Genossen nun ein weiteres Häkchen auf ihrer kreisweiten Bürgermeisterliste machen.

Und während die CDU-Kreisvorsitzende Nicole Razavi, samt den Parteifreunden der Gemeinderatsfraktion, am Sonntag eher mit betretener Miene aufwartete, stand Hofelich die Freude über Kellers Abschneiden regelrecht ins Gesicht geschrieben. Auch einen Tag nach der Wahl mochte die meinungsstarke CDU-Fraktionssprecherin Brigitte Kreisinger das Ergebnis lediglich zur Kenntnis nehmen und nicht kommentieren. Sie kündigte allerdings an, als Gemeinderätin die Arbeit Kellers sorgfältig zu begleiten und auch weiterhin kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Brigitte Kreisinger verlangt eine Erklärung

Verärgert zeigte sich Kreisinger von Kellers Bemerkung, welche die Lokalzeitung im Wahlkampf abgedruckt hatte: Er spüre, Ebersbach wünsche sich einen Bürgermeister, der von außen komme, auch wenn er das Wort Filz nicht in den Mund nehmen wolle. Das sei erklärungsbedürftig.

Angenehm überrascht von Kellers Abschneiden zeigte sich Ingrid Scherr, die SPD-Fraktionssprecherin. Sie habe nicht vermutet, dass der 44-Jährige im zweiten Wahlgang so viel aufholen würde. Der Wunsch nach frischem Wind im Rathaus habe wohl den Ausschlag gegeben. Aber auch mit Oliver Knur als Bürgermeister hätte sie gut leben können.




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