Wahl in Hemmingen Ein Bürgermeister ohne Gegenkandidat – und trotzdem voller Leidenschaft

Chefsessel in prachtvoller Umgebung: Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) hat sein Büro im Varnbülerschen Schloss. Dort ist das Rathaus untergebracht. Foto: Simon Granville

Das Amt des Bürgermeisters ist kein Zuckerschlecken, stellt der Hemminger Rathauschef Thomas Schäfer fest – und will den Job dennoch unbedingt weiter ausüben. Warum?

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Auf Wahlplakaten den Bürgern entgegenlächeln? Thomas Schäfer winkt ab. Das sei nicht sein Stil. Schon in seinem ersten Wahlkampf in Hemmingen vor gut 15 Jahren habe er auf diese Art der Eigenwerbung verzichtet. Lieber zeigt sich der Bürgermeister in einem Faltblatt von seiner strahlenden Seite, das die Haushalte bekommen. Und vor allem im persönlichen Gespräch will er überzeugen. „Meine Tür im Rathaus steht immer auf“, sagt der 43-Jährige. Auch außerhalb des prachtvollen Varnbülerschen Schlosses sei er meist greifbar.

 

Ihn, den gebürtigen Leonberger, den leidenschaftlichen Posaunenspieler, Radler und Fußballfan, den Christdemokraten, kennt man im Ort bestens. Thomas Schäfer lenkt seit dem Jahr 2010 die Geschicke der Gemeinde Hemmingen, wo er mit Frau und Kind ein Zuhause gefunden hat. Jetzt strebt er eine dritte Amtszeit als Bürgermeister an. Seine Chancen stehen ausgezeichnet: Bei der Wahl am Sonntag, 14. Dezember, ist Schäfer der einzige Kandidat. Wie er, der auf eine Wahlbeteiligung von „30 Prozent plus x“ hofft, das findet? Freilich, für die Demokratie und den „Wettstreit der besten Ideen“ sei das nicht gut.

„Ich muss keinen Blumentopf mehr gewinnen“, sagt der Bürgermeister

Doch das Amt sei nun mal „kein Zuckerschlecken“ mehr. „Weil die Rahmenbedingungen so sind, wie sie sind, will sich das keiner antun“, meint Thomas Schäfer: Kommunen, das letzte Glied der Kette, müssten ein Stück weit ausbaden, was auf überörtlicher Ebene entschieden werde. Der finanzielle Ausgleich für die Kosten für die „von oben“ übertragenen Aufgaben falle allenfalls mager aus. „Die Kommunen müssen schauen, wie sie das bewerkstelligen.“

Darüber hinaus lebe man in einer Zeit, in der das Gemeinwohl in den Hintergrund trete, Individualinteressen obsiegten und man als Bürgermeister mitunter wüster Kritik ausgesetzt sei. Ganz zu schweigen von der Bürokratie. Schäfers Ansicht nach profitieren die Bürgerinnen und Bürger von einem gestandenen, erfahrenen Amtsinhaber wie ihm: „Ich kann etwas losgelöster von allem reagieren, wie es jetzt notwendig ist. Ich muss keinen Blumentopf mehr gewinnen, sondern kann nach bestem Wissen und Gewissen mit dem Gemeinderat agieren, wie es für die Kommune richtig und wichtig ist.“ Hier hat Schäfer gerade besonders die finanzielle Schieflage im Blick: Die Kasse ist leer, Hemmingen kämpft – und hat bis zunächst März eine Haushaltssperre verhängt.

Hemmingens Rathaus befindet sich seit 40 Jahren im Schloss. Auf der gelben Fahne steht der Slogan der Gemeinde: „Hemmingen hat Energie“. Foto: Simon Granville

Vor diesem Hintergrund will Thomas Schäfer bei der Kandidatenvorstellung Klartext reden. Sie soll weder ein großer Rückblick werden noch ein Schulterklopfen. „Ich werde auf das einschwören, was kommt. Leider muss ich in den nächsten Jahren vieles eindampfen und ein Stück weit zurückdrehen, was wir aufgebaut haben.“

Krisen, klamme Kassen und sonstige Komplikationen: Bleibt die Frage, warum Thomas Schäfer Bürgermeister bleiben will. Er habe zwischendrin durchaus hinterfragt, gehadert, sagt er. Doch unter dem Strich sehe er sich in einer „Verantwortung, vor der ich mich nicht drücken möchte“. Ungeachtet dessen wollte der 43-Jährige bereits als Schüler Bürgermeister werden. „Das stand schon in der Abizeitung.“

Der Gestaltungswille treibt den Bürgermeister von Hemmingen an

„Ich finde es spannend, dass man an allen Lebenswirklichkeiten der Bürger beteiligt ist“, sagt Schäfer. Die Redewendung „Von der Wiege bis zur Bahre“ deute er positiv: „Genau das macht es aus. Wir begleiten die Menschen von Geburt an – wenn sie im Standesamt registriert werden – gefolgt von Kinderbetreuung, Schule, Wirtschaftsförderung und Wohnen bis zum letzten Lebensabschnitt und Tod.“

Thomas Schäfer erzählt auch von seinem Gestaltungswillen, dem Drang, im Ort etwas zu bewegen, Dinge umzusetzen, von denen er meint, das sie zur Gemeinde passen. Wenngleich das nicht mehr so einfach sei wie früher wegen all der Zwänge, der überbordenden Regulatorik, der Gesetzgebung, der „Gutachteritis“.

Eine Kommune ist nie fertig, sagt der 43-Jährige. Er wolle auch die Projekte, die er angestoßen habe, weiter begleiten. Wie die Umgestaltung des Bahnhofsareals, einer vier Hektar großen Fläche. So etwas hätten nicht viele Kommunen. Insgesamt gehe es nun in erster Linie um die Ortsentwicklung, die Entwicklung des Baugebiets Schöckinger Weg, die Entwicklung des Gewerbegebiets in Schwieberdingen – weniger um Investitionen in Hochbauprojekte. „Davon haben wir nicht mehr viele in der Pipeline.“

Der Bürgermeister von Hemmingen ist auch Banker und Journalist

Als Schüler interessierten Thomas Schäfer, vom Elternhaus konservativ geprägt, Gesellschafts- und Geisteswissenschaften. Als Leistungskurs wählte er Gemeinschaftskunde. Nach dem Abitur 2001 am Ditzinger Gymnasium wurde er Mitglied der Jungen Union. Er wollte in den gehobenen – nichttechnischen – Verwaltungsdienst. An der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl am Rhein machte er 2006 den Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt. Bis zum Jahr 2010 arbeitete Thomas Schäfer bei der Stadt Asperg, erst als stellvertretender Hauptamtsleiter, später leitete er das Haupt- und Ordnungsamt. In Ditzingen-Heimerdingen, da ist er aufgewachsen, saß Thomas Schäfer im Ortschaftsrat.

Thomas Schäfer: „Die Kunst ist es, Nein zu sagen“

Er lacht, als er sich daran erinnert, was er zwischendrin gedacht habe: In einer Bank zu arbeiten, könne auch interessant sein – oder als Journalist. Heute ist Schäfer der Aufsichtsratsvorsitzende der Volksbank Leonberg-Strohgäu und Chefredakteur des Amtsblatts. Unter anderem.

Das Bürgermeisteramt bringt weitere Ämter und Funktionen mit sich, die Zeit beanspruchen. Thomas Schäfer sitzt auch im Kreistag und in mehreren Verbänden. Er sagt, der Job lasse sich nicht einfach mit der Familie vereinbaren. Er ist viel unterwegs und wird auch in privaten Momenten von Bürgern angesprochen. Schäfer hat für seine „Gratwanderung“ einen Weg gefunden: „Die Kunst ist es, Nein zu sagen.“

Vorstellung mit Fußball

Termin
Thomas Schäfer stellt sich am Mittwoch, 3. Dezember, 20 Uhr, in der Gemeinschaftshalle den Fragen der Bürger. Zuvor wird dort das Pokalspiel des VfB Stuttgart beim VfL Bochum live übertragen. Der Einlass ist kostenlos und ab 17.30 Uhr möglich.

Wahl
Anderthalb Wochen später, am 14. Dezember, findet die Bürgermeisterwahl statt. Im Jahr 2017 wurde Thomas Schäfer mit rund 96 Prozent der abgegebenen Stimmen für weitere acht Jahre im Amt bestätigt. Er war 2010 Nachfolger von Werner Nafz geworden.

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