Wahl in Hildrizhausen Isabella Weinhardt: Kein Feierabend um 16 Uhr für Bürgermeisterin
Die 55-jährige Isabella Weinhardt bewirbt sich um den Chefsessel in Hildrizhausen. Der Amtsinhaber tritt nicht mehr an. Am Sonntag, 17. Mai, wird gewählt.
Die 55-jährige Isabella Weinhardt bewirbt sich um den Chefsessel in Hildrizhausen. Der Amtsinhaber tritt nicht mehr an. Am Sonntag, 17. Mai, wird gewählt.
Isabella Weinhardt hat in vielen Berufs- und Lebensbereichen Erfahrungen gesammelt, das wird im Gespräch schnell deutlich. Als selbstständige Unternehmerin, Angestellte in Verwaltungen und aktuell noch in der Kämmerei der Landeshauptstadt Stuttgart. Jetzt will sie bei der Wahl am Sonntag, 17. Mai, Bürgermeisterin von Hildrizhausen werden. Sollte sie gewinnen, wäre sie die erste Frau in dieser Position. Neben ihr tritt noch Jan Thoma als Kandidat an. Amtsinhaber Matthias Schöck (parteilos) möchte nach 24 Jahren nicht weitermachen.
Isabella Weinhardt ist Mutter zweier Teenager, und sie sieht sich als Macherin: „Ich habe schon immer verschiedene Themen an mich gerissen, wenn ich mich als kompetent erachte“, sagt sie. Ihre Chefs hätten sie darin immer bestärkt. Dennoch: Überstürztes Handeln sei nicht ihre Art. „Es geht darum, vorsichtig und nachhaltig zu denken, aber nicht verhalten zu sein“, so Weinhardt.
Beide Kandidaten, Isabella Weinhardt und ihr Kontrahent Jan Thoma, haben sich und ihre Themen bei einer Kandidatenvorstellung präsentiert. Während Letzterer im Ort aufgewachsen ist, stammt Weinhardt aus Stuttgart. Warum reizt sie die Schönbuchgemeinde trotzdem so, dass sie ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt dahin verlegen möchte?
„Hildrizhausen ist die Perle des Schönbuchs“, sagt sie. Natürlich habe jeder Ort seinen Charme, aber Hildrizhausen habe es ihr angetan. „Es ist in der Mitte und hat trotzdem einen gewissen Abstand zum Städtischen.“ Die Menschen seien sehr offen und modern. Sie nähmen neue Leute und Ideen auf, und trotzdem dauere es eine gewisse Zeit, bis – auch und gerade negative – Trends aus der weiten Welt dort ankämen. So gehe es beispielsweise den Firmen im Ort trotz Wirtschaftskrise noch vergleichsweise gut. Die Hausemer hätten seit dem Mittelalter gelernt, sich aufeinander zu verlassen, sagt Weinhardt. Und weiß dabei: „Bei einer Bürgermeisterwahl sieht man natürlich erst nachher, ob man sich auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin verlassen kann.“ Es gehöre ein gewisses Vertrauen zur Wahl.
Geboren und aufgewachsen ist Weinhardt im Stuttgarter Stadtbezirk Mühlhausen. Sie erkenne einige Parallelen zwischen ihrem Heimatort und Hildrizhausen, sagt sie. Beide Orte seien ähnlich strukturiert, sie lebten gleichermaßen vom Ehrenamt. Ein Punkt, sagt sie, der ihr viel bedeute. Durch ihre Kinder, 16 und 17 Jahre alt, ist Isabella Weinhardt seit Jahren selbst im Ehrenamt – besonders im Sportbereich – aktiv. Aktuell trainiere sie die F-Juniorinnen beim VfL Sindelfingen. Dabei interessiere sie sich besonders für den Aspekt des Kinder- und Jugendschutzes.
Die Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Hildrizhausen ist nicht Weinhardts erste Berührung mit der Politik. In den 1990er Jahren, mit Anfang 20, habe sie schon einmal eine politische Karriere angestrebt. Als die Bundesregierung im Begriff war, von Bonn nach Berlin umzuziehen, sei sie in der damaligen Regierungsstadt gewesen, um dort in die Politik einzusteigen. Unter den damaligen Bedingungen sei das allerdings nicht gelungen. Sie habe daraus gelernt: „Es muss egal sein, ob ein Mensch älter, jünger, männlich oder weiblich ist“, sagt sie. „Man muss das nicht zum Thema machen, es sollte einfach egal sein.“ Verschiedene Lebenswege und -erfahrungen stärkten die Person eher und verliehen ihr andere Perspektiven.
So habe sie eine verwaltungstechnische Ausbildung gemacht und sei dann zur Landesoberkasse in die Verwaltung gegangen, wo sie zehn Jahre lang tätig war. „Ich hab dann versucht, als Insider was zu bewirken. Ich habe mich da wirklich sehr wohl gefühlt und auch verschiedene Bereiche bearbeitet“, sagt sie.
Trotzdem, sagt sie, habe sie ihren damaligen Beamtenstatus niedergelegt und sich selbstständig gemacht. „Meine Eltern kamen aus dem selbstständigen Bereich. Das fand ich bemerkenswert und wollte auch in diesem Bereich meine Erfahrung ausbauen“, so Weinhardt. Sie habe damit ihren Blickwinkel ausbauen und an sich arbeiten wollen. In ihrem Fall beinhaltete die Selbstständigkeit die Eröffnung eines Kosmetikstudios in Böblingen. Hier habe sie unter anderem Einblicke in die Führung von Mitarbeitenden und die Digitalisierung von Unternehmen bekommen.
Nach der Geburt der beiden Kinder ging Isabella Weinhardt dann an die Uni. Dort habe sie im Rahmen einer Heilpraktikerausbildung sechs Semester Medizin studiert und auch ein Praktikum im Krankenhaus gemacht. Auch in einer Kindertagesstätte auf dem Flugfeld habe sie einige Zeit mitgeholfen. „Ich wollte sehen, wie die stillen Helden arbeiten und warum sie diese Arbeit machen“, sagt sie.
Das nötige Rüstzeug als Bürgermeisterin bringe sie durch ihre lange Tätigkeit in der Verwaltung sowie durch ihre Selbstständigkeit mit. „Wenn es klappt, wäre ich eine Bürgermeisterin, die keinen Feierabend um 16 Uhr braucht“, sagt sie. Anfangs, sagt sie, werde sie sich – im Fall eines Wahlsieges – erst einmal auf die Assistentin des jetzigen Bürgermeisters stützen. „Ich bräuchte mit Sicherheit ein Update“, sagt sie.
Termin
Die Bürgerinnen und Bürger von Hildrizhausen wählen am Sonntag, 17. Mai, ein neues Verwaltungsoberhaupt. Seit 2002 ist Matthias Schöck (parteilos) Bürgermeister. Nach drei Amtsperioden tritt er nicht mehr an.
Kandidaten
Auf den Bürgermeistersessel wollen Jan Thoma und Isabella Weinhardt. Er ist 32 Jahre alt und kommt aus Hildrizhausen. Sie ist 55 Jahre alt und kommt aus dem Stuttgarter Stadtbezirk Mühlhausen. Der Bürgermeisterposten hat eine Amtszeit von acht Jahren.