Oberbürgermeisterwahl in Kirchheim Pascal Bader nimmt das Rathaus im Sturm

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Die Wähler schicken mit einer Zustimmung von 70,9 Prozent für den Herausforderer Pascal Bader die Amtsinhaberin Angelika Matt-Heidecker in den Ruhestand.

Generationswechsel im Kirchheimer Rathaus: Angelika Matt-Heidecker gratuliert Pascal Bader zu dessen Wahlsieg. Foto: /Horst Rudel
Generationswechsel im Kirchheimer Rathaus: Angelika Matt-Heidecker gratuliert Pascal Bader zu dessen Wahlsieg. Foto: /Horst Rudel

Kirchheim - Der neue Oberbürgermeister von Kirchheim heißt Pascal Bader. Der parteilose Kandidat hat das Rathaus der Teckstadt im Sturm erobert. 70,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler schenkten dem Mann das Vertrauen, der seine Unterlagen erst eine halbe Stunde vor Ende der Bewerbungsfrist im Kirchheimer Rathaus abgegeben hatte.

Dreieinhalb Wochen haben dem 49 Jahre alten Referatsleiter im baden-württembergischen Umweltministerium gereicht, um die Amtsinhaberin, Angelika Matt-Heidecker (SPD), aus eben diesem Rathaus zu verdrängen. Lediglich 28,9 Prozent der Kirchheimer, die zur Wahl gegangen sind, haben sich vorstellen können, dass die Oberbürgermeisterin nach 16 Jahren im Chefsessel noch eine dritte Amtszeit in Angriff nehmen könnte. Die Wahlbeteiligung lag bei 40,1 Prozent, ein angesichts der wegweisenden Entscheidung eher magerer Wert.

Kommentar zur Wahl: Nicht nur Angela Matt-Heidecker wurde abgestraft

„Ergebnis spiegelt die Verdienste nicht wider.“

„Ich bin überwältigt“, so die erste Reaktion des Wahlsiegers, als der grüne Balken, der über seinem Namen auf dem an die Wand des Sitzungssaals geworfenen Diagramm in die Höhe wuchs – und dem roten Balken von Angelika Matt-Heidecker unaufholbar enteilt war. „Die Wähler haben klar gemacht, dass sie einen Wechsel wollen. Das Ergebnis ist für mich eine Verpflichtung, meine ganze Kraft in das Amt zu stecken“, sagte Bader. Im Augenblick des Triumphes machte er jedoch auch deutlich, dass sich die Verdienste, die seine Vorgängerin in den vergangenen 16 Jahren an der Spitze der Stadt erworben hat, in dem Ergebnis in keiner Weise widerspiegeln.

So sieht es auch die entthronte Oberbürgermeisterin. „Ich glaube, dass ich dem Wahlsieger eine bestens aufgestellte Stadt übergebe. Darauf bin ich stolz“, sagte sie am Wahlabend in dem Rathaus, in dem sie nur noch bis zur Amtsübergabe am 1. März das Sagen haben wird. Anspielend auf die dreieinhalb Wochen Turbowahlkampf ihres Nachfolgers machte sie allerdings auch deutlich, dass die Zeit, in der so offensichtlich Populismus angesagt sei, nicht mehr ihre Zeit sein könne.

Höchste Zustimmung in den Teilorten

Das vorläufige amtliche Wahlergebnis, das kurz vor 19 Uhr nach der Auszählung aller 39 Wahlbezirke feststand, hatte letztlich nur das fortgeschrieben, was schon kurz nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr über die Leinwand im Rathaus geflimmert war. 222:122 Stimmen für Pascal Bader, so lautete das Ergebnis des allerersten ausgezählten Wahllokales. An diesem Verhältnis sollte sich im Verlauf des Abends nicht mehr viel ändern. Als Pascal Bader um 18.23 Uhr, begleitet von seiner Frau und den beiden Söhnen, den Sitzungssaal des Rathauses betritt, ist die Messe schon gelesen.

Die höchsten Zustimmungswerte erhielt der künftige OB in den Kirchheimer Teilorten. So stimmten in Jesingen und in Lindorf jeweils mehr als 80 Prozent für den Wechsel. Wahlbeobachter führen das auf den Unmut zurück, der dort wegen des Baus von Unterkünften herrscht, die für die Anschlussunterbringung von anerkannten Asylbewerbern, aber auch als günstiger Wohnraum für Familien in einer von wachsender Wohnungsnot geplagten Stadt vorgesehen sind.