Wahl in Sindelfingen Ex-Punkwirt Andreas Ankele will für die OB-Wahl kandidieren

Andreas Ankele, hier noch in der Traube in Sindelfingen, will für die OB-Wahl kandidieren. Foto: privat/Archiv

Andreas Ankele, langjähriger Betreiber der Kultkneipe Traube, bewirbt sich bei der OB-Wahl in Sindelfingen. Sein Anliegen: Eine andere Perspektive in den Wahlkampf zu bringen.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Ex-Punkwirt Andreas Ankele will sich auf das Amt des Oberbürgermeisters in Sindelfingen bewerben. Der 67-Jährige hat viele Jahre die Kultkneipe Traube, später die Spitalscheune in Sindelfingen betrieben und die alternative Szene in Sindelfingen geprägt.

 

Inzwischen ist er im Ruhestand. Doch der Punk liegt ihm noch immer im Blut. „Ich will sticheln, stänkern und als Böblinger den Sindelfingern zeigen, wo es lang geht“, sagt er

Probleme mit den Unterschriften

Ob das Sticheln wohl schon bei der ersten Hürde beginnt, auf die er gestoßen ist? Mit seinem Alter hat sie nichts zu tun, seit 2023 gilt in Baden-Württemberg kein Höchstalter für Bürgermeisterwahlen mehr. Es geht vielmehr um seine Unterstützer-Unterschriftenliste. Sie entspricht nicht der verlangten Form. Er habe zwar mit 151 sogar mehr als die nötigen 100 Unterschriften gesammelt. Aber offenbar nicht vorschriftsmäßig. Laut Kommunalwahlordnung in Baden-Württemberg gibt es dafür ein Formblatt, auf dem bestimmte Daten stehen müssen und auf dem jeweils nur ein Unterstützer unterschreiben darf.

Ankele will erneut sammeln gehen

Ankele hat aber beispielsweise zwölf Unterschriften pro Blatt gesammelt. „Jetzt muss ich sie eben noch mal sammeln, das ist kein Problem“, sagt er. „Dann gebe ich halt 151 statt 13 Seiten ab.“ Dass er erneut losziehen muss, nimmt er gelassen, aber ihn nervt das umständlich Bürokratische daran. Deshalb wäre eine seiner ersten Amtshandlungen als neuer Oberbürgermeister, die Bürokratie einzuschränken, sagt er.

Andreas Ankele will für die OB-Wahl in Sindelfingen kandidieren. /Robert Krülle

Es ist nicht das erste Mal, dass es ihn in den Fingern juckt, sich auf das Amt zu bewerben. Bereits vor acht Jahren wollte er antreten, gegen den amtierenden Rathauschef Bernd Vöhringer (CDU), der sich diese Mal nicht mehr zur Wiederwahl stellt. Aber auch damals hakte es bei den Unterschriften. „Eine hat mir gefehlt.“

Der Ex-Punkwirt blickt auf eine bewegte Geschichte in Sindelfingen zurück. Zwar kommt er aus Böblingen und wohnt auch dort. Aber seit er vor rund 20 Jahren die Traube in Sindelfingen übernahm, hat ihn die Stadt nicht mehr losgelassen. „Sindelfingen ist das Dorf, in dem ich in den letzten 20 Jahren etwas bewegt habe.“ Mit Vöhringer fühlt sich Ankele auf gewisse Weise verbunden. Hätten sie doch ungefähr gleich lang in Sindelfingen gewirkt. Der Punkwirt als Gegenpart zum Oberbürgermeister. „Er hat die Kultur, ich die Subkultur.“ Als „Sindelfingen rockt“ wegen Anwohnerbeschwerden einige Jahre vom Marktplatz zum Möbelhaus Hofmeister ausweichen musste, organisierte Ankele mit den „Jungs von der Traube“ ein Gegenkonzert auf dem Marktplatz. Der Protest fand in der Bevölkerung breite Unterstützung.

Ankele will für die „Assis“ kandidieren

„Wer zentral am Marktplatz wohnt, muss auch die Konsequenzen tragen“, meint Ankele, dem es als OB ein Anliegen wäre, die Sindelfinger Innenstadt wieder stärker zu beleben. Ankele nimmt die Bewerbung zwar ernst, glaubt aber nicht, dass er gewinnt. „Ich wäre überrascht, aber ich würd’s annehmen.“ Der 67-Jährige will stattdessen eine neue Perspektive in den Wahlkampf bringen. „Ich versuche den Sindelfingern beizubringen, sich unabhängig zu machen.“ Er sieht sich als Sprecher für diejenigen, die selten im Rampenlicht stehen, für „Penner und Flaschensammler“. Und als Vertreter der „Assis“, der Alternativen Sound- und Skate-Interessenten Sindelfingen. „Für diese Szene bin ich Kandidat.“

Die Oberbürgermeisterwahl findet am 11. Mai statt, die Bewerbungsfrist endet am 14. April. Bislang haben sich der Ehninger Bürgermeister Lukas Rosengrün (SPD), der 25-jährige Sindelfinger Max Reinhardt (FDP) und der Bürgermeister von Oberstenfeld, Markus Kleemann (CDU), beworben. Bernd Vöhringer (56), der 24 Jahre OB von Sindelfingen war, tritt nicht mehr an.

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