OB-Wahl in Stuttgart OB-Kandidat Körner will 30 000 Wohnungen bauen

Von Thomas Braun 

Zur Stärkung der Wähler und seiner eigenen Kandidatur streut Martin Körner (SPD) Müsliriegel unters Wahlvolk. Seine inhaltlichen Schwerpunkte setzt er in den Bereichen Energiewende, Wohnen und Wirtschaft.

Martin Körner will als OB  Wohnungsbau zur Chefsache machen und den Wandel in der Automobilindustrie durch neue Produktionsstätten abfedern.Foto: Lg/Leif Piechowski Foto:  
Martin Körner will als OB Wohnungsbau zur Chefsache machen und den Wandel in der Automobilindustrie durch neue Produktionsstätten abfedern. Foto: Lg/Leif Piechowski

Stuttgart - Ausgestattet mit Fahrrad und einem eigens produzierten „Körner-Müsliriegel“ für die Wähler zieht der OB-Kandidat Martin Körner (SPD) in die heiße Phase des Wahlkampfs. Am Freitag hat Körner im Literaturhaus die programmatischen Schwerpunkte seines Wahlkampfs und seine Plakate präsentiert. Das Wahlkampfmotto „Stark in die Zukunft“ ist auch auf den Bewerber selbst zugeschnitten, obwohl seine Sozialdemokraten bei vergangenen Wahlen in der Landeshauptstadt stetig an Stimmen eingebüßt haben. Körner, seit sechs Jahren der starke Mann der Ratsfraktion und zuvor langjähriger Bezirksvorsteher in Stuttgart-Ost, will jetzt die Trendwende schaffen.

Der Kandidat will eine Milliarde Euro in die Energiewende stecken

Drei Themen liegen dem 50-Jährigen besonders am Herzen: Den Wohnungsbau will er zur Chefsache machen, in den nächsten zehn Jahren 30 000 neue Wohnungen in Stuttgart bauen lassen. Dabei setzt Körner vor allem auf die Wohnungsbaugenossenschaften und auch die Stuttgarter Wohnungsbaugesellschaft SWSG. Städtische Grundstücke will er dafür reservieren, 80 bis 90 Prozent der Neubauten sollen im innerstädtischen Bereich entstehen. „Aber ich bin auch dafür, dass am Siedlungsrand gebaut wird, wenn es einen Stadtbahnanschluss in der Nähe gibt und keine ökologischen Kriterien dagegen sprechen“, sagt Körner. Die Energiewende will der Genosse massiv vorantreiben: Bis 2030 soll die Stadt 100 Prozent ihres Stromverbrauchs aus regenerativen Quellen decken. Dafür will Körner die Stadtwerke neu ausrichten und aufwerten und bis zu einer Milliarde Euro investieren. Die Hälfte des Geldes soll aus der städtischen Holding SVV kommen, über die die Stadt Wertpapiere und Aktien gebunkert hat.

Dem zumindest teilweise Corona-bedingten ökonomischen Umbruch vor allem in der Automobilindustrie setzt der Kandidat seine Vision einer Industriestadt für eine nachhaltige Mobilität entgegen. Gerade im Neckartal, wo die Beschäftigten bei Daimler von Arbeitslosigkeit bedroht sind, will er ein Kompetenzzentrum für E-Mobilität ansiedeln und auch ein Werk zur Batteriefertigung. „Ich habe gesicherte Informationen, dass Daimler dort etwas plant“, sagt er und widerspricht damit der bisher vom Konzern kommunizierten Strategie, auf eine eigene Batterieproduktion zu verzichten.

Paketpostamt als Kultur-Hotspot könnte Alternative zum geplanten Operninterim sein

Auf dem Kultursektor präsentiert Körner zwei Neuigkeiten: Zum einen spricht er sich für den Neubau eines Konzerthauses an der Königstraße auf dem ehemaligen Marstall-Areal aus – eine Standortfestlegung, die man so nicht einmal von der Konzerthaus-Initiative kennt. Beim Thema Oper spricht sich Körner zwar klar für die Sanierung des Großen Hauses aus, stellt aber den Einbau einer Kreuzbühne infrage und bezweifelt zudem die dafür veranschlagten Kosten von 30 Millionen Euro. Was das geplante Operninterim bei den Wagenhallen angeht, will der Kandidat alternativ auch einen dauerhaften Kultur-Hotspot im Paketpostamt am Rosensteinviertel nicht ausschließen: Das hatten Körner und seine SPD lange Jahre wegen der an dieser Stelle versprochenen Renaturierung als Kompensation für Stuttgart 21 rundweg abgelehnt.




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