Wahlatlas Stuttgart Klinken putzen in der SPD-Hochburg

Haustürwahlkampf, das heißt Warten vor fremder Leute Hauseingang. Die folgende Bilderstrecke zeigt den SPD-Spitzenkandidaten Martin Körner auf Wahlkampftour durch Stuttgart-Neuwirtshaus. Foto: Jan Georg Plavec 6 Bilder
Haustürwahlkampf, das heißt Warten vor fremder Leute Hauseingang. Die folgende Bilderstrecke zeigt den SPD-Spitzenkandidaten Martin Körner auf Wahlkampftour durch Stuttgart-Neuwirtshaus. Foto: Jan Georg Plavec

Exklusiv Die Stuttgarter SPD geht im Kommunalwahlkampf sogar durch Vorgärten. Wir begleiten den Spitzenkandidaten Martin Körner beim Haustürwahlkampf in Stuttgart-Neuwirtshaus. Dabei hätten die Genossen anderswo viel mehr Bedarf an neuen Wählern.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)
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Stuttgart - In der Hochburg der Stuttgarter SPD geht es beschaulich zu. Die Stammwähler in Neuwirtshaus haben in der Regel ein kleines Häuschen mit Vorgarten, an diesem Freitagnachmittag im Mai sind viele von ihnen damit beschäftigt, ihre Beete zu bepflanzen, Rasen zu mähen oder Wäsche aufzuhängen.

Ein idealer Tag, um die Genossen und ihre Sympathisanten daran zu erinnern, am 25. Mai wieder das Kreuzchen bei der SPD zu machen? Ja, sagt Martin Körner. In Neuwirtshaus absolviert der SPD-Spitzenkandidat einen Teil seines Haustürwahlkampfs. Was martialisch klingt, ist wahrscheinlich die aufwendigste Art, um Stimmen zu sammeln: Körner zieht mit dem im Stuttgarter Norden beheimateten Stuttgarter Juso-Chef Tobias Haubensak von Haus zu Haus. Klingeln, kurzes Gespräch mit den Leuten, Präsenz zeigen. Klinke putzen im Stammwähler-Stadtteil.

Ungefähr eine Minute braucht Körner pro Häuschen. Pro Häuschen eine Familie, zwei oder drei Wahlberechtigte vielleicht, mehr nicht. Wollte Körner alle Wahlberechtigten in Stuttgart besuchen, er wäre lange beschäftigt. In Stuttgart dürfen rund 440 000 Bürger am Sonntag ihre Stimme abgeben. So viel Zeit passt in kein Politikerleben.

Das weiß auch Martin Körner. Tausend Haushalte wolle er besuchen, sagt der SPD-Kandidat. Er weiß, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Doch Körner, der bisher kommunalpolitisch als Bezirksvorsteher im Stuttgarter Osten gewirkt hat, sieht den Haustürwahlkampf auch als Gelegenheit, um die Stadt kennenzulernen. Bei seiner Tour durch Neuwirtshaus gesteht er, dass er just diesen Ausschnitt der Stadt zum ersten Mal sieht.

Aufwand und Ertrag

Warum Neuwirtshaus? Mit Tobias Haubensak hat Körner hier einen ortskundigen Begleiter, der sich auskennt und wiedererkannt wird. Der zweite Grund: Die Stuttgarter SPD überlegt sich genau, wo sie Wahlkampf macht und wie. Maximaler Ertrag mit möglichst geringem Aufwand.

Man muss dann aber doch fragen, warum die SPD ausgerechnet im Norden, ausgerechnet in Neuwirtshaus eine Stunde ihres Spitzenkandidaten investiert. Für sie ist das Wiesle hier nämlich so gemäht wie die Rasenflächen der Neuwirtshäuser Vorgärten. Bei der letzten Kommunalwahl hat die Stuttgarter SPD im Stadtteil Neuwirtshaus ihr bestes Ergebnis eingefahren, wie die Daten des Wahlatlas Stuttgart zeigen. Auf 27,2 Prozent kamen sie hier, im Norden Stuttgarts. In der Gesamtstadt waren es 17 Prozent. Es gibt in Stuttgart weniger einen roten Osten als vielmehr einen roten Norden.

Martin Körner holt also sein SPD-Heftchen aus dem Kofferraum und spaziert mit Tobias Haubensak durch besagte Wohnstraße in der SPD-Hochburg Neuwirtshaus. Von Haustür zu Haustür ziehen die beiden, fangen bei der Hausnummer 2 an und können bis zur Hausnummer 24 gerade eine SPD-Zeitung verteilen. Kaum jemand ist an diesem Freitagnachmittag daheim. Und da wo niemand aufmacht, hängt Tobias Haubensak ein Schild an die Türklinke – eins von der „Bitte nicht stören“-Art, wie man sie an Hotelzimmertüren hängt. Auf den SPD-Türanhängern steht: Wir waren da, bitte gehen sie am 25. Mai wählen.

Warum ist die SPD in Neuwirtshaus so erfolgreich? „Wir sind hier sehr präsent, als Kümmerer“, sagt Tobias Haubensak. In der Siedlergemeinschaft leben kleine Familien, SPD-Bürgertum mit Häusle, Stammwähler eben.

Martin Körner weiß, dass er beim Hautürwahlkampf die Politik in den privaten Raum der Leute trägt. Er ist deshalb so zurückhaltend wie nur möglich. Beim Klingeln wartet er stets am Fuß der Treppe zur Haustür. Wenn jemand aufmacht, sagt er stets „Grüß Gott, Körner mein Name, von der Stuttgarter SPD. Ich möchte Sie bitten am 25. Mai zur Wahl zu gehen“. Es ist immer derselbe Spruch, hundertfach aufgesagt, er käme Körner wohl genau so über die Lippen, wenn man ihn nachts um drei aufwecken würde. Der SPD-Spitzenkandidat glaubt, dass die Bitte, zur Wahl zu gehen, besser ankommt als direkt für die Genossen zu werben.




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