Wahlcafés bei der Europawahl Die Qual der Wahl am Kuchentresen

Von Harald Beck 

Wer im Burgstaller Wahllokal in der Grundschule seine Stimmen abgegeben hat, darf sich danach im Wahlcafé mit selbst gebackenem Turnerkuchen stärken. In Weiler sorgt der Förderverein der Schule für die kulinarische Wahlbegleitung.

Garantiert alles selbst gebacken: die Wahlkuchen in Burgstall Foto: Gottfried Stoppel
Garantiert alles selbst gebacken: die Wahlkuchen in Burgstall Foto: Gottfried Stoppel

Auswahl - Ja, so eine Wahl kann ziemlich schwerfallen. Im Wahlcafé zum Beispiel, wenn da am Wahlsonntag schon morgens um 10 Uhr gut zwei Dutzend Kuchen und Torten zur Wahl stehen. „Alle selbst gebacken“, versichert Anette Kübler. Die Chefin der Kuchenbrigade im nagelneu gerichteten Foyer der Burgstaller Gemeindehalle leitet das Training der „DoTus“ im heimischen SV – der Donnerstagsturner. Und die wiederum sorgen bei jeder Wahl fürs leibliche Wohl der wählenden Bevölkerung. Seit wann? „Äh, eigentlich schon immer“, lacht eine der Mitstreiterinnen hinterm Kuchentresen: „Schreiben Sie einfach seit mindestens zehn Jahren.“ Vom Rhabarberkuchen bis zur Schwarzwälder Kirschtorte ist für zwei Euro alles da, was das Wählerherz nach der Stimmabgabe oder auch zum Mitnehmen begehren könnte. Das Pro­blem der bisherigen kulinarischen Wahlbegleitung: „So gegen drei am Nachmittag sind wir meistens ausverkauft.“

Während allerdings um 10 Uhr in der Sonntagsfrühe im Wahlcafé grade noch die erste Ladung Kaffee im Werden ist und ansonsten der Andrang der Kuchenwähler noch auf sich warten lässt, ist im echten, politischen Wahllokal nebenan in der Burgstettener Grundschule bereits ein gewisser Andrang zu spüren. „Vergleichsweise ruhig“ heißt es aber dort zur Frequenz derer, die ihre Stimmzettel für Gemeinderats-, Kreistags-, Regional- und Europawahl in die Urnen werfen. Kein Wunder. Auch an der Murr ziehen es deutlich mehr Wähler vor, diesmal ihr Wahlrecht per Briefwahl wahrzunehmen.

Erste Schlangen gegen 11 Uhr

Im Schorndorfer Teilort Weiler bilden sich gegen 11 derweil die ersten kleineren Schlangen vor den Wahlkabinen in der Reinhold-Maier-Schule. Selbst wenn die vielen Gemeinderats- und Kreistagsstimmen bereits zu Hause verteilt wurden, dauert das Falten und Verstauen der dicken, kandidatenreichen Wahlzettel im gemeinsamen Kommunalwahlumschlag meist doch etwas. Und auf der erst im Wahllokal ausgeteilte Liste für die Europawahl wollen ja zumindest neugierdehalber auch die gut 30 Parteien und Listen gelesen sein, samt Exoten wie Volt, DiEM25 oder Tierschutzallianz.

Draußen im Schulhof in Weiler hat unterm Vordach der Förderverein der Schule ein Wahlcafé aufgebaut. Bei ordentlich vielfältiger und ausschließlich von Schuleltern gebackener Auswahl hat der geneigte Wähler nach vollbrachtem Urnengang nochmals die Qual der Wahl. Und er bestimmt den Obolus für Kaffee und Kuchen selbst. Auf dem – vorschriftsmäßig mit den schützenden Kunststoffaufbauten namens Spuckschutz versehenen – Fördervereinstresen steht ein Spendenkässle. Der gesamte Erlös, so erläutern die Damen, die in der Frühschicht einschenken, geht in Projekte des Fördervereins. Wie er denn seinen Kaffee haben wolle, fragt eine Wahlcafé-Besucherin ihren Begleiter. Die absolut wahlsonntägliche Antwort: „Heute natürlich schwarz.“

Am schnellsten ist die Schwarzwälder Kirschtorte weg

Punkt 14 Uhr heißt es in Burgstall bei der dortigen Kuchenwahlstelle: „Die Schwarzwälder ist aus“ – klassischer Wahlsieg quasi für die geistvolle Torte. Die zwei Stückle Erdbeerkuchen für den Opa bekommen derweil zwei junge Damen noch problemlos. Denn es zeichnet sich ab, dass die Beteiligung an der Kuchenwahl wohl doch etwas unter Briefwahl und sonniger Witterung leidet. Kein Problem, sagen die Damen vom DoTu, was am Ende womöglich übrig bleibe, bekämen sie problemlos selbst weg – „dann wird halt ao a bissle mehr Gymnastik gmacht“.