AfD hat den größten Stimmenzuwachs
Schaut man auf die Stimmenzuwächse ist die AfD der Gewinner der Kreistagswahl. Bisher bildeten Beate Maier und Walter Müller eine Gruppe, künftig stellt die AfD mit 13 Vertretern eine Fraktion – und wird dann auch in den Gremien des Kreistages, kommunalen Zweckverbänden, Tochtergesellschaften und Aufsichtsräten vertreten sein. „Wir sehen es als großen Erfolg, dass wir jetzt in Fraktionsstärke vertreten sind“, sagt Walter Müller, der es jedoch selbst nicht mehr in den Kreistag geschafft hat. Für seine Parteikolleginnen und Kollegen sichert er zu, eine sach- und faktenorientierte Politik zu machen. „Wir haben keine Berührungsängste mit anderen Parteien.“
Vom Erstarken der Alternative für Deutschland zeigt sich kaum einer überrascht. Auch nicht der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier, der mit Blick auf die Sitze mit einer Zweistelligkeit gerechnet hat. Es gelte, das Wählervotum anzunehmen, sagt Allgaier. Was die Arbeit im Kreistag und in den Gremien angeht, erwarte er jedoch, dass die neuen Mitglieder sich an die Sitzungsdisziplin hielten und sich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unterwerfen, betont der Kreischef im Gespräch mit unserer Zeitung.
CDU weiterhin stärkste Kraft
Klaus Herrmann (CDU) geht davon aus, dass der Ton im Sitzungssaal künftig rauer wird. Gleichwohl sei das Ergebnis, das auf einer Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Politik der etablierten Parteien basiere, zu akzeptieren. „Es ist ein Warnschuss an alle. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen nicht linksextrem und nicht rechtsextrem wählen.“ Mit dem Ergebnis seiner Partei und nur einem Sitz weniger ist der Fraktionsvorsitzende zufrieden.
Überholt hat die CDU die Freien Wähler sozusagen im Endspurt. Denn am Dienstagvormittag sah es noch so aus, als hätten die Freien Wähler erneut die Nase vorn. Das gute Abschneiden der CDU in Ludwigsburg schob die Freien Wähler am Ende jedoch auf Platz zwei zurück. Sie haben wie die CDU einen Sitz weniger als in der aktuellen Wahlperiode. Für Fraktionssprecher Rainer Gessler dennoch „unterm Strich ein gutes Ergebnis“. Alles andere als gelassen sieht der Markgröninger allerdings den Zugewinn der AfD. „Wenn wir es wieder anders wollen, müssen wir eine entsprechend gute Politik machen angeht“, richtet er den Blick nach vorn. Obwohl die CDU prozentual mehr Wählerstimmen erhalten hat als die Freien Wähler, kommt es durch das komplizierte Sitzverteilungsverfahren dazu, dass die Freien Wähler einen Sitz mehr haben als die Union.
Grüne konzentrieren sich auf die 90 Prozent Nicht-AfD-Wähler
Die Grünen verlieren sogar fünf Sitze und sind nur noch mit 16 Köpfen vertreten. „Das letzte Wahlergebnis war das beste jemals. Deshalb sind wir davon ausgegangen, dass wir das nicht halten können“, sagt Doris Renninger, stellvertretende Fraktionssprecherin. „Fast 90 Prozent der Wähler haben sich gegen die AfD entschieden“, sagt sie. Im Großen und Ganzen erwartet Renninger einen fairen Kampf im Kreistag. „Freuen tut uns nicht, dass sie zugelegt haben. Wir Demokraten bekommen das aber sicher gewuppt“, gibt sie sich optimistisch.
FDP freut sich über fünf Ausgleichsmandate
Geringer sind die Verluste der Sozialdemokraten. Sie haben nur zwei Sitze weniger als aktuell. Das Erstarken der AfD habe sich von der Europa- über die Regional- bis hin zur Kommunalwahl abgezeichnet, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ernst Morlock. „Das ist das Ergebnis der Bundespolitik. Ich will hoffen, dass die Themen, die die AfD anspricht, demokratischer Natur sind.“ Die FDP schaffte 7,2 Prozent und kann sich über fünf Ausgleichsmandate freuen . Die Liberalen haben jetzt insgesamt sieben Sitze im Kreistag. Das ist nur einer weniger als bisher. „Wir müssen schauen, dass wir gute Arbeit machen und der AfD den Wind aus den Segeln nehmen“, sagt Fraktionssprecherin Viola Noack. Die Linke büßt einen Sitz ein und hat noch drei. Das Bündnis Vielfalt, das erstmals ins Rennen gegangen ist, schafft den Sprung in den Kreistag mit Cem Ercetin. Nicht mehr vertreten ist die ÖDP mit Andreas Schönberger.
Und wie erfolgreich waren die Bürgermeister? Nicht mehr geschafft hat den Sprung in den Kreistag Steffen Döttinger (FW). Nach dem Dämpfer bei der Bürgermeisterwahl muss der Affalterbacher jetzt verdauen, dass es dieses Mal auch nicht mehr über einen Ausgleichssitz gelungen ist, Mitglied des Kreistags zu sein. Mit leeren Händen steht auch der Sachsenheimer Rathauschef Holger Albrich (FW) da, der vor fünf Jahren ein Direktmandat errungen hatte. Freuen können sich unter anderem der Benninger Bürgermeister Klaus Warthon (FW), sein Murrer Kollege Torsten Bartzsch (FW) und der 2023 in Eberdingen zum Rathauschef gewählte Carsten Willing (SPD).