Wahlen 2024 SPD erlebt in Marbach ein Debakel
Die Sozialdemokraten sind der große Verlierer der Gemeinderatswahl, während bei der CDU und den Freien Wählern die Sektkorken knallen dürfen.
Die Sozialdemokraten sind der große Verlierer der Gemeinderatswahl, während bei der CDU und den Freien Wählern die Sektkorken knallen dürfen.
Bei der SPD gab es schon bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren lange Gesichter, als die Genossen fast sechs Prozentpunkte und einen Sitz im Vergleich zu 2014 eingebüßt hatten. Noch niederschmetternder ist das aktuelle Ergebnis. Die Sozialdemokraten sacken abermals ab, nun um rund fünf Punkte auf 18,12 Prozent. Die Konsequenz: die Genossen müssen auf zwei weitere Sitze verzichten, dürfen fortan lediglich vier Vertreter in den Gemeinderat entsenden. „Das ist eine kleine Katastrophe“, sagt SPD-Mann Heinz Reichert.
Obendrein haben nur die Roten mit Christiane Scheuing-Bartelmess eine amtierende Rätin zu verzeichnen, die zur Wiederwahl angetreten war, ohne den Sprung ins Gremium zu schaffen. Heinz Reichert erklärt das Debakel mit dem Trend, der bundesweit gegen seine Partei spreche. Außerdem hätten speziell die Freien Wähler im Gegensatz zur SPD mit einer Liste punkten können, auf der viele stadtbekannte Gesichter stünden.
Umgekehrt mussten die Freien Wähler aber verkraften, dass der letztmalige Stimmenkönig Michael Herzog seinen Hut nicht mehr in den Ring geworfen hatte – ebenso wie Tanja Lutz, Claus Lillich und Peter Schick. Umso größer ist die Freude beim Fraktionsvorsitzenden Martin Mistele, dass man sich im Vergleich zu 2019 sogar um fast drei auf 30,82 Prozent verbessern konnte. Außerdem gewinnt man einen zusätzlichen, nun achten Sitz hinzu. Mistele denkt, dass Rot-Grün unter anderem für das Wirken in der großen Politik abgestraft wurde. Das strahle auf die Kommunalpolitik aus. „Im Grunde gibt es in Marbach einen Wechsel. Wir hatten lange eine rot-grüne Mehrheit, wenn man Puls dazuzählt. Jetzt haben wir eine mögliche konservative Mehrheit“, sagt er. Damit spielt Mistele auf den Umstand an, dass die Freien Wähler bei einer Allianz mit der CDU die Oberhoheit im Rat hätten.
Was auch daran liegt, dass die CDU von 18,5 auf 24,5 Prozent zulegen konnte und künftig sechs statt vier Vertreter stellt. „Wir freuen uns sehr, dass wir die zwei Sitze, die wir beim letzten Mal verloren hatten, wieder dazugewinnen konnten“, sagt Fraktionschefin Heike Breitenbücher, die neue Stimmenkönigin. Man habe wohl vom bundesweit steigenden Zuspruch profitiert. Zudem sei es gelungen, eine „sehr bunt gemischte Liste“ zusammenzubekommen. Zwei Frauen würden künftig die Farben der CDU im Rat vertreten. Dazu stelle man bald mit dem 16-jährigen Phileas Hammer das jüngste Mitglied. Auch seine Mutter Swantje wurde für die CDU in die Runde gewählt, was sich aber mit der Gemeindeordnung vertrage, sagt die Erste Beigeordnete Franziska Wunschik.
Nach dem Geschmack der Grünen-Chefin Susanne Wichmann ist der Frauenanteil mit vier Rätinnen und damit abermals drei weniger als zuvor aber insgesamt enttäuschend. „Das bildet nicht unsere Gesellschaft ab“, sagt sie. Das gelte auch für den Umstand, dass kein Vertreter mit migrantischem Hintergrund gewählt wurde. Mit dem Ergebnis von 18,92 Prozent für ihre Partei, einem Minus von zwei Prozent, kann sie leben, weil die Zahl der Sitze mit fünf unverändert bleibt. „Toll ist, dass wir mit Claudia Pelz endlich jemand in den Rielingshäuser Ortschaftsrat gebracht haben“, resümiert sie zu der Wahl, bei der die Beteiligung bei 65,14 Prozent lag.
Hendrik Lüdke von Puls ist niedergeschlagen. Seine Gruppierung hat 0,8 Prozent verloren, kommt auf 7,59 Prozent, darf damit weiter zwei Räte stellen. „Ich bin enttäuscht über das Ergebnis angesichts dessen, was wir geleistet haben“, sagt Lüdke. Man habe auf drei Sitze gehofft. Es liege vornehmlich am mangelnden Zuspruch in Rielingshausen.
Freie Wähler: Martin Mistele, Dirk Weimann, Rüdiger Breh, Simon Wurm, Rainer Schick, Jürgen Aldinger, Jens Knittel, Walther Eulenberger. CDU: Heike Breitenbücher, Florian Petschl, Swantje Hammer, Phileas Hammer, Jochen Biesinger, Roland Stickel. Grüne: Susanne Wichmann, Birger Laing, Jürgen Waser, Matthias Laukenmann, Barbara Eßlinger. SPD: Ernst Morlock, Heinz Reichert, Lorenz Obleser, Nikolai Häußermann. Puls: Hendrik Lüdke, Jochen Berger.