Wahlen im Kreis Ludwigsburg Nicht mal jeder vierte Kreisrat ist weiblich

Von Susanne Mathes 

Neue Kräfteverhältnisse, viele Bürgermeister, viele Männer, erfolgreiche Newcomer: Eine Nachlese zur Kreistagswahl.

So voll sind die Zuhörerreihen im Kreistag nur, wenn es um Brisantes geht – etwa um die Ablagerung freigemessenen Bauschutts aus Neckarwestheim auf Kreisdeponien. Foto: factum/
So voll sind die Zuhörerreihen im Kreistag nur, wenn es um Brisantes geht – etwa um die Ablagerung freigemessenen Bauschutts aus Neckarwestheim auf Kreisdeponien. Foto: factum/

Ludwigsburg - Kreispolitik ohne offizielle Vertreter der Stadt Ludwigsburg? Dass jede Menge Bürgermeister im Kreistag Weichen stellen, aber ausgerechnet aus der größten Stadt keiner, das ist Geschichte: Mit Michael Ilk und Werner Spec sitzen jetzt gleich zwei Ludwigsburger Verwaltungs-Schwergewichte im Parlament.

Das beste Ergebnis

Die Freien Wähler (24,72 Prozent der Wählerstimmen) sind neue stärkste Kraft im Kreisparlament. Sie sind an der CDU (24 Prozent) vorbeigezogen und entsenden 27 Vertreter – einen mehr als die Christdemokraten, die mit 6,61 Prozent zudem den größten Stimmverlust kassierten. „Wir sind sehr enttäuscht, dass wir sechs Mandate verloren haben“, sagt Steffen Bühler, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreis. Ihre „kompetente, kritisch- konstruktive Haltung“ werde die CDU aber nicht aufgeben.

Die kräftigsten Aufholer

Die Grünen freuen sich über den kräftigsten Stimmenzuwachs von 5,62 Prozent. Summa summarum bekamen sie 21,34 Prozent und fünf zusätzliche Sitze. Insgesamt haben sie 21 Vertreter. Für Fraktionsvorsitzende Brigitte Muras ist der Zuspruch das Resultat „guter grüner Basisarbeit in den Gemeinderäten vor Ort“, aber zum Beispiel auch der Fridays-for-future-Bewegung der Jugendlichen geschuldet. „Sie haben durch ihre Demonstrationen die Klima- und Umweltprobleme in den Fokus gestellt“, so Muras. Der SPD (14,42 Prozent – 3,62 Prozent Verlust) blieb hinter den Grünen nur Rang vier.

Die Verlustreichen

Die Sozialdemokraten brechen ein, aber nicht so massiv wie auf höheren Ebenen: Sie senden noch 16 Vertreter in den Kreistag, zwei weniger als bisher. „Wir sind mit einem dunkelblauen Auge davongekommen, aber natürlich hätte ich mir für die SPD schon mehr gewünscht“, sagt der Bietigheim-Bissinger Oberbürgermeister Jürgen Kessing, der sich außer über sein persönliches sehr gutes Ergebnis über wenig freuen kann. Besonders bitter sei, und das beziehe sich gar nicht nur auf die Sozialdemokraten: Dass viele kommunalpolitisch Tätige „sich hineinknien und wirklich Kärrner-Arbeit machen“, werde von den Wählern nicht honoriert, vielleicht nicht einmal registriert. Und wenn solche Leute den Wiedereinzug um wenige Stimmen verpassten, sei das wirklich bitter.

Die Kleineren

Die FPD legt auf 8,41 Prozent zu und ist happy über acht Räte im Gremium – zwei mehr als bislang. Die Linke behält vier Sitze. Die AfD zieht mit drei Räten neu ein.

Der Ausgleich

Ausgleichssitze sorgen dafür, dass kleinere Parteien und Listen im Verhältnis ausreichend vertreten sind. Das spielt auch für die Zusammensetzung des Kreistags eine interessante Rolle: Die drei AfD-Vertreter kommen ausschließlich über Ausgleichssitze ins Gremium, ebenso drei von vier Linke-Vertretern. Von dem System profitieren aber auch Freie Wähler (fünf), Grüne (vier) und CDU (zwei Ausgleichssitze).

Die Stimmenkönige

Die meisten Stimmen räumte ein Kreistags-Newcomer ab, der aber ansonsten bekannt wie ein bunter Hund ist: der ehemalige Ludwigsburger Polizeipräsident Frank Rebholz, einst CDU-Stadtrat in Ludwigsburg, bekam – mittlerweile zu den Grünen gewechselt – 15 573 Stimmen. „Durch die hohe Stimmenzahl hat er das Ergebnis insgesamt gepusht“, freut sich Brigitte Muras. Der Besigheimer Bürgermeister Steffen Bühler, CDU, ist „hochzufrieden“ mit den zweitmeisten Stimmen (12 257).

Ein Paukenschlag gelang dem Ludwigsburger Bürgermeister Michael Ilk, der für die Freien Wähler ins Gremium einzieht: Er erhielt 11 714 Stimmen, mehr als manches Freie-Wähler-Urgestein – und auch mehr als Oberbürgermeister Werner Spec. Beide sind FW-Neuzugänge, und gerade Ilk ist mit den Ludwigsburger Vertretern öfter schon zusammengerasselt, etwa in Sachen Radwege. Er werde sich nun aber nicht verbiegen, sagt Ilk, der sich auch im Kreistag vor allem auf das Thema Mobilität fokussieren will. „Bisher bin ich ja immer von Gemeinderäten gewählt worden“, so Ilk, „da freut mich diese direkte Wertschätzung von den Bürgern sehr.“ Wichtig sei aber vor allem, dass nun auch offizielle Vertreter der Stadt Ludwigsburg im Kreistag mitgestalteten. „Es gibt viele Aufgabenstellungen, die wir nicht allein lösen können, da ist ein guter Draht zu den umliegenden Kommunen wichtig. In dieser Hinsicht war die bisherige Konstellation schon etwas merkwürdig“, findet er.

Die Zugpferde

Die 10 000-Stimmen-Marke sprengten auch Anke Baumgart (12 168 Stimmen), Uwe Stoll (12 068), Sonja Henning (11 456) und Lidija Kalkofen (10 640) – alle Grüne aus dem Wahlkreis Ludwigsburg – , Gerd Maisch (Wahlkreis Vaihingen, Freie Wähler, 11 431), Hans Schmid (Wahlkreis Ludwigsburg, CDU, 11 347), Werner Spec (Wahlkreis Ludwigsburg, Freie Wähler, 11 331), Jürgen Kessing (Wahlkreis Bietigheim-Bissingen, SPD, 10 412) und Konrad Epple (Wahlkreis Ditzingen, CDU, 10 294).

Die Männer-Dominanz

Dass Frauen im neuen Kreistag repräsentativ vertreten wären, kann man nicht behaupten. Rund 273 000 Frauen und 269 000 Männer leben im Landkreis, doch weniger als ein Viertel der künftigen Kreistags-Abgeordneten – 25 von 105 – sind Frauen. Auf den schlechtesten Schnitt kommt die größte Fraktion: Die Freien Wähler haben gerade mal ein weibliches Wesen in ihren Reihen. Bei der CDU sieht es mit zwei Kreisrätinnen wenig besser aus. Die anderen Parteien punkten stärker: Die Grünen stellen bei 21 Sitzen zehn Kreisrätinnen, unter den 16 SPDlern sind sieben Frauen, für die Liberalen ziehen drei Damen ein, für Linke und AfD jeweils eine. Gerade die FDP macht ihr Stimmenplus auch an mehr weiblichen und jüngeren Kandidaten fest.

Die Jungen

Jüngster im Bunde ist jetzt Fabian Obenland (Wahlkreis Freiberg) für die Grünen. Der 19-jährige Elektrotechnik-Student macht sich für die ÖPNV- und Radpolitik und attraktive Jugendangebote stark. Zu den jüngeren Semestern gehören auch die Studentin Swantje Sperling (Grüne) aus Remseck, der Unternehmer Ender Engin (FDP) aus Kornwestheim und der CDU-Landtagsabgeordnete Fabian Gramling aus dem Wahlkreis Bietigheim-Bissingen.