Im Wahlkreis Nürtingen ist Maren Steege (CDU) gegen Kretschmanns Nachfolgekandidatin Clara Schweizer (Grüne) angetreten. Was sagen die Ortsverbände zum Ergebnis?
Die Landtagswahl 2026 für Baden-Württemberg ist vorbei, und das vorläufige Endergebnis steht fest: Wie schätzen die Ortsverbände von CDU und Grünen das landesweite Ergebnis und das im Wahlkreis Nürtingen ein? Wir haben nachgefragt.
Für Dominic Dean Haag, dem Sprecher des Ortsverbandes der Grünen in Filderstadt, war es eine kurze Nacht – er hat den Wahlabend in Nürtingen verbracht, dort, wo auch die grüne Kandidatin Clara Schweizer war. „Es war ein spannender Wahlkrimi, und ich bin sehr froh über den Ausgang“, sagt Haag. „Wir haben Wochen und Monate darauf hingearbeitet.“ Clara Schweizer habe ein schweres Erbe angetreten – denn der Wahlkreis Nürtingen, zu dem Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt gehören, war bis jetzt der Wahlkreis des scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. 38 Prozent holte er hier bei der Landtagswahl 2021. „Clara Schweizer ist natürlich nicht so bekannt wie Winfried Kretschmann“, sagt Haag, „aber sie hat es sehr gut gemacht, und sie hat es ja auch in den Landtag geschafft.“ 27,9 Prozent im Wahlkreis waren es für sie, 26,9 Prozent waren es in Filderstadt direkt. „Wir haben oft an den Infoständen die Sorge gehört, dass sie womöglich zu jung und unerfahren sein könnte“, berichtet Haag. Haag teilt diese Sorgen nicht: „Sie wird jetzt zeigen, dass sie es kann.“ Bei den Zweitstimmen liegen Grüne und CDU so gut wie gleichauf in Filderstadt.
Maren Steege gewinnt Wahlkreis: „Endlich wieder eine Frau von den Fildern“
Ilona Koch, die zweite Vorsitzende des Ortsverbands der CDU in Leinfelden-Echterdingen, freut sich ebenfalls über den Ausgang der Wahl – wenn auch aus anderen Gründen: Nämlich ganz konkret, dass die CDU-Kandidatin Maren Steege den Wahlkreis Nürtingen für sich entscheiden konnte, auch in Leinfelden-Echterdingen liegt sie, wenn auch knapp, vor Clara Schweizer, was die Erststimmen angeht. Bei den Zweitstimmen liegen in LE die Grünen vorne mit 38,1 Prozent gegenüber den 29,2 Prozent der CDU.
„Nach 34 Jahren vertritt uns endlich wieder eine Frau von den Fildern im Landtag“, sagt Koch. „Das ist sehr, sehr schön!“ Trotz Stimmenzuwachs hätte die CDU die Wahlziele nicht erreicht. „Wir haben ein knappes Rennen erwartet“, sagt Koch, „die Grünen haben mehr Stimmen als wir, obwohl sie sogar Stimmenverluste haben.“ Manuel Hagel habe nicht den Bekanntheitsgrad von Cem Özdemir, jetzt müsse man sehen, was Özdemir mache. „Aber für Leinfelden-Echterdingen ist es ein großer Erfolg.“ Was die CDU in Leinfelden-Echterdingen angeht, so werde sich nun der Vorstand treffen und dann ein Treffen für alle Mitglieder organisieren. „Es gibt viele Fragen, viele Enttäuschungen bei den Mitgliedern. Wir wollen Raum für Diskurs geben, es ist uns sehr wichtig, das offen auszusprechen.“
Für Ilona Koch und Dominic Dean Haag ist das gute Abschneiden der AfD ein Wermutstropfen. „Alle Parteien mit einer demokratischen Grundordnung müssen jetzt zusammenhalten gegen den Extremismus“, sagt Dominic Dean Haag dazu. Ilona Koch erwähnt das gute Abschneiden der AfD bei den jüngeren Wählern und betont: „Wir müssen dringend mehr Aufklärung in den Schulen machen, zu allen Parteien.“ Es sei falsch zu behaupten, die jungen Leute hätten kein Interesse an Politik: „Das haben sie.“ Aber die markigen Sprüche in den sozialen Medien seien nicht dasselbe wie gut ausgearbeitete politische Vorhaben und Programme, das müsse man vermitteln können. „Da sind wir alle gefordert.“