In acht Rathäusern im Rems-Murr-Kreis laufen in diesem Jahr die Amtsperioden der Bürgermeister aus. Eine Kommune hat bereits eine überraschende Entscheidung getroffen.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Es ist ein Jahr der Entscheidungen – auch im Kleinen. Während bundesweit das Superwahljahr 2026 heraufzieht, mit Landtags- und Kommunalwahlen, richtet sich im Rems-Murr-Kreis der Fokus auf acht Rathäuser: Dort endet die Amtszeit der jeweiligen Bürgermeister.

 

In Oppenweiler ist die Entscheidung bereits gefallen – und sie fiel ziemlich spektakulär aus: Gabriel Nold, gerade einmal 23 Jahre jung, hat im November die Wahl im ersten Anlauf gewonnen. Eine faustdicke Überraschung, selbst für Kenner der kommunalpolitischen Szene.

Laut Angaben des Landratsamts folgen Wahlen in Rudersberg, Winnenden, Urbach, Welzheim, Kirchberg, Remshalden – und möglicherweise in Aspach. Die meisten Amtsinhaber treten erneut an. Doch nicht überall wird es ein Selbstläufer.

Rudersberg: Der Alleinkandidat will mehr als Applaus

Rudersberg eröffnet das Wahljahr: Am 18. Januar wird gewählt – doch eine echte Wahl wird es nicht. Nur ein Name wird auf dem Stimmzettel stehen: Raimon Ahrens, 36, Verwaltungswirt und seit 2018 Bürgermeister, kandidiert erneut. Der Gemeindewahlausschuss bestätigt: Kein Gegenkandidat, keine Überraschung – zumindest auf den ersten Blick.

Raimon Ahrens (rechts), hier mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann, bewirbt sich auf eine zweite Amtszeit in Rudersberg. Foto: Gottfried Stoppel

Denn Ahrens will die Wahl nicht als Durchwinkveranstaltung. Er tritt nicht an, um bloß bestätigt zu werden, sondern um sich erneut ein Mandat zu erarbeiten. Obwohl es keine offizielle Kandidatenvorstellung gibt – die Satzung sieht das bei nur einem Bewerber nicht vor –, setzt Ahrens auf persönliche Gespräche. Denn: „Eine hohe Beteiligung ist immer auch ein Zeichen von Rückhalt – und Ansporn für die Arbeit.“

Winnenden: Plötzlich haben die Bürger doch eine Wahl

Eine Woche später, am 25. Januar, wird in Winnenden gewählt. Auch hier sah zunächst alles nach einer stillen Wiederwahl aus – bis zum letzten Moment. Dann trat Hans-Martin Fischer auf den Plan: parteilos, 60 Jahre alt, Stadtrat der „Bürgerstimme“, Bankkaufmann und selbsternannter „Medienunternehmer“.

Fischer kritisiert seit Monaten die Amtsführung des Oberbürgermeisters – mal laut, mal überdeutlich. Die Haushaltslage sei desolat, der politische Stil zu abgehoben, neue Schulden will er ebenso verhindern wie ein Flüchtlingsheim oder Windräder auf dem Goldboden. Er wirbt für Verwaltungsumbau und mehr Bürgerbeteiligung. Ob das genügt, um echte Wählergunst zu erzeugen, ist offen. Konkrete Pläne fehlen weitgehend, auch zur Finanzierung seiner Vorhaben bleibt Fischer vage.

Hartmut Holzwarth hat überraschend einen Gegenkandidaten bekommen. Foto: privat

Hartmut Holzwarth, 56, seit 2010 im Amt, gibt sich gelassen – und gleichzeitig entschlossen. Die Kandidatenvorstellung am 15. Januar könnte zum Schlagabtausch werden: Beide erhalten 15 Minuten Redezeit, anschließend darf das Publikum Fragen stellen. Holzwarth begrüßt den Wettbewerb, der bis kurz vor Schluss nicht absehbar war. Vor acht Jahren war er ohne Konkurrenz angetreten – und nur ein Viertel der Wahlberechtigten ging überhaupt zur Urne. Diesmal dürfte es spannender werden.

Urbach: Der Gemeinderat schweigt – und sagt damit viel

In Urbach kündigt sich ein Wahlkampf zwischen den Zeilen an. Die Wahl findet am 8. März statt – und Bürgermeisterin Martina Fehrlen (CDU) hat früh klargemacht, dass sie weitermachen will. Doch der Gemeinderat ließ diesen Umstand in der offiziellen Stellenausschreibung unerwähnt. Ein formaler Akt, so heißt es – aber einer mit Signalwirkung. Die Unruhe ist spürbar.

Martina Fehrlen (rechts) möchte in Urbach weiter gestalten. Foto: VM Ba-Wü

Die Frage bleibt: Kommt es zur Gegenkandidatur? Bislang ist noch nichts offiziell – aber der Ton in der Gemeinde hat sich verschärft. Der Wahltag fällt auf denselben Tag wie die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die Spannung steigt.

Welzheim, Kirchberg, Remshalden: Zwischen Erfahrung und Elan

Welzheims Bürgermeister Thomas Bernlöhr will es noch einmal wissen: Obwohl erst 44-jährig tritt er bereits zum dritten Mal an. Bei seiner Premiere 2010 war er einer der jüngsten Bürgermeister in der Region Stuttgart. Infrastruktur, Wohnbau, das neue Lindenquartier – seine Themen sind gesetzt. Gewählt werden soll am 8. März. Auch Welzheim erledigt die Schultes- in einem Aufwasch mit der Landtagswahl.

Thomas Bernlöhr (rechts), hier mit Amtskollege Ahrens aus Rudersberg, war bei seinem Amtsantritt in Rudersberg einer der jüngsten Rathauschefs der Region. Foto: Frank Rodenhausen

In Kirchberg an der Murr zieht Frank Hornek zum fünften Mal ins Rennen. Seit 1994 lenkt er dort die Geschicke. Gemeinsam mit dem Gemeinderat und der Bürgerschaft habe er in den vergangenen 32 Jahren vieles zur Entwicklung der Gemeinde Kirchberg beitragen können, schreibt er in einer Pressemitteilung. „Mit Elan und viel Freude bei der Arbeit würde ich daran gerne nahtlos anknüpfen.“ Wahltermin ist der 8. Februar.

In Remshalden plant Reinhard Molt seine zweite Amtszeit, mit dem Fokus auf Klimaschutz und Ganztagsbetreuung. Der 61-Jährige, der zuvor Baubürgermeister der Stadt Filderstadt war, ist seit Juli 2018 Rathauschef von Remshalden. Er erhielt damals bei der Wahl 72 Prozent der Stimmen und setzte sich damit klar gegen seine vier Mitwerber durch. Seine Amtszeit läuft am 1. Juli aus. Der genaue Wahltermin muss noch bestimmt werden.

Aspach zögert noch – die Entscheidung naht

In Aspach ist das Rennen offen. Sabine Welte-Hauff, parteilos und seit 2018 im Amt, hat sich noch nicht erklärt. Pandemie, Krisen, Umstrukturierungen – all das hat die Gemeinde geprägt. Jetzt geht es um Zukunftsfragen: Mehrgenerationenwohnen, neue Schulstrukturen, ein Feuerwehrgerätehaus. Die Bürgermeisterin will die Signale aus der Bevölkerung abwarten, bevor sie sich entscheidet.

Oppenweiler zeigt: Erneuerung ist möglich

Oppenweilers neuer Bürgermeister Gabriel Nold ist gerade einmal 23 Jahre jung. Foto: privat

Schon im November hat Oppenweiler entschieden – und wie. Gabriel Nold, 23 Jahre alt, setzte sich im ersten Wahlgang gegen sechs Mitbewerber durch. Seine Wahl war ein Signal: für Vertrauen in die Jugend, für Offenheit, für Verwaltung auf Augenhöhe. Der bisherige Amtsinhaber Bernhard Bühler war aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr angetreten.