Stuttgart - Der Abend ist schon weit fortgeschritten, als Pierre-Enric Steiger noch immer unermüdlich zu erklären versucht, wie er den VfB Stuttgart nach vorne zu bringen gedenkt. Zum wiederholten Male erläutert der Präsidentschaftskandidat die Inhalte seines Zukunftspapiers, verweist auf die Vorteile eines Vertreterausschusses und erörtert, wie es in Zukunft gelingen kann, die Budgets der Abteilungen zu vervielfachen. An Ideen fehlt es ihm ebenso wenig wie an Geduld – das Problem ist nur: Er blickt in fragende, skeptische Gesichter von Zuhörern, die ihm entweder nicht folgen können oder nicht wollen.
Es ist das zweite Duell vor der Präsidentenwahl bei der VfB-Mitgliederversammlung am 18. Juli, der nächste Schlagabtausch zwischen den beiden Kandidaten – und ein Heimspiel für Claus Vogt. Der Biergarten der „Schwemme“ am Cannstatter Bahnhof, in den das VfB-Fanprojekt an diesem Donnerstagabend geladen hat und in dem es Pommes und Currywurst gibt, ist fest in der Hand von Sympathisanten des Amtsinhabers, dessen Nähe zur Fanbasis einer seiner großen Trümpfe ist.
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Für Steiger ist es ein eher ungewohntes Terrain – doch lässt sich auch nicht gerade behaupten, dass der Herausforderer sehr geschickt dabei vorgehen würde, die Herzen der VfB-Fans zu gewinnen. Was nicht allein daran liegt, dass sein Programm und seine Ideen „sehr komplex“ sind, wie er immer wieder betont.
Es geht um Frauen in den VfB-Gremien
Dass Steiger nicht zuzuordnen weiß, dass bei der Flanke von Ludwig Kögl und dem Kopfball von Guido Buchwald vom legendären 2:1-Siegtreffer in Leverkusen die Rede ist, der 1992 zur Deutschen Meisterschaft führte – das mag mit gutem Willen seiner Aufregung geschuldet sein. Schwerer wiegt, dass er auch diesmal zielsicher in den erstbesten Fettnapf tritt.
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Ungeschickte Äußerungen in einem Podcast brachten ihm zuletzt (ungerechtfertigte) Rassismus-Vorwürfe ein – diesmal verdribbelt er sich beim Thema Gleichberechtigung. Er wünsche sich einen höheren Frauenanteil in den VfB-Gremien, sagt Steiger – doch müssten Frauen dazu erst einmal „das Selbstvertrauen entwickeln, sich das auch zu trauen“. Es macht es nicht besser, dass er rasch anfügt, dass bei Veranstaltungen des stark männerdominierten VfB-Freundeskreises, dem er seit 2019 angehört, „auch die Ehefrauen immer mitkommen“.
Claus Vogt sitzt daneben, verdreht die Augen – und scheint zu ahnen: Wenn es so weitergeht, kann er der Präsidentenwahl recht gelassen entgegenblicken.