Wahlkampf im Internet Viral und relevant: Ein Thema, das die Aufmerksamkeit verdient

Manuel Hagel sieht sich wegen eines acht Jahre alten Videos Sexismusvorwürfen ausgesetzt. Foto: Michael Kappeler/dpa

Selten erreichen politische Beiträge im Netz viele Menschen. Das „Hagel-Video“ zeigt, Beiträge im Internet können wichtige Debatten anstoßen, kommentiert Frederik Herrmann.

Volontäre: Frederik Herrmann (hef)

Cem Özdemir zeigt sich bei Instagram äußerst kreativ und humorvoll und erreicht so viele Menschen. Doch politische Inhalte und Forderungen sucht man in vielen seiner Videos vergeblich.

 

Sein Kontrahent, Manuel Hagel, wählt eine andere Strategie. Er versucht es mit klassischer Terminkommunikation. Auf seinen Social-Media-Kanälen lässt sich minutiös nachvollziehen, wo er gerade auftritt: Rede beim CDU-Bundesparteitag, Besuch beim 195. Froschkuttelessen in Riedlingen, Spendenaktion im Supermarkt. Social Media als digitaler Schaukasten des Wahlkampfterminkalenders.

Keine Reichweite mit Terminkommunikation

Große Reichweite hat er damit nicht erzielt. Bundesweite Bekanntheit erlangte Hagel erst, nachdem die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer ein acht Jahre altes Video im Internet teilte, in dem Hagel von einem Termin in einer Realschule berichtet. Es folgen Sexismusvorwürfe. Plötzlich kennt ihn das ganze Land.

Damit ist Mayers Video kurz vor der Wahl am 8. März vermutlich der erfolgreichste Social-Media-Beitrag aus dem baden-württembergischen Wahlkampf – und das zu Recht. Wer Frauen aufmerksam zuhört, erfährt, dass sie noch immer allzu oft auf ihr Äußeres reduziert werden, selbst dort, wo es keinerlei Rolle spielt.

So hat der digitale Wahlkampf am Ende doch noch einen relevanten Impuls hervorgebracht – einen Beitrag, der viele Menschen erreicht und zeigt: Politik im Netz kann auch wichtige Debatten anstoßen.

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