Wahlkampf in den USA Spritpreis steigt – Beliebtheit sinkt

Barack Obama muss im Wahlkampf um jede Stimme kämpfen. Foto: AP
Barack Obama muss im Wahlkampf um jede Stimme kämpfen. Foto: AP

Steigende Treibstoffkosten ärgern die Amerikaner und mindern die Chancen von Barack Obama, als US-Präsident wiedergewählt zu werden.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)
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Washington - Das Mitleid mit Barack Obama kommt aus einer ungewöhnlichen Ecke. „Es ist immer bedauernswert, einen amerikanischen Präsidenten zu sehen, der von energiepolitischer Panik besessen ist und verzweifelt Unsinn über die Benzinpreise von sich gibt“, schrieb das „Wall Street Journal“ vor einigen Tagen. Aber warum solle es Barack Obama besser gehen als George W. Bush, der auch unter einem Benzinpreisschock gelitten habe?

Die Preise steigen, Obamas Beliebtheitswerte sinken. In jüngsten Umfragen lag der US-Präsident zum ersten Mal seit Monaten im direkten Vergleich mit seinem wahrscheinlichen republikanischen Gegner Mitt Romney zurück – obwohl sich die wirtschaftliche Lage gebessert hat. Zwei Drittel der Wähler beklagten sich in einer Umfrage der „Washington Post“ darüber, dass der Präsident zu wenig gegen die hohen Treibstoffpreise tue. Das hat Folgen: Seit Tagen redet Obama nicht mehr über die Eurokrise, die chinesische Wirtschaftspolitik, die Gefahr aus dem Iran oder den Arabischen Frühling, sondern nur noch darüber, was er für den Energiemarkt tut.

Die magische Zahl vier

Für die amerikanische Öffentlichkeit besteht dieser Markt aber nur aus einer magischen Zahl: vier Dollar je Gallone Benzin. Aus europäischer Sicht sind das günstige 80 Eurocent je Liter. Doch in den USA verursacht das ein politisches Beben, obwohl die magische Vier im Landesdurchschnitt nicht einmal erreicht ist. In der ­hitzigen Debatte geht unter, dass die US-Wirtschaft heute besser gegen einen Preisschock gewappnet als im Jahr 2008. Damals waren die hohen Preise neben der Krise auf dem Immobilienmarkt ein schwer zu verkraftender Schlag. Seither hat sich einiges geändert. Obama hat beispielsweise gegen heftige Proteste der Autoindustrie höhere Effizienzstandards bei Autos durchgesetzt. Das nützt nun auch der einheimischen Industrie, die zudem davon profitiert, dass viele Amerikaner einen aufgestauten Nachholbedarf bei neuen Fahrzeugen haben – und sich für sparsamere Versionen entscheiden. Doch an der politischen Psychologie ändert das wenig.

Erfolgreich haben die Republikaner der amerikanischen Öffentlichkeit eingehämmert, dass Amerika alles Öl der Welt haben könne, wenn man nur aggressiv genug auf heimischem Boden bohre. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Newt Gingrich verspricht einen Benzinpreis von 2,50 Dollar je Gallone. Das wären 50 Eurocent je Liter. Die enormen Reserven, die in den vergangenen Jahren dank neuer Technologien erschlossen wurden, haben in der Tat in den USA diejenigen, die das Ende des Ölzeitalters an die Wand gemalt haben, verstummen lassen. „Drill, Baby, drill“ – also „Bohre, Baby, bohre“ – das war ein belächelter Spruch der republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin. Doch Obama lächelt nicht mehr. Die Fakten auf seiner Seite zu haben genüge in Amerika eben nicht, schreibt das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“. „Es ist nicht zu bestreiten, dass der Präsident eines vorsichtigen umweltpolitischen Bewusstseins schuldig ist“, heißt es dort ironisch: „Niemand hat aber in Amerika je eine Wahl gewonnen, wenn er gesagt hat, dass die unerschöpfliche Fülle zu Ende geht, die dem Lande von der Vorsehung geschenkt wurde.“

Der Gaspreis ist kollabiert

Beim Erdgas haben die Amerikaner dieses göttliche Wunder in den vergangenen Jahren erlebt. Riesige, neu erschlossene Vorkommen in den Vereinigten Staaten haben den Gaspreis kollabieren lassen. Doch das hat einen einfachen Grund: Es gibt bis jetzt keine Möglichkeiten, dieses Gas zu exportieren. Die neu erschlossenen US-Ölvorkommen werden diesen Effekt nicht haben. Erdöl wird auf dem Weltmarkt gehandelt. Und da haben die Irankrise oder der wachsende Bedarf von Schwellenländern wie Indien oder China einen größeren Einfluss auf die Preise als die amerikanische Produktion. Doch das stört die Obama-Kritiker nicht. Auch die Tatsache, dass die Förderung unter Obama stärker gestiegen ist als unter seinem Vorgänger George W. Bush wird von ihnen geflissentlich ignoriert.




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